Prozess in Hanau

„Meine Frau ist verbrannt“ - Mordprozess gegen Ex-Anwalt

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Der ehemalige Rechtsanwalt soll seine Frau getötet haben.

Ein ehemaliger Rechtsanwalt aus Hanau soll seine Frau mit Brennspiritus übergossen und angezündet haben. Jetzt wird dem Juristen der Prozess gemacht. Er schweigt zu den Vorwürfen.

Hanau - Die Bilder des Brandopfers sind für die Prozessbeteiligten und Zuschauer im Hanauer Gerichtssaal nur schwer zu ertragen. Abgebildet auf den Bildschirmen im Landgericht ist das feuerrote Gesicht einer Frau. Es ist angeschwollen und entstellt. Zum Zeitpunkt der Aufnahmen im Krankenhaus lebte die 52-Jährige noch. Wenige Tage später erlag sie im März ihren Verletzungen. Der Ehemann des Brandopfers wendet den Blick ab, schließt die Augen und wischt sich Tränen mit einem Taschentuch weg. Laut Staatsanwaltschaft soll er der Täter sein.

Der 49-jährige Deutsche, ein ehemaliger Rechtsanwalt aus Hanau nahe Frankfurt, sitzt am Dienstagmorgen zum Auftakt des Mordprozesses auf der Anklagebank. Er soll die 52-Jährige erst verprügelt, dann mit Spiritus übergossen und angezündet haben. Ob er sich zu den Vorwürfen äußern will? Der Angeklagte schüttelt wortlos den Kopf.

Die Verhandlung beginnt unter großem Zuschauer- und Medieninteresse. Angeklagte verbergen sonst häufig ihr Gesicht hinter einem Aktenordner-Deckel, wenn Medien sie ablichten wollen. Der angeklagte Ex-Anwalt reagiert gelassen auf die Film- und Fotokameras und blickt ihnen selbstsicher entgegen.

Die Staatsanwaltschaft hat das Mordmerkmal der Grausamkeit ihrer Anklage zugrunde gelegt. Und die Anklage hat es in sich: Der Mann soll seine Frau an einem März-Tag erst bis zur Widerstandsunfähigkeit verprügelt haben, dann Gesicht und Bauch mit Brennspiritus übergossen und angezündet haben.

Der Angeklagte stellte den Fall in den Vernehmungen anders dar. Demnach verließ er morgens die gemeinsame Wohnung, besuchte einen Bekannten in Frankfurt und kehrte am Abend zurück. Da habe er seine Frau bereits verletzt auf dem Boden des Esszimmers vorgefunden. Er habe ihr ins Schlafzimmer zum Bett geholfen und dann den Notruf abgesetzt. „Meine Frau ist verbrannt“, sagte er erregt stammelnd, wie es eine Tonband-Aufnahme dokumentiert.

Ermittler schlossen Suizid nicht aus

Erst scheinen Anzeichen auf einen Suizid einer alkoholkranken Frau hinzudeuten. Aber schnell kommen Ärzten und Polizisten Zweifel. Wie kam es zu den vielen Blutspuren in Treppenhaus und Wohnung? Wieso waren Teile der Wohnung verwüstet? Wieso hängt jemand mit Brandverletzungen seine angeschmorten Kleidungsstücke fein säuberlich über einen Wäscheständer?

Auf die Polizeibeamten am Einsatzort machte der Ehemann einen erstaunlich „ruhigen“ und wie „abwesend“ wirkenden Eindruck, wie ein Polizeibeamter am Dienstag als Zeuge sagt. Auch ein Kriminalbeamter, der den Beschuldigten vernahm, sagt: „Er schien sich nicht großartig Sorgen zu machen um seine Frau.“ Stutzig machte die Beamten, dass der Mann für die Szenerie - die Verbrennungen, die Prügelverletzungen und die Verwüstungen in der Wohnung - keine nachvollziehbare Erklärung hat.

Angeklagter war der Polizei bekannt

Häusliche Gewalt soll zwischen den deutschen Eheleuten ein Thema gewesen sein. Nachbarn berichteten von Handgreiflichkeiten im Haus. Monate vorher kam es zu einem Polizei-Einsatz wegen häuslicher Gewalt. Die Spuren des Streits wurden mit Fotos dokumentiert. Die Frau war übersät mit Blutergüssen und Kratzern.

Der Angeklagte war nicht nur durch diesen Vorfall der Polizei bekannt. Er trat mehrfach strafrechtlich in Erscheinung und verlor nach Angaben von Gericht und Staatsanwaltschaft seine Zulassung als Rechtsanwalt. Nach Polizeiangaben ging es unter anderem um Betrug und Veruntreuungen. Er selbst gab zu Protokoll, dass er den Job des Anwalts aufgegeben habe, weil er nicht mehr rentabel gewesen sei. Zuletzt lebte der Hausmann von Ersparnissen und Zuwendungen seiner Mutter.

Eine der Schlüsselfragen zum Prozess-Auftakt war: Wann zog sich die Frau die tödlichen Brandverletzungen zu? Ärzten und Gutachtern kamen Zweifel, dass die Wunden so frisch waren, wie es den Anschein machen sollte bei ihrem Einsatz am Abend des 21. März. Die Staatsanwaltschaft vermutet, dass sich das Geschehen früher abgespielt habe. Somit könnte der Angeklagte sich in einen entscheidenden Widerspruch verwickelt haben.

dpa

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