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Nachtzug: Experten haben kuriose Idee, um Reisen im Schlafwagen zu verbessern

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Von: Jana Wehmann

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Eine Frau schläft in einem ÖBB Nighjet Schlafwagen Zug
Im Schlafwagen schlafend auf den Nachtzug warten? Diese Idee könnte diese Verbindungen noch attraktiver machen. © Harald Eisenberger / ÖBB

Wer mit dem Nachtzug reist, muss am Bahnhof zum Teil mitten in der Nacht einsteigen. Um die Wartezeit zu verkürzen, haben Bahn-Experten eine spannende Lösung gefunden.

Köln/Erfurt – Für viele Reisende stellen Nachtzüge eine echte Alternative dar. Sie steigen am Abend in den Zug ein, schlafen und kommen am frühen Morgen am Ziel an. Was zunächst einfach klingt, bedeutet für einige Bahn-Fahrer aber auch lange Wartezeiten. Denn nicht jeder Fahrgast betritt den Zug am Abfahrtsbahnhof: Einige steigen erst an Zwischenhaltestellen ein – und müssen bis tief in die Nacht auf den Zug warten. Um das Problem zu lösen, haben Masterstudierende eine irre Lösung gefunden.

Nachtzug: Wartezeit am Bahnhof zu lang – Problem

Der Nachtzug feiert seit einigen Jahren wieder ein Comeback: Die Nachfrage nach den Nachtzügen steigt nicht nur, auch weiten die Anbieter das Strecken-Netz aus. In Deutschland hat die Deutsche Bahn gleich zwei neue Nachtzüge in den Fahrplan* aufgenommen, darunter die Verbindung Zürich–Köln*–Amsterdam mit Zwischenstopps u.a. in Frankfurt und in Düsseldorf*.

Doch wer erst an den Zwischenhalten in den Nachtzug zusteigt, hat in puncto Schlaf meist schlechte Karten. Denn die Haltestellen zwischen Abfahrt und Endstation werden beim Nachtzug erst zur gewöhnlichen Schlafenszeit angefahren – also mitten in der Nacht. Die Reisenden müssen sich daher wach halten, um in den Zug einsteigen zu können. Der Grundgedanke – im Zug zu schlafen – kommt bei einigen Reisenden daher zu kurz, da es sich teils nicht mehr lohnt.

Nachtzug Zeit verkürzen – Studie schlägt kuriose Lösung vor

Trotz der Wartezeit hat der Nachtzug aber auch Vorteile. Denn Nachtzüge sind im Vergleich zum Auto und Flugzeug deutlich nachhaltiger und stoßen weniger CO2 aus, wie die Studie „Reisen übermorgen – ein Unterschied wie Tag und Nacht“ des Masterstudiengangs „Europäische Bahnsysteme“ zeigte. Zudem kann mit dem Nachtzug nicht nur Zeit, sondern etwa auch eine Nacht im Hotel gespart werden. Aufgrund der Vorteile haben die Studierenden im Rahmen der Studie eine Lösung entwickelt, wie Nachtzüge attraktiver gestaltet werden kann. Konkret geht es vor allem darum, die lange Wartezeit an den Bahnhöfen zu verkürzen.

Die Lösung: Einzelwagen mit Schlafplätzen, die am jeweiligen Abfahrtsort bereitstehen. „Man steigt flexibel am eigenen Bahnhof in den Einzelwagen ein. Und sobald der Nachtzug am Halt angekommen ist, wird der Wagen mit eigenem Antrieb von etwa zehn km/h an den Zug gekoppelt“, erklärt Masterstudent Carsten Kretzschmar. Die Reisenden würden von dem Rangieren kaum etwas mitbekommen – und könnten währenddessen schlafen.

„Möglich wäre das auf jeden Fall“, sagt Kretzschmar. Denn den nötigen Hilfsantrieb gebe es bereits. Denn das Studien-Konzept beruht auf dem patentierten Prototypen „Last Mile Antrieb“ der Siemens AG, so auch Masterstudent Johannes Fielitz..

Nachtzug: Einzelwagen an Zug koppeln

Damit der Hilfsantrieb bei Einzelwagen eingesetzt werden könne, müsse dieser zunächst serienreif werden. Zudem muss das Begleitpersonal geschult werden, um Rangieren zu können. Für die Masterstudierenden steht jedenfalls fest: Bei der Idee handelt es sich nicht um Träumerei, sondern um eine echte Lösung. (jaw) *24RHEIN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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