Sensations-Fund in Oberbayern

Schatzsucher finden Hitlers geheime Verschlüsselungs-Maschine im Wald

Die Enigma kennt fast jeder. Aber das Schlüsselgerät 41? Nie gehört. Dabei ist dieses deutsche Chiffriergerät noch viel seltener als seine berühmte Vorgängerin. Nur rund 500 Stück kamen gegen Ende des Zweiten Weltkriegs zum Einsatz.

Aying/München - Jetzt haben zwei Hobby-Schatzsucher ein solches Chiffriergerät in einem Waldstück bei Aying entdeckt – und es dem Deutschen Museum übergeben.  Vermutlich seit Kriegsende, also mehr als 70 Jahre lang, hat das Gerät im Waldboden bei Aying gelegen: bis zum 5. Mai 2017. 

Da waren Max Schöps und Volker Schranner gemeinsam mit ihren Metallsuchgeräten unterwegs. Sie gehen in ihrer Freizeit „sondeln“, wie man in Bayern sagt. In jenem Waldstück zeigte Schranners Suchgerät an: Da liegt etwas Metallisches im Waldboden. Und die beiden entschlossen sich, es auszugraben. In rund 40 Zentimetern Tiefe fanden die beiden das Gerät. „Ich war zuerst einmal enttäuscht, weil ich dachte: Da haben wir eine Feldschreibmaschine entdeckt, wie sie von Soldaten im Zweiten Weltkrieg benutzt wurde“, erzählt Schranner. Das Gerät sieht einer Schreibmaschine tatsächlich ein wenig ähnlich – es hat eine „QWERTZ“-Tastatur – im Prinzip wie unsere heutigen Computer und die damals üblichen Schreibmaschinen. 

Die Enigma kennt fast jeder. Aber das Schlüsselgerät 41? Nie gehört. Dabei ist dieses deutsche Chiffriergerät noch viel seltener als seine berühmte Vorgängerin.

Abends bekam Schranner dann aber einen Anruf von Schöps: „Weißt du, was wir da entdeckt haben?“ sagte Schöps und schickte gleich ein paar Links hinterher. Die Antwort: ein Schlüsselgerät 41, wegen der Kurbel an der Seite auch „Hitlermühle“ genannt. Die beiden Schatzsucher hatten eine der seltensten Chiffriermaschinen überhaupt gefunden. Das Schlüsselgerät 41 wurde seit Ende 1944 von den Wanderer-Werken in Chemnitz hergestellt, die neben Autos und Fahrrädern auch Büromaschinen produzierten. 

Geheime Maschine sollte Enigma ablösen

Max Schöps, Volker Schranner und Kuratorin Carola Dahlke.

Es sollte kurz vor Kriegsende die Enigma ablösen – denn das Oberkommando der Wehrmacht hegte den Verdacht, dass die deutschen Verschlüsselungsmaschinen wie die Enigma und die Lorenz nicht mehr sicher genug seien. Daher entwickelte der Kryptologe Fritz Menzer zwischen 1939 und 1944 verschiedene neue Verschlüsselungsgeräte. Darunter auch die „Hitlermühle“, deren Verschlüsselungsalgorithmus deutlich sicherer war als der der heute so berühmten Enigma. Allerdings wurden bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nur wenige dieser Maschinen hergestellt. Aus damaligen Dokumenten geht hervor, dass vor allem die Abwehr - also der deutsche Geheimdienst - diese Maschine nutzte. Bei Kriegsende wurden die Chiffriergeräte dann häufig gewaltsam zerstört oder in Gewässern versenkt. Dass dieses Gerät einfach in einem Waldstück bei Aying vergraben wurde, ist aus Sicht von Kryptografie-Expertin Carola Dahlke ein Glücksfall: „Ein solcher Bodenfund ist sehr selten.“ 

Für Schöps und Schranner ist es jedenfalls der wertvollste Fund ihres Schatzsucher-Lebens. Der Lagerist Schranner geht schon seit 20 Jahren „sondeln“, der Zimmerer Schöps seit etwa zehn. „Wir haben uns zufällig auf einer Wiese kennengelernt“, erzählt Schranner – seitdem suchen sie gemeinsam. 

„Hitlermühle“ wird ausgestellt

„Natürlich hofft man immer auf einen Goldschatz. Das ist ein bisschen wie beim Lottospielen.“ Sie freuen sich jetzt sehr, dass ihr Fund ins Deutsche Museum kommt. „Es gab durchaus noch andere Angebote“, sagt Schöps. „Aber wir wollten, dass die Maschine im Lande bleibt – und nicht in den USA oder England in einer Privatsammlung verschwindet, wo sie kein Mensch sehen kann.“ Ausgestellt wird das „Schlüsselgerät 41“ in der neuen Dauerausstellung „Bild - Schrift - Codes“, die Ende 2019 eröffnen soll und in der die Kryptografie eine große Rolle spielt. Spätestens dann werden Schöps und Schranner wieder ins Deutsche Museum kommen, um ihren Fund in der Ausstellung zu bewundern. Dort steht sie dann gemeinsam mit der Enigma in einer Vitrine.

Deutsches Museum Presse/mk

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