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Hochwasser-Katastrophe im Ahrtal: Meteorologe wollte wohl warnen - SWR lehnte ab

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Von: Franziska Konrad

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Ahrtal Hochwasser
Im Sommer 2021 fluteten Hochwassermassen das Ahrtal in Rheinland-Pfalz. (Archivfoto) © Boris Roessler/dpa

Bahnt sich ein halbes Jahr nach der Flutkatastrophe im Ahrtal ein Skandal an? Ein Meteorologe berichtet, dass er im Vorfeld eine Wetter-Sondersendung anbot. Das Angebot wurde abgelehnt.

Ahrtal - Gut ein halbes Jahr ist seit der Hochwasserkatastrophe* im rheinland-pfälzischen Ahrtal vergangen. Nach wie vor läuft die Aufarbeitung des Flutereignisses auf Hochtouren. Nun ist ein höchst brisanter Bericht an die Öffentlichkeit geraten: Hat ein Sender einen Riesen-Fehler begangen- und hätten die Menschen im Vorfeld viel deutlicher gewarnt werden können?

Flutkatastrophe im Ahrtal: Meteorologe erhebt schwere Vorwürfe

Im Untersuchungsausschuss zur Flutkatastrophe des rheinland-pfälzischen Landtags, am Freitag, 4. Februar, wurde bekannt: Wenige Stunden, bevor die Wassermassen das Ahrtal fluteten, bot Meteorologe Karsten Schwanke dem SWR eine Sondersendung zu dem sich ankündigenden Hochwasser an. Das lehnte der Sender damals allerdings ab, wie die FAZ berichtet.

„Das wird schlimm in der Eifel“, wird Schwanke dort zitiert. Bei der SWR-Redaktion stieß diese Aussage wohl auf wenig Anklang. Stattdessen hätte diese auf den Wetterbericht im Ersten verwiesen, berichtete der TV-Moderator im Untersuchungsausschuss. Dieser läuft jeden Tag vor der „Tagesschau“. Ebenso bei besagtem „Wetter vor Acht“, lief damals nicht alles rund. Zwar moderierte Schwanke den Wetterbeitrag, doch nach eigenen Angaben konnte er dort die drohende Warnung nicht ausreichend darstellen.

Nach Hochwasserkatastrophe: Meteorologe bot Sondersendung an - SWR lehnte ab

Für den Meteorologen ist klar: Wäre ihm die Sondersendung erlaubt worden, hätte er „nur über Hochwasser in der Eifel gesprochen, das hätte ein anderes Gewicht gehabt“, berichtet er gegenüber der FAZ. Aus welchen Gründen dies beim „Wetter vor Acht“ nicht möglich war - darauf gibt es derzeit keine Antwort. Fakt ist allerdings: Keine öffentlich-rechtliche Funkanstalt warnte in ausreichendem Maß vor der Wetterkatastrophe. So berichteten etwa weder WDR2 noch der SWR zuvor darüber im Radio.

Doch damit nicht genug. Die Vorwürfe des Meteorologen gehen weiter: Laut Schwanke sei genug Zeit gewesen, mehr Personen zu evakuieren. „Selbst in der Ist-Vorhersage am Abend des 14. Juli um 20, 21 Uhr wäre immer noch genug Zeit gewesen, die Leute da rauszuholen“, berichtet er im Untersuchungsausschuss. „Ich kann nur vermuten, dass die Person fehlte, die mit panischer Stimme gesagt hat, wir müssen alle rausholen.“

Meteorologe stellt klar - „Wussten vorher, dass es Hochwasserlage im Ahrtal geben könnte“

Schwanke betont: „Wir wussten zwei Tage vorher, dass es eine Hochwasserlage im Ahrtal geben könnte.“ Zu diesem Zeitpunkt „wussten wir, dass es extreme Niederschläge gibt“. Allerdings gesteht der Meteorologe auch: „Ich wusste nicht, dass es zu dieser zehn Meter hohen Flutwelle kommt. Ich hätte das nie erwartet.“

Auch der SWR hat sich inzwischen zu den schweren Vorwürfen geäußert: Die Aussagen von Schwanke habe man zu Kenntnis genommen, so der Sender zur FAZ. „Es ist bekannt, dass am Tag der Flutkatastrophe im Ahrtal nicht alle Abläufe reibungslos und zufriedenstellend funktioniert haben. Der SWR hat selbst ein Interesse daran, aus den Erfahrungen des Tages zu lernen und geht allen möglichen Schwachstellen nach.“

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