Orkan fegt über ganz Europa

Sturmtief „Sabine“: Verwüstung und Tote in ganz Europa - Frachtschiff verliert Container: War es Gefahrengut?

Sturmtief Sabine hält auch Europa in Atem. So sind nicht nur mehrere Todesopfer zu beklagen. Auch der Verkehr war erheblich eingeschränkt. Zudem hat ein Frachtschiff Container verloren.

  • Mit orkanartigen Geschwindigkeiten fegt das Sturmtief „Sabine“ durch Europa.
  • Es gibt mehrere Todesopfer zu beklagen.
  • Auf der Ferieninsel Korsika führten die heftigen Winde sogar zum Wiederaufflammen eines Feuers. 

Update vom 11.02.2020, 21.09 Uhr: Als Folge des Sturmtiefs über Europa hat ein Frachter vor der niederländischen Küste fünf Container verloren. In drei Containern sei Papier gewesen, bei zweien werde der Inhalt noch geklärt, meldet die dpa unter Berufung auf Behördenangaben. Zur genauen Unglücksursache gab es keine weiteren Angaben. 

Update vom 11.02.2020, 19.32 Uhr: Das Sturmtief, das seit Anfang der Woche in ganz Europa sein Unwesen trieb, hat in Großbritannien ein zweites Todesopfer gefordert. Wie die dpa unter Berufung auf die Polizei meldet, sei ein älterer Mann beim Spaziergang mit seinem Hund in Liverpool von einem Baum erschlagen worden. Zuvor war bereits ein Mann durch einen herabstürzenden Baum getötet worden.

Update vom 11.02.2020, 17.15 Uhr: Orkanartige Geschwindigkeiten und eine Schneise der Verwüstung - nachdem das Sturmtief „Sabine“ durch ganz Europa gefegt ist, gibt es dort nicht nur Sachschäden zu beklagen. So forderte der Orkan in Italien ein weiteres Todesopfer: Laut der Nachrichtenagentur Ansa wurde eine 77-jährige Frau in der Lombardei von Teilen eines herumwirbelnden Dachs getroffen. Zuvor starben bereits Menschen in Polen und Großbritannien (s. unten). 

Sturmtief „Sabine“ führt zu Verkehrsproblemen und Bränden in Korsika

Außerdem löste der Sturm in Korsika erhebliche Verkehrsprobleme aus - betroffen waren vor allem Fährverbindungen zum Festland und Flüge, wie die dpa unter Berufung auf den Radionachrichtensender Franceinfo berichtet. Zudem haben die starken Winde zum Wiederaufflammen eines Feuers im Süden der Ferieninsel geführt. Wie aus einer Warnung der Behörden hervorgeht, breite sich der Brand in Richtung des Dorfes Sari aus. Auch südlich der Hafenstadt Bastia habe eine mehr als zwei Quadratkilometer große Fläche gebrannt. 

Schock-Aufnahmen: Sturmböe erfasst Flugzeug - Pilot muss Katastrophe verhindern

Update 12.17 Uhr: Schrecksekunde für die Passagiere einer British-Airways-Maschine am Londoner Flughafen Heathrow. Aufgrund der starken Windböen geriet das Flugzeug am Wochenende beim Landeanflug in enorme Schwierigkeiten. Die Passagiermaschine geriet bereits kurz vor der Landung enorm ins Straucheln. Kurz nach dem Aufsetzen musste der Pilot dann erneut durchstarten. Erst beim zweiten Versuch konnte die Maschine schließlich sicher landen.

Auf einem Twitter-Video ist der Schock-Moment in einem Clip zu sehen.

Indes kommt bereits die nächste Sturmfront auf Deutschland zu. Schon in wenigen Tagen könnte wegen eines sogenannten Jetstreams neue Orkangefahr * bestehen.

Sturmtief Sabine: Zahl der Todesopfer in Europa steigt

Update vom 11. Februar 2020, 12.11 Uhr: Die Zahl der Todesopfer nach Sturmtief Sabine steigt. In Polen erlag nach einem Unglück im Skiressort Bukowina Tatrzanska mit zwei Toten am Montagabend auch eine 21-jährige Frau ihren Verletzungen, wie das Krankenhaus in Nowy Targ laut Nachrichtenagentur PAP mitteilte.

Über die aktuelle Wetterlage nach Sturmtief Sabine informieren wir hier.

Sturmtief Sabine in Europa: Mehrere Menschen erschlagen - Tausende ohne Strom

Unsere Erstmeldung vom 10. Februar 2020: Berlin - Sturmtief „Sabine“ hat nicht nur in Deutschland*, sondern in Teilen Europas am Sonntag und Montag erhebliche Schäden angerichtet. Das Zentrum des Sturms, der in Ländern wie Großbritannien, Frankreich und Belgien „Ciara“ genannt wird, lag erst nördlich von Schottland und verlagerte sich dann zur Norwegischen Küste.

