Umfrage „Deutschland mit 17“ - die Ergebnisse

Elterntaxi, Smartphone & Co: Vorurteile gegenüber der „Jugend von heute“ im Check

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Völlig altersunabhängig: Das Bedürfnis zu spielen, zu kommunizieren und Musik zu hören.

„Früher waren wir am Bolzplatz und haben nicht die ganze Zeit am Smartphone getippt“ - so oder so ähnlich lesen sich Vorwürfe an die sogenannte „Jugend von heute“ von älteren Generationen. Der Faktencheck.

München - Wünsche und Träume sind häufig auch materieller Natur - viele 17-Jährige träumen von der neusten technischen Rafinesse oder davon sich mit einem eigenen Auto endlich unabhängig von den Eltern zu machen. Wir wollten daher in unserer deutschlandweiten Umfrage „Deutschland mit 17“ von den Lesern wissen, wie sie von A nach B gekommen sind und welche technischen Geräte sie sich mit 17 Jahren geleistet haben. Auf welchen Wegen haben sie im Alter von 17 Jahren mit ihren Freunden kommuniziert? Erhalten haben wir tausende von Antworten. Außerdem wollten wir wissen, welche Bedeutung das Jahr 2000 für sie hatte. Der älteste Umfrageteilnehmer wurde 1927 geboren, die jüngste Teilnehmerin ist jetzt 17 Jahre alt. Wir geben Ihnen Einblicke in die Antworten unserer Leser. 

Elterntaxi - ein Phänomen der Neuzeit? Im Gegenteil!

In den Geschichten unserer Großeltern war fast immer die Rede davon, dass man früher immer alles zu Fuß erledigen musste. Meist gekoppelt daran der Vorwurf, die „Jugend von heute“ sei faul. Doch so ganz richtig ist das nicht, denn ein Transportmittel haben fast alle Generationen genannt: Das Elterntaxi. Die Begriffe „Eltern“, „Mama“ und „Papa“ nannten insgesamt 135 der befragten Personen. Das ist die häufigste Nennung. 

Egal ob 1953 geboren oder 1999 - die meisten 17-Jährigen ließen sich also unter anderem von ihren Eltern von A nach B bringen. Ebenfalls hoch im Kurs bei den Jugendlichen: Bus (127 Nennungen) und Fahrrad (121 mal genannt) - auch wenn diese Verkehrsmittel wohl eher zwangsläufig genutzt werden, aus Mangel an Alternativen. 

Das Gefühl von ultimativer Unabhängigkeit: Der eigene fahrbare Untersatz.

Denn nur wenige Jugendliche haben mit 17 Jahren einen Führerschein oder gar ein eigenes Auto oder Motorrad. Auch wenn der Wunsch danach groß ist. Endlich wie ein Erwachsener wann man will und wohin man will gehen zu können. Eine 1941 Geborene verriet uns: „Ich wollte immer eine BMW 500.“ „Ich wollte unbedingt einen alten Hippiebus fahren, letztendlich wurde es der alte Kia meiner Oma.“ (weiblich, 1998 geboren)

In der jüngsten Generation findet im Moment ein Paradigmenwechsel statt, der durch den Führerschein mit 17 bedingt ist. Die Generation Z macht den Führerschein früher, auch das eigene Auto ist mit 17 oft kein Wunschtraum mehr. Auch wenn anfangs noch eine Begleitperson auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, bedeutet das eine Zunahme an Selbstständigkeit. 

Vom Bolzplatz in den Chatroom - Wie reden wir mit unseren Freunden?

Freunde spielen in der Zeit des Erwachsenwerdens eine sehr große Rolle. Große Unsicherheiten lassen sich einfach viel besser mit Leidensgenossen besprechen. Die eigenen Gefühle und Eindrücke werden abgeglichen und geteilt. In unserer Umfrage wollten wir wissen, wie diese Kommunikation im Alter von 17 Jahren über die verschiedenen Generationen ausgesehen hat. 

Völlig altersunabhängig: Das Bedürfnis zu spielen, zu kommunizieren und Musik zu hören.

Die Maturisten pflegten entsprechend den technischen Möglichkeiten ihre Freundschaften bei persönlichen Treffen und in Briefen. Mit dem technischen Fortschritt nehmen auch die Kommunikationsmöglichkeiten zu. Mussten sich die Babyboomer am Telefon aus Kostengründen kurz fassen - wenn denn einer ihrer Freunde überhaupt ein eigenes Telefon besaß - hing die Generation X schon stundenlang am schnurlosen Hörer. Später verlagert sich diese Kommunikation zunächst ins Internet und später via Messengerdienste auf das Smartphone.

