Urteil in Fulda gefallen

Versuchter Mord: Vater hat sein Baby schwer misshandelt - So lautet das Urteil

Versuchter Mord an Baby im Kreis Hersfeld-Rotenburg - Vater verurteilt
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Versuchter Mord an Baby im Kreis Hersfeld-Rotenburg - Vater verurteilt

Versuchter Mord im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Vor dem Fuldaer Schwurgericht wurde der Prozess gegen einen Vater fortgesetzt. Jetzt wurde er verurteilt.

  • Prozess am Fuldaer Schwurgericht führte zur Anklage 
  • Vater aus Kreis Hersfeld-Rotenburg angeklagt wegen versuchtem Mord an seinem Baby
  • Verbrühungen und Unterkühlung wies der Säugling auf

Update vom Mittwoch, 27.05.2020: Wegen schwerer Misshandlung Schutzbefohlener und gefährlicher Körperverletzung verurteilte das Schwurgericht des Fuldaer Landgerichts den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und einem Monat. Staatsanwältin Natalia Fuchs hatte fünf Jahre und drei Monate beantragt, Verteidiger Klaus Königshof eine Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Die Strafkammer mit ihrem Vorsitzenden Josef Richter hatte am Ende alleine das Eintauchen des Baby-Kopfes in 58 Grad heißes Wasser in der Duschwanne als erwiesen angesehen. Weitere Vorwürfe waren dem Vater nicht sicher zuzuweisen. Das Gericht bezeichnete die Tat dennoch als "barbarisch".

Versuchter Mord an Baby im Kreis Hersfeld-Rotenburg - Vater vor Gericht

Erstmeldung vom Freitag, 13.05.2020: Heringen - Das in Heringen (Kreis Hersfeld-Rotenburg) schwer misshandelte Baby hätte, ohne das Eingreifen der Ärzte wohl nur noch wenige Stunden zu leben gehabt. Das wurde jetzt vor dem Fuldaer Schwurgericht deutlich. Dort muss sich der 33 Jahre alte Vater des Säuglings wegen versuchten Mordes durch Unterlassung verantworten.

Versuchter Mord im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Verbrühungen und Unterkühlung

Allerdings: Die Verbrühungen im Gesicht, die dem drei Monate alten Sohn am frühen Morgen des 18. September 2015 angeblich durch ein Missgeschick beim Duschen beigefügt wurden, waren nach Einschätzung der behandelnden Ärzte im Klinikum Bad Hersfeld und im Kasseler Kinderklinikum bei Weitem nicht so lebensbedrohlich wie die Unterkühlung des Kindes, das beim Eintreffen des Rettungsdienstes zur Mittagszeit nur noch eine Körpertemperatur von 29,7 Grad aufwies.

Die Ursache dieses Auskühlens ist bislang rätselhaft. So war einer Ärztin zu Ohren gekommen, die Mutter des Angeklagten hätte die Verbrennungen des Kindes mit kaltem Wasser lindern wollen. Woher diese Information kam, wusste die Zeugin jedoch nicht mehr. Die Mutter des Heringers, die das Baby zeitweilig betreut hatte, war bereits vergangene Woche vor Gericht vernommen worden. Die Unterkühlung war dabei kein Thema gewesen.

Versuchter Mord im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Zweifelhafte Aussage des Vaters

Die Angaben des Vaters gegenüber der Polizei wurden von Ärzten und Sanitätern jedoch ebenfalls in Zweifel gezogen: Ein fehlgeleiteter Strahl mit dem maximal 69 Grad heißen Wasser aus der Dusche hätte nicht nur das Gesicht des Kindes benetzt, sondern wäre auch am Körper heruntergelaufen und hätte dort Spuren hinterlassen. 

Festgestellt wurden jedoch Verbrühungen mit einer scharfen Abgrenzung, die für ein Eintauchen des Kopfes in das heiße Wasser sprechen.

Entgegen einer ersten Schätzung, etwa zehn Prozent der Körperoberfläche des Babys seien derart verletzt worden, wurde dies im Nachhinein auf fünf Prozent korrigiert: Damit scheiden die Verbrühungen als Ursache für die Unterkühlung aus.

Versuchter Mord im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Amphetamin und Rippenbrüche

Ein Motiv für die Misshandlung des Kindes, bei dem auch zwei mehrere Tage zurückliegende Rippenbrüche und Amphetamin im Urin festgestellt wurden, ist bislang unklar. Vermutlich war der Vater mit der Betreuung des Säuglings heillos überfordert. Die gleichaltrige Mutter hatte sich wegen einer Wochenbettdepression nicht um ihr Kind kümmern können. Heute lebt der durch eine Narbe im Gesicht gezeichnete Junge in einer Pflegefamilie.

Versuchter Mord im Kreis Hersfeld-Rotenburg: Vorwurf der Misshandlung

Dem 33-jährigen Heringer wirft Staatsanwältin Natalia Fuchs die Misshandlung von Schutzbefohlenen, gefährliche Körperverletzung und einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vor. Weil es der Vater unterlassen hat, Hilfe für das verletzte Baby zu holen, trifft ihn zudem der Vorwurf des versuchten Mordes. Der Prozess vor dem Schwurgericht wird in der nächsten Woche fortgesetzt. (ks)

Mord an Baby in der Region

Mitarbeiter des Bauhofs in Uslar (Landkreis Northeim) hatten 2004 ein getötetes Baby gefunden. Auch nach 15 Jahren dauerten die Ermittlungen an. 

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