„Wir gehen auf Jück!“

Jeden Tag zu Ikea - zum Klauen: Familie für dreiste Diebes-Masche verurteilt

Kaum zu fassen: Diebstahl von Waren im Wert von 350.000 Euro - unter anderem bei Ikea - war einer Gelsenkirchener Familie vorgeworfen worden. Im Prozess kam Erstaunliches zu Tage.

Essen - „Wir gehen auf Jück!“ war angeblich der Standardspruch einer Familienbande in Gelsenkirchen, bevor es auf zur täglichen Diebestour ging. So erzählte es einer der Söhne von Vater Bruno S. (52) der Polizei, als die Masche aufflog. Bei dem Prozess gegen die Familie kamen nun erstaunliche bis haarsträubende Details zu Tage. Am Dienstag fiel das Urteil.

Diebesbeute versteckt im Kinderwagen

In einem mit Kabelbindern präparierten Kinderwagen führten sie ihre Diebeszüge durch. Auch schweres Diebesgut ließ sich in diesem einfach transportieren und ungesehen an der Kasse vorbeischleusen. Gardinen, Deko, Bettwäsche, Geschirr, Werkzeug -  was in den Kinderwagen passte, wurde mitgenommen.

Die Diebe suchten sich unter anderem die Ikea-Märkte Duisburg und Dortmund für ihre kriminellen Touren aus, weil ihrer Meinung nach dort keine Überwachungskameras angebracht und nur wenige Ladendiebe unterwegs waren.

Ein Familienunternehmen der besonderen Art

Die Familie, bestehend aus Vater Bruno S., drei Söhnen und einem Schwiegersohn, agierte bei ihren Diebestouren nach Erkenntnissen der Ermittler unternehmerisch. Einer fuhr den PKW, andere klauten, wieder andere observierten die Geschäfte hinsichtlich Ladendiebe. "Es gab jemanden für die Auftragsannahme, Läufer, Verbringer und Fahrer. Alle Arbeitsfelder griffen wie ein Uhrwerk ineinander. Das ermöglichte sogar mehrere Taten an einem Tag", warf ihnen der Staatsanwalt bei der Verhandlung vor, wie Gala berichtete. Die Bande hatte als Zwischenlager offenbar sogar extra Garagen angemietet, bevor sie das Diebesgut auf Flohmärkten oder über Ebay verscherbelten.

Sohn schwärzt die Familie bei der Polizei an

Erst als sich eines von Bruno S.‘ Kindern an die Polizei wandte, konnten die Kinderwagenbetrüger gestoppt werden. Die Staatsanwaltschaft ging davon aus, dass bis zu diesem Zeitpunkt bereits Waren im Wert von 350.000 Euro erbeutet worden waren, denn zwischen Juni 2016 und Januar 2017 hatte die Diebes-Bande laut Anklage unfassbarerweise jeden einzelnen Werktag bei Ikea geklaut. Von Diebstahl ist Ikea zwar des Öfteren betroffen, jedoch selten in diesem Ausmaß.

Viereinhalb Jahre Haft für Bruno S.

Verurteilt werden konnte die Familie aber nur noch für 39 der ihnen zunächst vorgeworfenen 176 Fälle mit einer Beute von rund 20.000 Euro. Im Vorfeld hatten die Beschuldigten gestanden, die Aussagen beim Verfahren jedoch zwischenzeitlich verweigert. Das Gericht konnte sich schließlich nur auf Teilgeständnisse der Familie stützen, fasst die WAZ zusammen.

Der Familienvater wurde dabei vor dem Essener Landgericht zu viereinhalb Jahren Haft, seine Söhne und sein Schwiegersohn zu bis zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Einer von ihnen kam noch einmal mit einer Bewährungsstrafe davon.

Ronja Menzel

Rubriklistenbild: © dpa / David Ebener

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