“Wir müssen das Paradies erhalten“

Föhnsturm machte Bettinas Lebenswerk kaputt - aber dann passierte ein kleines Wunder

+
Das Tinyhaus von Bettina Müller aus Ohlstadt wurde von dem Föhnsturm arg in Mitleidenschaft gezogen.

Bettina Müller sah ihr Lebenswerk in Trümmern. Der Föhnsturm zerstörte am Freitag ihre Minihaus-Oase bei Ohlstadt. Dann kamen 23 Freiwillige aus ganz Deutschland angereist mit einem Ziel: „Dieses Paradies zu erhalten.“

  • Ein heftiger Föhnsturm sorgte am vergangenen Freitag (15.11.) im Landkreis Garmisch-Partenkirchen für Chaos.
  • Auch das Mini-Haus von Bettina Müller wurde schwer beschädigt. 
  • Dann geschah etwas, womit die Dame nicht gerechnet hatte.

Ohlstadt – Und plötzlich flog ihr Kleiderschrank durch die Luft. Ganz lautlos. Lediglich der Sturmwind pfiff in den Ohren von Bettina Müller. Erst beim Aufschlag krachte es. Gewaltig. Auch ihr Pavillon mit weißem Dach schlug in ihre Freiluftküche ein. Tassen schepperten. Gläser zerbrachen. Pfannen und Töpfe donnerten auf den Boden. Dann hob sich das gesamte Dach ihres Schlafzimmers in die Lüfte.

Föhnsturm im Süden Bayerns: Lebenswerk von Bettina Müller zerstört

Der Föhnsturm, der am vergangenen Freitag (15. November) über den Landkreis Garmisch-Partenkirchen wehte, sorgte für extremes Chaos. Dort, wo sie vor einer halben Stunde noch seelenruhig geschlafen hatte, klaffte jetzt ein großes Loch. Nichts, einfach gar nichts, war mehr an seinem Platz. Bettina Müllers kleine, beschauliche Welt, mit all ihren Minihäusern, ihrer Freiluftküche, ihrem Gartenhaus, einfach alles, schien in diesen wenigen Minuten zu zerbrechen.

Der Föhnsturm am Freitag im Landkreis Garmisch-Partenkirchen hat die starke, unabhängige Frau kurzzeitig ins Wanken gebracht, die sonst alles andere als zimperlich ist. Als die Autorin und Abenteurerin an diesem Freitag um halb sechs Uhr morgens aufgestanden ist, war ihre Welt noch heil. Sie lebt seit neun Jahren in einem paradiesischem Refugium am Rande der 3200-Seelengemeinde Ohlstadt (Landkreis Garmisch-Partenkirchen).

Föhnsturm im Süden Bayerns: Konzept von Bettina Müller kommt gut an

In einer Region, in der manche Doppelgaragen größer sind als anderswo in Deutschland ganze Häuser, hat sich Müller für eine minimalistische und alternative Art zu leben entschieden. Ihr Minihaus beschränkt sich auf wenige Quadratmeter Wohnfläche in einem umgebauten Schiffscontainer. Ohne fließend Wasser, ohne Versicherung. Vier Stunden lang wütete der Föhnsturm.

Lesen Sie dazu: Die Tiny-House-Bewegung schwappte von den USA nach Deutschland - immer mehr Menschen erfüllen sich auch hier ihren Traum vom Mini-Haus. Doch der kann auch zum Alptraum werden.

Zwei Sachen waren es, die Müller auf jeden Fall retten wollte: Ihre vier Pferde und ihr Wohnmobil, ein umgebautes Feuerwehrfahrzeug Baujahr 1981. Die Tiere beobachteten das Chaos um sich herum „relativ entspannt“, sagt Müller lachend. Passiert ist ihnen nichts. Ihr Wohnmobil konnte sie gerade noch wegfahren, bevor ein Dach darauf stürzte. „Ich hänge eigentlich nicht an materiellen Gegenständen.“ Aber das Feuerwehrauto zerstört zu sehen, hätte ihr weh getan.

Bettina Müller vor ihrem Feuerwehrauto in Ohlstadt. Das Bild stammt aus dem Jahr 2018.

Es ist nämlich ihr Weg in die Freiheit: Sie will am 28. November nach Marokko reisen und dort überwintern. „Ich lebe nur in den Sommermonaten in meinen Tinyhäusern“, sagt sie. Das würden die Behörden noch dulden, auch wenn sie sich mit ihrer gepachteten Wiese bei Ohlstadt „in einer juristischen Grauzone“ befindet, wie Bürgermeister Christian Scheuerer einmal in einem Interview sagte.

Föhnsturm im Süden Bayerns: Enorme Hilfe von vielen Unterstützern

Das Konzept aber kommt bei vielen Menschen in ganz Europa sehr gut an. Doch die Resonanz nach dem Sturm überraschte dann sogar Müller. „Mich haben weit über 80 Leute angeschrieben“, sagt sie, als sie die Bilder der Verwüstung auf ihrer facebook-Seite veröffentlichte. Noch am selben Tag sind 18 Menschen gekommen, um ihr beim Aufbau zu helfen. Am Samstag waren es dann insgesamt 23. „Ich dachte, es ist vorbei hier. Dann kamen so viele“, sagt sie gerührt.

Bis zu 400 Kilometer weit reisten die Helfer an. „Wir müssen dieses Paradies einfach erhalten“, versicherte Helfer Hannes Hibler. Er und seine Mitstreiter entsorgten die kaputten Holzkonstruktionen, bauten die neuen Dächer für die Tinyhäuser, räumten auf. „Ich bin so glücklich über diese unglaubliche Hilfsbereitschaft“, sagt Müller erfreut.

Im April wollte der 13-jährige Florian Dittmar aus Freising sich ebenfalls ein Tiny House errichten. Dafür suchte er nach Hilfe per Zeitungsaufruf, wie merkur.de* berichtet. Ebenfalls auf merkur.de* ist zu lesen, wie Männer auf den Weg zur Zugspitze in große Not gerieten: Der tiefe Schnee wurde ihnen zum Verhängnis. 

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Kommentare