1. Hersfelder Zeitung
  2. Panorama

Laden von E-Autos ist bald profitabler als Tanken

Erstellt:

Von: Valentin Betz

Kommentare

Eine Tankstelle des britischen Ölkonzerns BP
Lange Zeit machte der Ölriese BP sein Geld mit Tankstellen für Verbrenner. Inzwischen investiert der Konzern kräftig in Schnellladestationen für E-Autos - mit Erfolg. © Nick Ansell

Die E-Mobilität trifft vor allem Hersteller und ihre Fahrzeuge. Doch auch Ölriesen wie BP durchlaufen einen massiven Wandel - der sich bald bezahlt macht.

London/Stuttgart - Wenn von der E-Mobilität die Rede ist, fällt der Blick schnell auf Fahrzeughersteller und ihre Autos. Konzerne wie Mercedes-Benz* oder Porsche* haben jahrzehntelange Expertise bei der Produktion von Verbrennern und stellen jetzt in Rekordzeit auf E-Autos um. Dabei fällt schnell unter den Tisch, dass der Mobilitätswandel bei weitem nicht mit der Produktion von E-Autos abgeschlossen ist - und auch nicht nur Fahrzeughersteller vor Herausforderungen stellt.

Nachholbedarf herrscht zum Beispiel beim Ladenetz für E-Autos, das in Deutschland ein Trauerspiel ist (BW24* berichtete). Mit dem Ausbau beschäftigen sich nicht nur Autobauer, sondern auch Energiekonzerne. Das ist besonders für jene wichtig, die sich bislang auf Tankstellen und damit auf Verbrenner konzentriert haben. Doch wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, scheint sich das Geschäft mit den Ladestationen selbst für Ölriesen wie BP langsam zu lohnen.

Ladestationen für E-Autos: Geschäft wird für Ölriesen BP zusehends rentabler

In Deutschland beschäftigt sich beispielsweise der Energiekonzern EnBW mit dem Ausbau von Ladestationen. Ein EnBW-Manager beklagt beim E-Auto-Durchbruch ein typisch deutsches Problem*: die Bürokratie. Mit der hat zwar auch BP mit seiner Marke Aral hierzulande zu kämpfen. Allerdings scheint der Konzern in Großbritannien und dem Rest Europas mit seinen Ladestationen sehr erfolgreich zu sein. Denn laut Reuters stehen sie an der Schwelle dazu, profitabler als die Tankstellen von BP zu werden.

Der Ölriese muss sich in Zeiten des Klimawandels und der zunehmenden E-Mobilität um neue Geschäftsfelder kümmern, die er unter anderem in Form von Schnellladestationen gefunden zu haben scheint. Bislang war deren Ausbau allerdings hauptsächlich ein Verlustgeschäft, weil gigantische Investitionen nötig waren. Inzwischen hat sich das aber wohl gewandelt. „Wenn ich über eine Tankfüllung im Vergleich zu einer Schnellladung nachdenke, nähern wir uns einem Punkt, an dem die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen für die Schnellladung besser sind als die für Kraftstoffe“, so Emma Delaney, Leiterin der Abteilung Kunden und Produkte bei BP.

BP mit neuer Strategie: Ölriese konzentriert sich insbesondere auf Schnellladestationen

BP hat dabei besonders vom wachsenden Bedarf an Schnellladestationen in Großbritannien und Europa profitiert. Der Verkauf von Strom für E-Autos war allein im dritten Quartal 2021 um 45 Prozent im Vergleich zum vorangegangenen Quartal gestiegen. Im Gegensatz zu anderen Konzernen fokussiert sich BP auch explizit auf das Schnellladen - also über 50 Kilowatt - beziehungsweise auf das „Ultraschnellladen“ mit über 150 Kilowatt.

Aktuell betreibt BP bereits 11.000 Ladestationen für E-Autos, will diesen Wert aber bis 2030 auf 70.000 steigern. „Insgesamt sehen wir eine riesige Chance in Schnellladestationen für Verbraucher und Unternehmen“, so Denaly gegenüber Reuters. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare