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Weiterer Mensch von HIV-Erkrankung geheilt – doch es ist ein besonderer Fall

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Von: Momir Takac

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Die Rote Schleife als Symbol der Solidarität mit HIV-Infizierten.
Eine Frau aus New York konnte offenbar von einer HIV-Erkrankung geheilt werden. © IMAGO / Wirestock

Immer mehr Menschen können von einer HIV-Erkrankung geheilt werden. Jetzt gibt es einen neuen Fall, den es so zuvor noch nicht gegeben hat.

New York – Drei Menschen konnten bislang von einer HIV-Erkrankung geheilt werden. Jetzt gibt es offenbar einen vierten Fall. Eine Frau aus New York in den USA besiegte durch eine Transplantation spezieller Stammzellen aus Nabelschnurblut sehr wahrscheinlich sowohl ihre Leukämie als auch das HI-Virus. Das berichten US-amerikanische Wissenschaftlerinnen im Fachblatt Cell.

Der Fall hat eine besondere Komponente. Nachdem Anfang 2022 erstmals eine Frau als von HIV geheilt erklärt wurde und wenige Monate später ein Mann, der 31 Jahre lang mit dem HI-Virus infiziert war, folgte, gilt jetzt erstmals eine nicht-weiße Frau als genesen.

Erste nicht-weiße Frau offenbar von HIV-Erkrankung geheilt

Die bisherigen Patienten erhielten alle aufgrund einer parallelen Krebserkrankung eine spezielle Stammzellentransplantation. Jene Stammzellen verfügten über eine spezifische Genmutation namens CCR5-Delta32. Diese Mutation sorgt für das Fehlen einer Andockstelle für HIV auf den Immunzellen. Ohne diese findet das Virus keine Eintrittspforte und kann die Zellen nicht infizieren, was Träger der Mutation beinahe resistent gegen den Erreger macht.

Allerdings seien innerhalb der weißen Bevölkerung nur etwa ein Prozent der Menschen Träger dieser Mutation, in anderen Gruppen noch weniger, erklärte Hauptautorin Yvonne Bryson in einem Pressegespräch zur Studie. „Es ist äußerst selten, dass Menschen unterschiedlicher Hautfarbe oder Ethnien einen ausreichend passenden, nicht verwandten erwachsenen Spender finden.“

HIV-Medikamente 37 Monate nach Transplantation abgesetzt – „Heute geht es der Patientin sehr gut“

Bei einer Stammzellentransplantation sei eine möglichst genaue Übereinstimmung zwischen Spender und Empfänger jedoch entscheidend, sagte Bryson weiter. Daher entschied sich das Team 2017, der nicht-weißen Patientin Stammzellen mit der raren Mutation aus Nabelschnurblut zu transplantieren.

Offensichtlich mit Erfolg. Sowohl die HIV-Erkrankung als auch die Leukämie konnten eingedämmt sowie die antiviralen HIV-Medikamente nach 37 Monaten abgesetzt werden. Fast zeitgleich folgte die Nachricht, dass ein Brasilianer durch Medikamente frei von HI-Viren wurde. „Heute geht es der Patientin sehr gut, sie reist, besucht ihre Familie und genießt ihr Leben“, sagte die Medizinerin Jingmei Hsu.

Bis man von einer vollständigen Heilung sprechen könne, werde es allerdings noch dauern, so Hsu. Zwar können bei der New Yorker Patientin nach wie vor keine Virusreste nachgewiesen werden, Sicherheit brächten allerdings erst die nächsten Jahre. Forscher entdeckten im vergangenen Jahr eine bis dato unbekannte, aggressivere HIV-Variante. (mt/dpa)

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