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Dürre in Italien: Gardasee ausgetrocknet – Das müssen Reisende jetzt wissen

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Von: Constantin Hoppe

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Hitze und kaum Regen in Sicht: Italien ist von einer historischen Dürre betroffen. Das hat auch Auswirkungen auf Urlauber.

Update vom Mittwoch, 10.08.2022, 15.34 Uhr: Der Gardasee in Italien ist an einigen beliebten Urlaubsstränden regelrecht ausgetrocknet – das zeigen eindrucksvolle Drohnenaufnahmen. Der „Jamaica Beach“ bei Sirmione ist ein beliebtes Reiseziel vieler deutscher Touristinnen und Touristen. Ausgedehnten und felsigen Vorsprünge erlauben es den Badegästen normalerweise bis zu 100 Meter in den See hineinzulaufen.

Doch nun zeigen die Drohen-Aufnahmen des Nachrichtensenders Local Team TV ein anderes Bild: Durch die aktuelle Trockenheit sind ganze Abschnitte des Strandes ohne Wasser, die Felsen sind nun noch viel weitläufiger als üblich.

Auch auf der gegenüberliegenden Seite des Gardasees biete sich ein ähnliches Bild. „Wir sind in einer sehr schlechten Verfassung, weil wir mindestens einen Meter unter dem Normalniveau liegen. Natürlich haben wir im Sommer immer etwas weniger Wasser. Aber jetzt hat der Wasserstand historische Ausmaße erreicht“, erklärte Mauro Lavora, der Strandbadbesitzer des „Lido dello Bionde“ im Gespräch mit Local Team TV. In einigen Regionen Italiens wurde wegen des Dürre-Notstands bereits das Trinkwasser rationiert (siehe Erstmeldung).

Ongoing Heat Wave In Italy. Sarca river, the main inflow of the Garda lake is pictured on July 8, 2022 in Riva del Garda
Die anhalten Hitzewelle in Italien sorgt für niedrige Pegelstände in Flüssen und Seen. © Aleksander Kalka/Imago

„Wasserkrieg“ am Gardasee: Was Reisende jetzt wissen müssen

Erstmeldung vom Dienstag, 09.08.2022: Frankfurt/Rom – Italien kämpft mit Hitze, Dürre, Trockenheit und Wasserknappheit. In fünf Regionen zwischen Mailand, Gardasee und Venedig herrscht wegen Trockenheit und Dürre der Notstand. Mailand und Venedig habe die öffentlichen Trinkbrunnen abgestellt, um Wasser zu sparen. Das aktuelle Jahr ist das trockenste Jahr in dem südeuropäischen Land seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Dem beliebten Urlaubsziel der Deutschen macht die Hitze im Jahr 2022 schwer zu schaffen. Die Dürre schränkt das Leben vieler Italiener stark ein. In Orten wie Pisa und Verona wurde das Trinkwasser rationiert. Der größte italienische Fluss Po führt in einigen Regionen kaum noch Wasser.

Der Gardasee
Größe370 Quadratkilometer
Mittlere Tiefe136 Meter
Durchschnittliche Wassertemperatur (Oberfläche)13,4 Grad

Hitzewelle und Dürre in Italien - Notstand ausgerufen, Trinkwasserversorgung eingeschränkt

Stellenweise ist der Po sogar ganz ausgetrocknet. Dabei ist der Fluss zwischen den Cottischen Alpen und der Adriaküste Venetiens die wichtigste Lebensader für Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie.

Auch Touristen sollten einiges beachten: Der Wasserstand des Gardasees ist derzeit etwa einen halben Meter niedriger als vor einem Jahr, erklärte Pierlucio Ceresa vom Verband der Gemeinden am Gardasee mitte Juli der dpa - geändert hat sich daran nichts.

Historische Dürre hat Auswirkungen auf den Tourismus in Italien

Die Anliegergemeinden und die nationale Regulierungsbehörde liegen jedoch seit Wochen im Streit, weil Wasser über die Schleusen in den Po abgelassen wird. Mehrere italienische Medien schrieben schon von einem „Wasserkrieg“, um das Abpumpen des Wassers.

Für den Gemeindeverband Garda ist das auf Dauer untragbar: „Der Fluss bräuchte im jetzigen Zeitpunkt mindestens 500 zusätzliche Kubikmeter pro Sekunde. Das Einzige, was wir mit dieser Maßnahme erreichen, besteht darin, dass auch noch der Gardasee krank wird“, beklagte Ceresa.

Dürre in Italien führt zu „Wasserkrieg“ am Gardasee

Mit Blick auf die sinkenden Pegel am Gardasee, mahnte Ceresa deshalb dazu, die Wassertiefe zu prüfen, wenn man zum Beispiel von Felsen aus in den See springen möchte. Ansonsten gibt es hier jedoch nur wenige Einschränkungen für Urlauber. In anderen Regionen Italiens sieht das allerdings anders aus.

In Verona, dürfen Bürger tagsüber Trinkwasser nur fürs Kochen, Trinken, Putzen und für Körperhygiene nutzen. Zwischen sechs und 21 Uhr ist es verboten, Gärten und Sportplätze zu bewässern oder Schwimmbäder aufzufüllen. Strafen bis zu 500 Euro werden angedroht. Diese Maßnahmen gelten bis zum 31. August.

„Wasserkrieg“ in Italien - das müssen Touristen am Gardasee und in der Toskana jetzt wissen

Auch in anderen Städten wurden die Bürger aufgefordert, Tätigkeiten, bei denen viel Wasser verbraucht wird, zu unterlassen. In der Lombardei mit Mailand als Metropole dürfen Klimaanlagen nicht kälter als 26 Grad eingestellt werden, Grünanlagen und Sportplätze werden nicht mehr bewässert.

Der Ausnahmezustand könnte auch auf weitere Regionen in Mittelitalien ausgeweitet werden, damit wäre auch die Toskana betroffen: Manche Städte, wie etwa Pisa, haben hier bereits erste Maßnahmen erlassen. So darf in der toskanischen Stadt Trinkwasser nur noch im Haushalt verwendet werden.

Anhaltende Trockenheit in Italien: Italiener hamstern Mineralwasser

Auch bei der Versorgung mit Mineralwasser kann es zu Problemen kommen. Die Mineralwasser-Branche schlägt jetzt Alarm, dass das Angebot knapper werden könnte. Aufgrund der Trinkwasser-Beschränkung haben die Italiener damit begonnen, Mineralwasser zu hamstern.

Auch kommt es in Italien derzeit immer wieder zu großen Waldbränden. Nur anhaltende Regenfälle könnten die Situation entschärfen. Doch Besserung ist vorerst nicht in Sicht: Für die kommenden zwei Wochen meldet die Website wetter.com nur niedriger Regenwahrscheinlichkeiten und Temperaturen, die weiterhin an der 40-Grad-Marke kratzen. (con)

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