Vor allem im Nordwesten des Kontinents blieben deshalb Haushalte ohne Strom, Zugfahrten und Flüge fielen aus. In Polen starben wegen des Sturms eine Frau und ihre Tochter, in Großbritannien kam ein Mann ums Leben.

Sturmtief Sabine: 20.000 britische Haushalte zeitweise ohne Strom

In Großbritannien kam am Sonntag ein Autofahrer durch einen umstürzenden Baum um. Der 58-Jährige war zwischen Winchester und Micheldever in Südengland unterwegs, teilte die Polizei mit. In einigen Regionen brachte der Sturm binnen 24 Stunden so viel Regen, wie sonst in eineinhalb Monaten fällt. Mehr als 20.000 Haushalte waren in der Nacht zum Montag ohne Strom

Überschwemmungen und umgestürzte Bäume behinderten den Verkehr auf Straßen und Schienen erheblich. In Brentwood (Essex) stürzte ein Auto in einen kleinen Krater, der über Nacht auf der Straße entstanden war. Auch Flüge fielen aus.

Sturmtief Sabine: Naturdenkmal wird gefällt - Abschiedsfeier geplant

In Belgien verursachte der Sturm etliche Schäden. Laut ersten Medienberichten wurde niemand verletzt, als vielerorts im Land Bäume und Baugerüste umstürzten und die Böen Dächer abdeckten. Züge fuhren auf vielen Strecken verspätet oder eingeschränkt.

Im Hafen von Antwerpen kippten aufeinandergestapelte Container um. In Zottegem westlich von Brüssel fällte der Sturm eine etwa 150 Jahre alte Pappel, die einsam auf einem Hügel stand. Der imposante Baum war dem Sender VBRT zufolge als eingetragenes Naturdenkmal geschützt. In sozialen Medien planten Anwohner am Montag demnach eine Feier, um von dem Baum Abschied zu nehmen.

In Brüssel löste der Wind Teile einer Leichtbaufassade, die vom sechsten und siebten Obergeschoss auf die Straße fielen. Auch etliche Dächer deckte der Sturm ab. Bahnen fuhren auf vielen Strecken verspätet oder eingeschränkt. In Blankenberge an der Küste wurden Windgeschwindigkeiten bis 120 Kilometer pro Stunde gemessen, wie Belga meldete.

Sturmtief Sabine: Haushalte um Paris haben plötzlich keinen Strom mehr

In Frankreich waren zunächst rund 130.000 Haushalte ohne Strom. Betroffen waren nach Angaben des Netzbetreibers Enedis der Großraum Paris sowie Nord- und Ostfrankreich, wo auch zahlreiche Verbindungen mit Regionalzügen entfielen.

Für mehr als 30 Départements dauerte die vom französischen Wetterdienst Météo-France ausgerufene erhöhte Alarmbereitschaft am Montag an. Dutzende Flüge fielen aus.

Heftige Wellen: Im hohen Bogen schießt das Wasser im britischen Blackpool über die Uferpromenade.

Sturmtief Sabine: S-Bahn in Schweiz kracht in umgestürzten Baum

Auch in Österreich und der Schweiz kam es zu Beeinträchtigungen im Flug-, Bahn- und Straßenverkehr. In der schweizerischen Gemeinde Wald krachte eine S-Bahn am Montagmorgen in einen umgestürzten Baum. Verletzt wurde niemand, wie die Nachrichtenagentur sda berichtete.

Ein ähnlicher Unfall ereignete sich am Sonntagabend in Moutier im Kanton Bern, auch dort gab es keine Verletzten. An den Flughäfen Zürich, Basel-Mülhausen und Wien fielen durch den Sturm seit Sonntagabend zahlreiche Flüge aus.

In der Schweiz kam ein Mann bei einem Verkehrsunfall ums Leben, der wahrscheinlich durch starken Wind ausgelöst wurde. Wie die Kantonspolizei Freiburg mitteilte, geriet der Anhänger eines 35-Jährigen auf die Gegenfahrbahn und krachte dort mit dem Auto eines 36-Jährigen zusammen. Die Einsatzkräfte konnten nur noch den Tod des 36-Jährigen feststellen. Die Polizei geht nach ersten Ermittlungen davon aus, dass der Anhänger durch den Sturm auf die Gegenfahrbahn gedrückt wurde.

In der Slowakei waren Tausende Haushalte ohne Strom. Dort galt laut Wetterdienst SHMU die höchste Unwetter-Warnstufe.

