Tod einer jungen Studentin

Freiburg: Forderungen nach umfassenderer DNA-Auswertung

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Die Spurensicherung am Tatort.

Freiburg - Im Fall der getöteten Studentin aus Freiburg hätten sich die Ermittler mehr Möglichkeiten zur Auswertung von DNA-Spuren gewünscht. Das hätte die Ermittlungen beschleunigt. 

Nach der Festnahme eines 17-jährigen Flüchtlings im Fall der getöteten Freiburger Studentin wird der Ruf nach einer umfassenderen Auswertung von DNA-Spuren lauter. Bei der Tätersuche in diesem Fall hätte das massiv geholfen, sagte der Freiburger Polizeipräsident Bernhard Rotzinger der „Badischen Zeitung“ (Dienstag). „Wir hätten wesentlich konzentrierter die Ermittlungen vorantreiben können.“

Bislang darf DNA, die an einem Tatort gefunden wird und wahrscheinlich vom Täter stammt, laut Gesetz nicht auf Merkmale wie Augen-, Haar- oder Hautfarbe analysiert werden, auch wenn sich damit die Suche eingrenzen ließe. Baden-Württembergs Justizminister Guido Wolf (CDU) hatte bereits vor einigen Tagen - vor der Festnahme - mehr Möglichkeiten bei der Auswertung von DNA-Spuren gefordert und eine entsprechende Initiative angekündigt.

Herkunft des mutmaßlichen Täters sorgt für Aufregung

Ein am vergangenen Freitag gefasster 17-Jähriger soll die Studentin Mitte Oktober vergewaltigt und ermordet haben. Ein Haar hatte die Ermittler auf die Spur des Afghanen geführt, der 2015 als minderjähriger unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland gekommen und bei einer Familie untergebracht war. Er sitzt seit Freitag in Untersuchungshaft. Am Samstag wurde die Festnahme bekannt.

Durch die Herkunft des Mordverdächtigen wurde wieder die Debatte um die Flüchtlingspolitik befeuert. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) warnte vor einer pauschalen Verurteilung aller Flüchtlinge. „Wenn es sich herausstellen sollte, dass es ein afghanischer Flüchtling war, dann ist das absolut zu verurteilen, genauso wie bei jedem anderen Mörder, aber auch ganz deutlich zu benennen. Und dann sage ich, dass damit aber nicht die Ablehnung einer ganzen Gruppe verbunden sein kann, so wie wir auch sonst nicht von einem auf eine ganze Gruppe schließen können“, sagte Merkel am Montagabend in den ARD-„Tagesthemen“.

„Ein solcher Eindruck ist fatal“

Dass sich die ARD-„Tagesschau“ nach Bekanntwerden der Festnahme am Wochenende zunächst entschieden hatte, nicht darüber zu berichten, stößt weiter auf Kritik. Der Fall der getöteten Studentin sei schon vor der Festnahme in ganz Deutschland präsent gewesen, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Ansgar Heveling (CDU), den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Dienstag). „Ich halte die Entscheidung der Tagesschau deshalb für falsch, weil sie natürlich den Eindruck erweckt, man wolle nicht berichten, weil der Tatverdächtige ein unbegleiteter minderjähriger Asylbewerber ist. Ein solcher Eindruck ist fatal“, meinte Heveling, der auch Unions-Obmann im Kultur- und Medienausschuss ist.

Der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Martin Dörmann, sprach hingegen von einem „Grenzfall“. „Die Kritik an der Entscheidung der Tagesschau ist zwar verständlich. Es wäre aber genauso ein schiefes Bild entstanden, wenn über diesen Mord berichtet worden wäre, aber über andere Mordfälle nicht“, sagte Dörmann der Funke Mediengruppe.

dpa

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