Hartnäckiges Kratzen im Hals

Diagnose Krebs: Dieser Mann wird sterben - aber er hat noch etwas zu sagen

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Ulrich Thomas ist 51 Jahre alt und weiß: Viel Zeit bleibt ihm nicht mehr.

Ulrich Thomas ist 51 Jahre alt. Vor zweieinhalb Jahren bekam er die Diagnose: Krebs. Wie sich sein Leben seitdem veränderte.

Werl - Im April 2015, auf dem Parkplatz vor der Praxis seiner Hausärztin, schrumpfte die Welt von Ulrich Thomas plötzlich und völlig unvorbereitet, wie soester-anzieger.de* berichtet. Hinein gegangen war der damals 49-Jährige mit einem ganz normalen Leben – einem Job, Freunden, Sport und anderen Hobbies, einer Familie und einer Zukunft und ja, einem hartnäckigen Kratzen im Hals – herausgekommen war er als aller Kraft beraubte Hülle um ein paar Gramm bösartiges Gewebe in Mundraum und Hals. 

Die Tumore waren sein Todesurteil und sind es bis heute, mehr als zweieinhalb Jahre später, geblieben. Aber sie sind auch Teil eines neuen Lebens geworden, das der Mann aus Werl im Kreis Soest inzwischen mit einer Intensität lebt, die er früher in seiner eigentlich doch viel größeren Welt nicht gekannt hatte. „Ich habe völlig zugemacht“, beschreibt er die ersten Wochen nach der Diagnose. Dabei war diese damals eigentlich noch gar nicht eindeutig: Wirkliche Klarheit hätte nur die Entnahme einer Gewebeprobe gebracht. Die aber konnte nicht genommen werden, weil sich Ulrich Thomas in seiner kleinen Dachgeschosswohnung vergrub. Das änderte sich erst, als eines Tages seine Hausärztin plötzlich vor der Tür stand und ihn aus seinem tiefen schwarzen Loch holte. 

Die Diagnose Krebs wirft Ulrich Thomas für viele Wochen in ein tiefes schwarzes Loch.

Was folgte, war eine Odyssee durch alle Arten von Höllen der modernen Medizin mit ihren Therapieoptionen, Angst, Verzweiflung und Schattierungen von Schmerzen, die sich Uli niemals hätte vorstellen können. Die linke Seite seines Halses wurde „komplett ausgeräumt“, alle Zähne gezogen, es wurde in ihm geschnitten und genäht, mit Strahlen bombardiert und mit Chemie geflutet – alles in dem verzweifelten Bemühen, den Krebs aus seinem Körper zu vertreiben. 

Ein Rückschlag nimmt jede Hoffnung

Ein paar Monate lang, von April bis Oktober 2016, sah es auch aus, als sei der Kampf gewonnen worden. „Ich war krebsfrei“, erinnert sich der 51-Jährige. Dann war er es nicht mehr – und wird es auch nie wieder sein: Der Rückfall nahm auch die allerletzte Hoffnung auf Heilung. Verloren hat er aber auch noch sehr viel mehr, darunter den Geschmackssinn, die Produktion von Speichel und die Fähigkeit, etwas anderes als Flüssigkeiten schlucken zu können – am besten lauwarm oder gar nicht warm. 

Das Atmen fällt zunehmend schwerer: In der Lunge haben sich Metastasen eingenistet. Im Gehirn ebenfalls. Die Kraft des einst passionierten Läufers schwindet langsam, immer mühsamer wird es, die Treppen zur Wohnung im dritten Stock hinaufzusteigen, den kleinen Haushalt zu versorgen, einfache Notwendigkeiten zu erledigen, wie an- und ausziehen. Im Gespräch mit dem Soester Anzeiger* spricht er über verlorene Freunde und seine ganz persönlichen Engel, die ihn auf dem Rest seines Weges begleiten werden.

Von Achim Kienbaum und Daniel Schröder

*soester-anzeiger.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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