Tausende weinende Menschen

Chapecó weint um Fußballteam: Abschied nach Absturz-Tragödie

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Die Särge wurden auf dem Spielfeld aufgebahrt, tausende Menschen weinten. Foto: Fernando Bizerra Jr

Bei strömendem Regen kommen die Särge an. Fast das ganze Fußballteam von Chapecoense ist tot, gestorben auf dem Weg zum Finale um den Südamerika-Cup. Posthum soll ihnen eine besondere Ehre zuteil werden.

Chapecó (dpa) - Dutzende Särge auf dem Spielfeld, Tausende weinende Menschen: Mit einer bewegenden Trauerfeier hat die brasilianische Stadt Chapecó Abschied genommen von den bei einem Flugzeugabsturz getöteten Fußballspielern und Betreuern des Clubs Chapecoense.

Für jedes Opfer stieg ein weißer Ballon in den Himmel, bei strömenden Regen gab es laute "Chape, Chape"-Gesänge im Stadion. Die brasilianische Luftwaffe hatte mit zwei Maschinen 50 Särge nach Chapecó gebracht, wo rund 20 000 Menschen im Fußballstadion der Toten gedachten, darunter Staatspräsident Michel Temer und FIFA-Chef Gianni Infantino. Auf dem Spielfeld wurden die Särge aufgebahrt, Tausende Menschen weinten. Die Maschine war am Montagabend kurz vor der Landung im kolumbianischen Medellín wegen Treibstoffmangels abgestürzt.

Das Team war auf dem Weg zum Finalhinspiel um den Südamerika-Cup gegen den Club Atlético Nacional aus Medellín. 71 Menschen starben, darunter 20 Journalisten. Sechs überlebten: drei Spieler, zwei Crewmitglieder, ein Journalist. Ihr Zustand ist inzwischen stabil. Der kleinen Charterfluggesellschaft LaMia wurde die Lizenz entzogen.

Wie der Interims-Präsident des Clubs, Ivan Tozzo, nach Angaben des Portals "Globo" mitteilte, wird der südamerikanische Fußballverband Conmebol das Team zum Sieger der Copa Sudamericana 2016 erklären - auch der Finalgegner aus Medellín hatte das vorgeschlagen. Der Club solle auch das Preisgeld von zwei Millionen US-Dollar bekommen.

Bei der Trauerfeier schützten sich die Menschen mit Plastikfolien gegen den Dauerregen - für viele mutete es an, als würde auch der Himmel über Chapecó weinen. Es wurden alle Namen der Toten verlesen; und es gab viele Appelle, zusammenzustehen in dieser schweren Stunde.

Weinende Menschen lagen sich in den Armen. Schon am Flughafen gab es Salutschüsse für die Toten, bei der Fahrt der Särge auf Lastwagen zum Stadion standen Tausende Spalier und klatschten. Soldaten trugen dann die Särge ins Stadion. Am Ende der Trauerfeier stimmten die Fans im Stadion unter Tränen und wie zum Trotz laut Jubelgesänge an. In Gedenken an die Opfer gab es am Wochenende weltweit Schweigeminuten vor Fußballspielen, Mannschaften liefen mit Trauerflor auf.

In Chapecó, einer von europäischen Einwanderern geprägten Stadt im Bundesstaat Santa Catarina, steht seit der Tragödie die Zeit still. Das Grün des Clubs ist überall die dominierende Farbe. Wie es nun weitergeht, ist unklar. Eigentlich stünde in einer Woche das letzte Saisonspiel in der Ersten Liga gegen Atlético Mineiro an. Nach Medienberichten hat der Club, der bisher rund 5000 Mitglieder hat, mehr als 13 000 neue Anträge auf Mitgliedschaft bekommen. Zudem sind die grünen Trikots des Teams von Chapecoense vielerorts ausverkauft.

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