Sturmtief Sabine: Verletzter in Tschechien nach Baumsturz auf Auto

Auch in Tschechien waren zeitweise mehr als 300.000 Haushalte ohne Elektrizität, weil Stromleitungen durch umstürzende Bäume beschädigt wurden, wie Energieversorger mitteilten. Die Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um Straßen freizuräumen und Dächer zu sichern.

In Prag wurden ein 15 Jahre alter Junge und ein 14 Jahre altes Mädchen verletzt, als ein Baum auf einem Spielplatz umstürzte. In der Grenzstadt As (Asch) und im südböhmischen Bezirk Prachatice (Prachatitz) wurden zwei Fahrer verletzt, als Bäume auf ihre Autos krachten. Am Macha-See erwischte ein Baum eine Touristin, die mit schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht wurde. Im Bahnverkehr kam es zu zahlreichen Ausfällen und Verspätungen.

Sturmtief Sabine: Frau und Tochter in Skiressort von herabfallenden Dachteilen erschlagen

In Polen wurden im Skiressort Bukowina Tatrzanska im Süden des Landes am eine Frau und ihre Tochter auf einem Parkplatz von herabfallenden Dachteilen erschlagen. Laut einem Polizeisprecher wurden eine weitere Frau und ein Junge bei dem Unglück verletzt und mit leichteren Kopfverletzungen in ein Krankenhaus gebracht.

Am Montag waren zudem mehr als 55.000 Haushalte ohne Strom, wie die Nachrichtenagentur PAP berichtete. Bis 6.00 Uhr morgens mussten die Feuerwehren landesweit zu mehr als 1100 Einsätzen ausrücken, um unter anderem Bäume von den Straßen zu räumen.

Sturmtief Sabine: Starke Winde und hohe Wellen beeinträchtigen Fährbetrieb

In Estland waren am Montag 2300 Haushalte ohne Elektrizität, in Litauen waren es gut 3000 Haushalte, wie die örtlichen Stromversorger mitteilten. Besonders betroffen waren Haushalte in den küstennahen Regionen an der Ostsee. Wegen der starken Winde und der damit verbundenen hohen Wellen kam der Fährbetrieb teilweise zum Erliegen.

Auch der Flugverkehr war betroffen: Der Frühflug der lettischen Fluglinie Air Baltic von Riga nach München am Montagmorgen wurde durch den Sturm zum Umkehren gezwungen, wie eine Sprecherin des Flughafens in Riga mitteilte.

Sturmtief Sabine: Weitere rund 220 Flüge am Amsterdamer Flughafen gestrichen

Auch am Tag nach dem Sturmtief in den Niederlanden mussten am Amsterdamer Flughafen Schiphol wieder rund 220 Flüge annulliert werden. Wegen starken Windes und heftiger Böen sei die Kapazität der Start- und Landebahnen eingeschränkt, teilte der Flughafen am Montag mit.

Am Vortag waren 240 zumeist innereuropäische Flüge gestrichen worden. Der Sturm richtete in den Niederlanden nur begrenzten Schaden an - meist ging es um umgestürzte Bäume und beschädigte Dächer.

Sturmtief Sabine: Angler stirbt nach Kenterung des Bootes

In Norwegen und Schweden mussten sowohl am Sonntag als auch am Montag zahlreiche Flüge gestrichen werden. Fähren blieben im Hafen und Zugverbindungen wurden eingestellt. Die Öresundbrücke zwischen Dänemark und Schweden war wegen starken Windes am Sonntag bis Mitternacht gesperrt.

Auf einem See in der schwedischen Gemeinde Svenljunga kenterten am Sonntag zwei Angler mit ihrem Boot - einer starb, nach dem anderen wurde am Montagnachmittag noch gesucht.

Auch Bayern hat unter den rekordverdächtigen Windgeschwindigkeiten zu leiden, wie merkur.de* berichtet. In ganz Deutschland kommt es zu Beeinträchtigungen im Zugverkehr - zeitweise werden alle Fernverbindungen eingestellt.* Schüler bekommen frei, weil diverse Einrichtungen aufgrund der mit dem Sturm einhergehenden Gefahren geschlossen bleiben.*

Auf dem Portal merkur.de* wird auch erklärt, worauf Bahnfahrer und Fluggäste während des Orkansturms achten sollten. Ein via Twitter verbreitetes Foto von den Folgen des Sturmtiefs sorgt im Internet für Lacher.*

Nur eine Woche nach einem schweren Sturm wütete in Großbritannien bereits ein neuer. Hunderte Flüge wurden bereits gestrichen. Es soll sogar zwei Tote gegeben haben. 

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

dpa

Rubriklistenbild: © Screenshot Twitter BigJetTV

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