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Nasa-Weltraumteleskop „Hubble“ bestätigt: Größter bekannter Komet rast ins Sonnensystem hinein

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Von: Tanja Banner

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Das „Hubble“-Weltraumteleskop der Nasa bestätigt, was Forschende seit seiner Entdeckung lange vermuten: Bernardinelli-Bernstein ist der größte Komet.

Los Angeles – Bereits kurz nach der Entdeckung des Kometen Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) im Sommer 2021 war eines klar: Der Komet ist riesig. „Wir haben vielleicht den größten Kometen, der jemals gesehen wurde, entdeckt“, freute sich damals Gary Bernstein, der den Kometen gemeinsam mit seinem Kollegen Pedro Bernardinelli ausfindig gemacht hat. Seitdem wird der Komet regelmäßig beobachtet. Nun bestätigt eine neue Studie, was Forschende bereits nach den ersten Sichtungen des Kometen erahnt hatten. „Wir haben immer vermutet, dass dieser Komet groß sein muss, weil er in so großer Entfernung so hell ist. Jetzt können wir bestätigen, dass er es ist“, erklärt der Astronom David Jewitt von der University of California Los Angeles (UCLA).

Jewitt ist an einer Studie zum Kometen Bernardinelli-Bernstein beteiligt, die im Fachjournal Astrophysical Journal Letters veröffentlicht wurde. Der Komet sei „ein unglaubliches Objekt, wenn man bedenkt, wie aktiv er ist, obwohl er noch so weit von der Sonne entfernt ist“, betont der Hauptautor der Studie, Man-To Hui von der Macau University of Science and Technology in Taipa. Bernardinelli-Bernstein ist derzeit etwa drei Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, er bewegt sich mit einer Geschwindigkeit von etwa 35.000 Kilometern pro Stunde durch das Sonnensystem. „Wir vermuteten, dass der Komet ziemlich groß sein könnte, aber wir brauchten die besten Daten, um dies zu bestätigen.“ Um diese Daten zu erhalten, nutzte das Forschungsteam das Nasa-Weltraumteleskop* „Hubble“.

Riesen-Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) ist so groß wie kein Komet zuvor

Am 8. Januar 2022 machte das Weltraumteleskop fünf Aufnahmen des Kometen, der derzeit auf dem Weg in Richtung Zentrum des Sonnensystems ist. Das Ziel der Forschenden: Herausfinden, wie groß der Kern des Kometen ist – eine äußerst schwierige Angelegenheit, da der Himmelskörper sehr weit entfernt ist. Auch auf „Hubble“-Aufnahmen kann nur sehr schwer zwischen dem festen Kometenkern und der ihn umgebenden Koma – einer diffusen und nebligen Hülle, die sich über Millionen Kilometer ausbreiten kann – unterschieden werden. Die Forschenden um Hui erstellten letztendlich Computermodelle, um den Kern von der Koma unterscheiden zu können.

Der Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) ist auf dem Weg vom Rand des Sonnensystems in dessen Zentrum. (Künstlerische Darstellung)
Der Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) ist auf dem Weg vom Rand des Sonnensystems in dessen Zentrum. (Künstlerische Darstellung) © NOIRLab/NSF/AURA/J. da Silva

Der Kern des Kometen sei „groß und schwarzer als Kohle“, erklärt Jewitt in einer Mitteilung seiner Universität. Die Forschenden schätzen, dass der Kometenkern einen Durchmesser zwischen 119 und 137 Kilometern hat – der vorherige Rekordhalter war der Komet C/2002 VQ94, dessen Kern etwa 96 Kilometer groß war. Bernardinelli-Bernstein sei damit mehr als 50 Mal größer als die Kerne der meisten bekannten Kometen, erläutert die US-Raumfahrtorganisation Nasa in einer Mitteilung. Den Berechnungen des Forschungsteams zufolge hat der Komet Bernardinelli-Bernstein außerdem eine Masse von 450 Billionen Tonnen – hunderttausendmal mehr als die Masse eines typischen Kometen, der sich in größerer Nähe zur Sonne aufhält.

