1. Hersfelder Zeitung
  2. Panorama

„Leider nur eine Frage der Zeit“: Erster Fall von Schweinepest in Niedersachsen bestätigt

Erstellt:

Von: Sophia Lother

Kommentare

In Niedersachsen wird der erste Schweinepest-Ausbruch bestätigt. In einem Betrieb im Kreis Emsland müssen alle Tiere getötet werden.

Hannover - Nun hat die Afrikanische Schweinepest auch Niedersachsen erreicht. In einem Betrieb im Landkreis Emsland ist die Schweinepest (ASP) ausgebrochen. Das nationale Referenzlabor, das Friedrich-Loeffler Institut (FLI), bestätigte den Befund des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, wie das Landwirtschaftsministerium in Hannover mitteilte.

Dies ist nach Ministeriumsangaben der erste Fall der Tierseuche in Niedersachsen. Auch in einem Schweinemastbetrieb in Brandenburg wurde die Tierseuche am gleichen Tag nachgewiesen. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Afrikanische Schweinepest in Niedersachsen entdeckt: Alle Tiere müssen getötet werden

Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Viruserkrankung bei Haus- und Wildschweinen, die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Es gibt keine Möglichkeit, die Schweine durch eine vorbeugende Impfung zu schützen. Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über kontaminierte Gegenstände wie Kleidung und Schuhe sowie Futter in andere Gebiete durch den Menschen übertragen werden. Für Menschen und andere Tierarten ist die ASP nicht ansteckend oder gefährlich.

Afrikanische SchweinepestViruserkrankung
ErregerAfrikanische Schweinepest Virus (ASPV)
Erstes Auftreten in DeutschlandJuli 2020 bei Wildschweinen
Juli 2021 bei Hausschweinen in Nutzbeständen

„Es war leider nur eine Frage der Zeit, wann die Schweinepest auch Niedersachsen erreicht. Das ist ein harter emotionaler Schlag für die Schweinehalter bei uns im Land“, sagte Ministerin Barbara Otte-Kinast (CDU). Der Betrieb in der Gemeinde Emsbüren hält 280 Sauen und rund 1500 Ferkel. Der komplette Bestand wurde am Sonntag (3. Juli) getötet.

Niedersachsen: Afrikanische Schweinepest erstmals nachgewiesen - Kritik von Greenpeace

Greenpeace forderte ein Umdenken in der Haltung: Die nun folgenden Massenkeulungen zeigten, dass das bestehende „Schweinesystem in Deutschland strukturell, ökonomisch und ethisch am Ende ist. Die massive Konzentration von viel zu vielen Tieren auf wenig Raum bringt nicht nur enorme Tierschutz- und Umweltprobleme mit sich“, schrieb der Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter. Tierseuchen könnten sich besonders schnell ausbreiten. An den Wurzeln des Übels sei nichts verändert worden. „Wir müssen das bestehende hochspezialisierte tierschutzwidrige Schweinesystem beenden und die Tierhaltung - insbesondere in den Intensivregionen - schnell und drastisch zurückfahren.“

Schweine warten in einem Anhänger auf den Transport zum Schlachthof.
Schweine warten in einem Anhänger auf den Transport zum Schlachthof. © Lars Klemmer/dpa

Der erste Fall in Deutschland war am 10. September 2020 bestätigt worden, bei einem Wildschwein in Brandenburg. Epidemiologische Untersuchungsergebnisse des Friedrich-Loeffler-Instituts ergaben anschließend bereits die erste Juli-Hälfte als ersten Infektionszeitraum. Seitdem stellte man Ausbrüche in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen fest. Mitte Juli vergangenen Jahres hatte die Schweinepest erstmals in Deutschland auf Hausschweine in Nutzbeständen übergegriffen – dies war wiederum in Brandenburg der Fall. Die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) treibt auch die Landwirte im Kreis Hersfeld-Rotenburg um. (slo/dpa)

Auch interessant

Kommentare