Gewalt und Chaos in Italien

Corona-Randale: „Stadtguerilla“ stürzt Rom in den Ausnahmezustand

Unter dem Mantel des Protests gegen Corona-Maßnahmen in Italien sorgen Impfunwillige und Rechte für chaotische Zustände in Rom.

Rom - Bei Demonstrationen gegen den so genannten „Green Pass“*, also einen obligatorischen Nachweis einer Impfung oder Immunität gegen das Coronavirus* oder alternativ eines negativen Testsergebnisses für viele Bereiche des öffentlichen Lebens in Italien, ist es am Samstag (09.10.2021) zu Ausschreitungen gekommen. Einige Demonstranten, darunter auch einschlägig bekannte Rechtsextreme, lieferten sich Straßenkämpfe mit der Polizei und stürmten ein Gewerkschaftsgebäude.

Die Einsatzkräfte setzten bei den Ausschreitungen in der Hauptstadt Italiens Tränengas, Schlagstöcke und Wasserwerfer ein und nahm bis zum Sonntagmittag zwölf Randalierer fest. Unter den Festgenommenen waren auch die beiden Anführer der rechtsextremen Partei Forza Nuova, Giuliano Castellino und Roberto Fiore. Staatspräsident Sergio Mattarella und Regierungschef Mario Draghi verurteilten die Gewalt, die italienische Zeitung Corriere della Sera beschrieb die Ausschreitungen als eine „Stadtguerilla der Impfgegner“.

Bei den Ausschreitungen in der italienischen Hauptstadt kamen Tränengas und Wasserwerfer zum Einsatz.

Randale in Italien: Menschen demonstrieren gegen „Grünen Pass“ und Corona-Politik

Randalierer erstürmten die Zentrale der Gewerkschaft CGIL. Bei dem Angriff wurden unter anderem drei Carabinieri verletzt und zahlreiche Wachleute mit Stöcken und Fahnenstangen attackiert. Gewerkschaftschef Maurizio Landini sprach von einem Akt „faschistischer Gewalt“ und einem „Angriff auf die Verfassung“. Zuvor hatte er sich an die Randalierer gerichtet und betont: „Niemand darf glauben, unser Land in die Faschistenzeit zurückstoßen zu können.“

Anlass für die eskalierte Demonstration waren neue Corona-Maßnahmen, die kommende Woche in Italien in Kraft treten. Ab Freitag (15.10.2021) benötigen Beschäftigte der Privatwirtschaft oder im öffentlichen Dienst einen so genannten „Grünen Pass“, also einen Nachweis der Impfung, Genesung oder eines - zu bezahlenden - negativen Tests. Dafür werden ab Montag (11.10.2021) in Italien zahlreiche Lockerungen in Kraft treten. Kinos, Theater und Konzerthallen öffnen wieder mit voller Auslastung, Diskotheken nehmen den Betrieb wieder auf. Auch hier ist der Eintritt Menschen vorbehalten, die einen „Grünen Pass“ vorzeigen können.

Tausende protestieren in Rom: Demonstrationen in Italien enden mit Gewalt und Festnahmen

Mehrere Zehntausend Menschen waren am Samstag durch Rom gezogen, um gegen diese Regierungsentscheidung zu protestieren. Nach einer genehmigten Kundgebung an der Piazza del Popolo marschierten die Demonstranten durch die Innenstadt und versuchten wiederholt, Polizeiabsperrungen zu durchbrechen. Dabei wurden Gegenstände und auch Knallbomben auf die Polizisten geworfen. Berichten zufolge wollten einige der Demonstrierenden offenbar zum Amtssitz von Ministerpräsident Draghi vordringen, wurden dabei aber von Wasserwerfern der Polizei aufgehalten. (ska/dpa)

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