NameC/2014 UN271 (Bernardinelli-Bernstein)
TypKomet aus der Oortschen Wolke
EntdeckerPedro Bernardinelli und Gary Bernstein
EntdeckungsdatumJuni 2021, älteste nachträglich entdeckte Teleskopaufnahme vom 20.10.2014
Größe des Kerns119 bis 137 Kilometer
Geschwindigkeit35.000 km/h
größte Annäherung an die Sonne1,6 Milliarden Kilometer am 31.01.2031

Komet Bernardinelli-Bernstein stammt aus der Oortschen Wolke

Der Komet C/2014 UN271 stammt aus einer Region am Rande des Sonnensystems, der Oortschen Wolke. Gängige Forschungsmeinung ist, dass es dort Billionen von Kometen gibt. Die Oortsche Wolke soll sich etwa 300 bis 750 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt befinden. Sie entstammt einer Theorie des niederländischen Astronomen Jan Oort aus dem Jahr 1950. Weil die Kometen in ihr zu weit entfernt sind und zu schwach leuchten, konnte die Oortsche Wolke bis heute nicht beobachtet werden – sie gilt jedoch als größte Struktur des Sonnensystems.

Kometen-Größenvergleich: C/2014 UN271 (Bernardinelli-Bernstein) ist deutlich größer als jeder andere bisher beobachtete Komet.
Kometen-Größenvergleich: C/2014 UN271 (Bernardinelli-Bernstein) ist deutlich größer als jeder andere bisher beobachtete Komet. © NASA, ESA, Zena Levy (STScI)

Der Komet Bernardinelli-Bernstein entfernt sich seit mehr als einer Million Jahre von der Oortschen Wolke und fliegt Richtung Sonne. Seine elliptische Umlaufbahn um die Sonne wird ihn im Januar 2031 an seinen sonnennächsten Punkt führen, das sogenannte Perihel. Der Komet befindet sich dann immer noch etwa 1,6 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt. Zuvor dürfte er der Sonne noch nie annähernd so nah gekommen sein, wie die Kometen-Entdecker Bernardinelli, Bernstein und weitere Forschende in einer Studie schreiben. „Tatsächlich ist dies möglicherweise der ursprünglichste Komet, der jemals beobachtet wurde“, heißt es darin.

Ein Komet ist ein „Gefrierschrank“ aus der Entstehungszeit des Sonnensystems

Anmerkung der Redaktion

Dieser Artikel wurde ursprünglich am 13.04.2022 veröffentlicht. Da er für unsere Leserinnen und Leser noch immer Relevanz besitzt, haben wir ihn erneut auf Facebook gepostet.

Kometen gelten als „schmutzige Schneebälle“, weil ihr Kern in der Regel aus Staub und Gestein besteht, das zusammengefroren ist. Nähert sich ein Komet der Sonne, wird seine Umgebung wärmer und das Eis sublimiert – es geht vom festen direkt in den gasförmigen Zustand über. So entstehen Koma und Schweif des Kometen. In der Region des Weltalls, in der sich C/2014 UN271 befindet, ist es -211 Grad Celsius kalt – eine Temperatur, bei der Kohlenmonoxid-Eis bereits sublimiert. Forschende vermuten, dass der Komet Bernardinelli-Bernstein möglicherweise bereits seit 2008 aktiv* ist.

Der Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) ist größer als jeder andere bisher bekannte Komet.
Der Komet Bernardinelli-Bernstein (C/2014 UN271) ist größer als jeder andere bisher bekannte Komet. © IMAGO/Cover-Images

Weil die Kometen aus der Oortschen Wolke nicht am äußersten Rand des Sonnensystems entstanden sind, sondern mitten im Geschehen waren, als sich die Planeten gebildet haben, gelten sie als wertvolle Himmelskörper, die einen Einblick in diese Zeit bieten können. Die Forschung geht davon aus, dass Kometen bei der Entstehung der Planeten und Monde an den äußeren Rand des Sonnensystems geschleudert wurden und wie ein „Gefrierschrank“ Elemente aus dieser Zeit konservieren.

Der riesige Komet Bernardinelli-Bernstein wird mit den neuen Erkenntnissen zu seiner Größe in der nächsten Zeit noch ausführlicher beobachtet werden. Noch knapp neun Jahre lang kommt der Komet der Erde näher, um sich dann wieder auf den Rückweg zur Oortschen Wolke zu machen. (Tanja Banner) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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