Letztendlich sind sich aber alle Generationen einig: Es macht keinen Unterschied, mit Hilfe welcher technischer Mittel wir mit unseren Freunden kommunizieren: „Die Geschichten vom letzten Absturz bei der Party und Liebeskummer müssen immer noch im persönlichen Gespräch in der Pause erzählt werden“, sagt ein jetzt 17-Jähriger Umfrageteilnehmer.

Nie wieder mit der kleinen Schwester teilen - das eigene technische Gerät

Ein eigener Fernseher, eine eigene Anlage, die man sich nicht mit der Schwester teilen muss - Jugendliche haben große Wünsche. Wie unsere ältesten Umfrageteilnehmer bestätigen gab es zu Kriegszeiten und kurz danach kein besonders großes Angebot. Die wenigen, die es gab waren, fast alle portabel, wie zum Beispiel ein Kofferradio oder ein Kofferplattenspieler. Bei der Generation danach sind die Wünsche und Anschaffungen schon vielfältiger: „EinTelefunken 4-Spur-Tonbandgerät, mein ganzer Stolz“, „Kassettenrecorder, den man mit einem Riemen über der Schulter tragen konnte“ oder „Meine vom kargen Lehrlingsgehalt angesparten E-Gitarre“. Bei der Generation X dreht sich alle um Ton und Bild: „Kassettenrekorder“, „Stereoanlage mit CD- und Doppel-Kassettendeck“, „Walkmen“ und „eigener Fernseher“ standen ganz oben auf der Wunschliste, genauso wie, die ersten Konsolen (“Atari“). 

Die Generation Y wusste gar nicht, was sie sich zuerst kaufen soll, eine Neuerung jagte die nächste. Das hat sich eine Generation später bereits wieder erledigt. Zwar variieren die Marken, doch die 17-Jährigen heute wissen genau: „Smartphone“, „Tablet“, „Fernseher“ und „Computer“ - diese Geräte decken alles ab, was man sich nur wünschen kann.

Das Millenium - Erstaunliche Erkenntnisse

Eines der überraschendsten Ergebnisse bei der Auswertung liefert die Sicht der einzelnen Generationen auf das Jahr 2000. Empfanden die Maturists das Ereignis der Jahrtausendwende noch als zu weit weg, um sich darüber Gedanken zu machen, begannen schon die Babyboomer sich damit aktiv auseinander zu setzen. Von „Beginn eines neuen Zeitalters“ bis „George Orwells Welt kommt“ reicht die Spanne der Antworten. Für die Generation X prägten Utopien aus der Science-Fiction-Welt ihre Vorstellungen von dem neuen Jahrtausend. Ab dann mehren sich die Ängste der 17-Jährigen: „Es war schon ein komisches Gefühl bald in ein neues Jahrtausend zustarten. Und vor allem ob alles "gut geht“.“, schreibt uns eine 1981 geborene Frau. 

Ab der Jahrtausendwende verschwindet das Interesse an dem Jahrtausendwechsel auf einen Schlag: „Ich kann mich kaum daran erinnern“, „2000 war ich gerade mal zwei Jahre alt“. Im Nachhinein mögen die Ängste vor einem möglichen Weltuntergang und Computerausfällen albern wirken. Für die unmittelbar betroffene Generation waren sie allerdings sehr real.

Sagen Sie uns Ihr Geburtsjahr - wir zeigen Ihnen die Antworten

In unserem Fragebogen haben unsere Leser, ihre Herzen weit geöffnet und uns einmalige Einblicke gewährt. Zusammen genommen ergeben ihre Erfahrungen ein einzigartiges Abbild der Gesellschaft. Die Antworten haben uns überrascht, gerührt und mitgenommen.

Finden auch Sie sich selbst in den Antworten wieder? Probieren Sie es in unserem interaktiven Tool aus und schreiben Sie uns in den Kommentaren.

Fragen Sie doch mal ihre Familie: „Wie war es, als du 17 warst?“

Ziel unserer Umfrage war es, Generationen miteinander ins Gespräch zu bringen. Wenn sich jeder in den 17-jährigen versetzt, der sie oder er einmal war, dann hat er einen Brückenpfeiler für Empathie. Wir laden Sie zu einem Spiel ein. Zur Weihnachtszeit kommen die Generationen oftmals zusammen. Fragen Sie doch in die Runde: Welche Musik hast du mit 17 Jahren gehört? Wovon hast du mit 17 Jahren geträumt? Lassen Sie jeden am Tisch ausreden. Und wenn Sie möchten - schreiben Sie uns, was passiert ist, als Sie unsere Umfrage-Fragen bei sich zu Hause gestellt haben.

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