Aufklärung der Fälle 

Missbrauchtes Mädchen: Hinweise aus dem Ausland führten BKA zum Täter

Nach der aufsehenerregenden Fahndung mit Fotos eines vierjährigen Mädchens gibt es Details über die Aufklärung des Falles. Entscheidende Hinweise entdeckten ausländische Ermittler.

Wiesbaden/Frankfurt/Main - Hinweise auf den Fall des missbrauchten vierjährigen Mädchens, das am Montag nach eine Öffentlichkeitsfahndung identifiziert werden konnte, hatte das Bundeskriminalamt (BKA) von ausländischen Behörden bekommen.

Im Darknet war ein Missbrauchsvideo aufgetaucht, bei dem im Hintergrund der Ton eines deutschen Fernsehprogramms zu hören war. Trotz aller technischer Kniffe gelang es dem Expertenteam nicht, eine Spur zu dem Täter zu finden. Weil die große Befürchtung bestand, dass das kleine Mädchen weiter dem Missbrauch ausgesetzt ist, ordnete das Amtsgericht Gießen auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft die öffentliche Fahndung mit Missbrauchsfotos des kleinen Kindes an. Die ZIT gehört zur Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main.

Peiniger oft aus näherem Umfeld der Opfer

Wenn es um Fälle von sexuellem Missbrauch kleiner Kinder geht, machen Ermittler bei der Fahndung nach den Tätern häufig eine bittere und traurige Erfahrung: Die Spur zu den Peinigern führt oft in das nahe persönliche Umfeld der Opfer. „Es ist ganz selten der Fall, dass sich die Täter einfach ein unbeteiligtes Kind aussuchen“, sagt Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) in Frankfurt am Dienstag. Die Ermittlung der Täter gleicht dennoch oft einer Sisyphusarbeit. Gerade dann, wenn mit dem Missbrauch der kleinen Kinder die Verbreitung von pornografischen Bildern und Videos im Darknet einhergeht.

Die Kinderporno-Szene spielt sich nach Einschätzung der Ermittler mittlerweile überwiegend in diesem verborgenen Teil des Internets ab. Kinderpornografie-Plattform können zudem in allen Teilen der Welt installiert worden sein. Um sich in diesen Teilen des Internets bewegen zu können, ist eine spezielle Verschlüsselungssoftware nötig. Entsprechend technisch aufwendig und zeitintensiv ist auch die Arbeit der Cybercrime-Experten des Bundeskriminalamtes (BKA) - und stößt, wie bei der Suche nach dem missbrauchten vierjährigen Mädchen und dem Täter, auch an seine Grenzen.

Veröffentlichung von Opfer-Bildern als letzte Maßnahme

Vorausgegangen war ein intensiver Abwägungsprozess als letzte Maßnahme zur Identifizierung des Täters, wie eine BKA-Sprecherin sagt. „Das ist wirklich der allerletzte Weg.“ Auf den Missbrauchsbildern seien keinerlei Hinweise wie Spielzeug, Kinderkleidung oder Möbel gewesen, die einen Fingerzeig auf Täter und Opfer lieferten. Und da das gesuchte kleine Mädchen noch sehr jung war, kam auch eine flächendeckende Schulfahndung nicht in Frage. Dabei werden Lehrern Bilder der betroffenen Kinder gezeigt.

Dieses Vorgehen führte vor wenigen Monaten bei den Ermittlungen gegen die internationale Kinderpornografie-Plattform „Elysium“ zum Erfolg. Eine Volksschullehrerin aus Wien erkannte ein Missbrauchsopfer. Der Vater des Mädchens wurde festgenommen, weil er seine Tochter und ihren jüngeren Bruder über Jahre hinweg schwer sexuell missbraucht und dies auch noch gefilmt haben soll.

Schlag gegen internationale Kinderpornografie-Plattform

Bei dem Schlag gegen eine der größten internationalen Kinderpornografie-Plattformen im Darknet waren im Juli 14 Verdächtige festgenommen worden. Auf der 87 000 Nutzer zählenden Plattform „Elysium“ wurden Bilder und Videos ausgetauscht, darunter Aufnahmen schwersten sexuellen Missbrauchs. Die Opfer waren Kinder im Alter von zwei bis acht Jahren. Dass immer mehr Kleinstkinder unter den Opfern sind, ist für die Ermittler inzwischen keine Besonderheit mehr. Das Material in der Szene wird nach ihrer Einschätzung auch zunehmend aggressiver und härter.

Wenige Stunden nach der aufsehenerregender öffentlichen Fahndung wurde dann ein Mann mit deutscher Staatsangehörigkeit aus dem niedersächsischen Landkreis Wesermarsch gefasst - nach zahlreichen Hinweisen aus der Bevölkerung auf die Bilder. Dem Mädchen gehe es "den Umständen entsprechend gut", sagte Oberstaatsanwalt Georg Ungefuk der Nachrichtenagentur AFP. Das Kind sei äußerlich unverletzt. Zum aktuellen Aufenthaltsort des Mädchens wollte sich Ungefuk nicht äußern, ebenfalls nicht zu der Frage, in welchem Verhältnis der mutmaßliche Kinderschänder zu seinem Opfer stand. Laut "Bild"-Zeitung soll es sich bei dem 24-Jährigen um den Lebensgefährten der Mutter handeln. Er wurde am Montagabend ohne Komplikationen in einer Wohnung von der niedersächsischen Landespolizei festgenommen.

Der Tatverdächtige war zuvor nicht polizeilich oder aus der Kinderpornoszene bekannt. Die Auswertung der in seiner Wohnung sichergestellten Datenträger soll nun über die weiteren Ermittlungsschritte entscheiden.

dpa/AFP/Video: Glomex

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