Erster Anstieg seit 2012

Wieder mehr Jugendliche wegen Komasaufens im Krankenhaus

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Nicht zuletzt auch über das Internet können Jugendliche leicht an harten Alkohol kommen - mit genau auf die Zielgruppe zugeschnittenen Angeboten. Foto: Ole Spata/Symbolbild

Alarmierende Zahlen zum Komasaufen bei Jugendlichen: Jahrelang ging die Zahl der Klinikeinweisungen wegen Alkoholvergiftung zurück. Nun waren wieder etwas mehr junge Menschen betroffen.

Berlin (dpa) - Erstmals seit Jahren sind wieder mehr Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus gelandet. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 22 309 junge Patienten im Alter von 10 bis 20 Jahren völlig betrunken in eine Klinik gebracht.

Das geht aus einer Statistik des Statistischen Bundesamtes hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorlag. Die Krankenkasse DAK-Gesundheit hatte die Daten recherchiert.

Im Vergleich zum Vorjahr handelt es sich um einen Anstieg um 1,8 Prozent. Bei den 15- bis 20-Jährigen ist der Anstieg mit plus 2 Prozent auf 19 679 Betroffene dabei höher als bei den 10- bis 15-Jährigen. In den drei Jahren zuvor hatte die Zahl der Betroffenen stetig abgenommen.

2016 waren 12 972 Jungen und junge Männer betroffen und 9337 Mädchen und junge Frauen. Die meisten Kinder und Jugendlichen mit Alkoholvergiftung gab es seit 2000 mit 26 673 im Jahr 2012, zehn Jahre zuvor waren es nur 12 807.

Sehr unterschiedlich ist die Entwicklung in den einzelnen Bundesländern. So gab es in Sachsen-Anhalt einen Anstieg um 26,2 Prozent, in Brandenburg um 20,9 und in Sachsen um 11,9 Prozent. Den größten Rückgang verzeichneten Berlin mit minus 6,3 Prozent sowie Bremen und Schleswig-Holstein mit jeweils minus 6,1 Prozent.

Die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler nannte es alles andere als erfreulich, dass mehr Kinder und Jugendliche wegen Rauschtrinkens im Krankenhaus behandelt werden mussten. "Wir sollten wachsam bleiben und den Jugendschutz in Kommunen und Ländern rigoros umsetzen", sagte Mortler dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Das bedeutet: Keine Abgabe von alkoholischen Getränken an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren, Spirituosen und Hochprozentiges nur an Erwachsene!"

Die DAK-Gesundheit zeigte sich besorgt. "Dass jetzt erstmals seit drei Jahren die Zahlen wieder ansteigen, ist eine alarmierende Entwicklung", sagte Vorstandschef Andreas Storm.

Immer wieder erregen Fälle von Komasaufen bei Jugendlichen Aufsehen - auch in den vergangenen Monaten. So trank eine Realschülerin in Malchin in Mecklenburg-Vorpommern während der Unterrichtszeit fast eine Flasche Wodka und kam per Rettungswagen ins Krankenhaus. Am Berliner Alexanderplatz griff die Polizei eine 13-Jährige auf, die sich mit Wodka aus einem Spätkiosk bewusstlos getrunken hatte. In Stralsund betranken sich eine 12-Jährige und ein 14-Jähriger auf dem Schulhof mit Schnaps. In Garmisch-Partenkirchen griff die Polizei eine bewusstlose 13-Jährige in einem Wald auf, die von älteren Jugendlichen zum Trinken verleitet worden war.

Storm kündigte an, für seine Krankenkasse seien die Zahlen Auftrag, Präventionsangebote für Jugendliche fortzusetzen. Mit der Bundesdrogenbeauftragten werde die DAK-Gesundheit im kommenden Jahr die Kampagne "bunt statt blau - Kunst gegen Komasaufen" fortsetzen.

"Solche wichtigen Gesundheitsthemen sollten in den Schulalltag einfließen", sagte Storm. Seit dem Start im Jahr 2010 hatten sich bundesweit knapp 90 000 Schüler an der Kampagne beteiligt - mit Bildern und Botschaften über die Risiken von Alkoholmissbrauch.

Erst im Mai hatte die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung einen Rückgang beim Alkoholkonsum von Jugendlichen gemeldet. Demnach greift durchschnittlich jeder zehnte befragte Teenager zwischen 12 und 17 Jahren einmal in der Woche zu alkoholischen Getränken. Im Jahr 2004 waren es noch mehr als doppelt so viele (21,2 Prozent).

Nicht zuletzt über das Internet können Jugendliche leicht an harten Alkohol kommen - auch über genau auf die Zielgruppe zugeschnittene Angebote, wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen warnt.

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