Vor-Ort-Besuch

Razzia in Hessen: Das Bordell in Kassel, von dem niemand etwas weiß

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Bordell-Tür in Kassel: Am Mittwoch kam es in Kassel zu einer Razzia.

Am Mittwochmorgen sind bei einer bundesweiten Razzia die Räume eines Bordells in Kassel durchsucht worden. Ein Vor-Ort-Besuch.

Kassel - Das Haus an der Fünffensterstraße nahe des Rathauses fällt nicht sofort ins Auge. Eigentlich ist der Bau eher unscheinbar, wie hna.de* berichtet. In dieser Gegend unweit des Rathauses ist man sowieso eher mit dem Auto auf der vierspurigen Straße unterwegs oder aber damit beschäftigt, rechtzeitig die Haltestelle oder sein Ziel in der Fußgängerzone zu erreichen.

Die Fünffensterstraße säumen Spielhallen, Shisha Bars, Restaurants und kleinere Geschäfte. Tagsüber ist weniger los, erst abends erwacht hier das Leben. Vermutlich auch ein Grund, wieso keiner der Vorbeieilenden weiß, dass in den oberen Etagen in jenem Haus ein Bordell beheimatet ist. Man ist auf dem Weg zur Arbeit, über das Nachtleben macht man sich da keine Gedanken.

Am späten Vormittag ist wieder Ruhe eingekehrt. Alle Fenster in den oberen Etagen sind geschlossen, die Vorhänge zugezogen. Die Bauarbeiten an den Gleisen zwischen Ständeplatz und Rathaus gehen ungehindert weiter. Eine Straßenbahn nach der anderen fährt vorbei. Der große Polizeieinsatz am Mittwochmorgen und die Durchsuchung sind kein Gesprächsthema.

Bundesweit soll die Razzia am Mittwoch die bisher größte Zugriffs- und Durchsuchungsmaßnahme der Bundespolizei gewesen sein - auch Kassel wurde man fündig. 

Im Night Time, das in der Nähe des Laufhauses liegt, hat man von der Aktion nicht viel mitbekommen – und das, obwohl die Kneipe zu den wenigen in Kassel zählt, die rund um die Uhr geöffnet haben.

Einige Gäste sitzen hier schon am Vormittag bei einem Glas Bier. Das gibt es, genau wie einen Pott Kaffee, zwischen 10 und 22 Uhr laut Aushang für einen Euro.

Das sonst dunkelgehaltenen Treppenhaus des betreffenden Gebäudes, in das man vom Gehweg unmittelbar hineinschauen kann, schimmert in blauem Licht. Vermutlich um Drogenabhängige davon abzuhalten, sich dort aufzuhalten. Eine richtige Eingangstür gibt es nicht. Auf dem Boden liegen Zigarettenkippen. Ein Schild weist auf die Überwachungskamera im Eingangsbereich hin. In den oberen Stockwerken locken anzügliche Bilder an den Türen der Appartements die Kunden. Schilder verraten, wer hinter den Türen zu finden ist. Zwei Frauen verlassen das Haus. Sie wollen nichts sagen. Ein älterer Herr kommt ebenfalls aus dem Hauseingang. Ob er dort wohnt? Er verneint – sich weiter äußern will auch er nicht.

* hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Kathrin Meyer

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