Anti-Terror-Einsatz

Dschihadist in Frankreich erschossen

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In dieser Straßburger Wohnung kam es zum tödlichen Schusswechsel.

Paris - Mit einem landesweiten Anti-Terroreinsatz beantwortet Frankreich den Anschlag auf ein jüdisches Geschäft. Ein mutmaßlicher Dschihadist wird erschossen. Präsident Hollande kündigt die „totale Mobilisierung“ an.

Bei einem landesweiten Anti-Terroreinsatz hat die französische Polizei einen Mann erschossen und zehn weitere mutmaßliche Islamisten festgenommen. Der Getötete sei „wegen seiner Zugehörigkeit zur Dschihadisten-Bewegung bekannt“ gewesen, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins am Samstag in Paris. Der 33-jährige Jeremy Sidney hatte sich den Angaben zufolge bei seiner Festnahme am Samstag in Straßburg widersetzt und das Feuer auf die Polizisten eröffnet. Frankreichs Präsident François Hollande kündigte eine „totale Mobilisierung“ gegen den Terrorismus an.

Der Schutz aller religiösen Einrichtungen werde verstärkt. Hollande sagte, bei der Razzia sei eine Terrorzelle zerschlagen worden, die verdächtigt werde, „bereits zugeschlagen zu haben“ und weitere Anschläge „in den kommenden Wochen“ zu planen.

Bei dem in Straßburg getöteten Sidney soll es sich um einen verurteilten Drogendealer handeln, der später zum radikalen Islam konvertierte und deshalb auch bereits ins Visier des Geheimdienstes geriet. Seine Fingerabdrücke fanden sich den Angaben zufolge auf den Resten einer Granate, die am 19. September in einen jüdischen Lebensmittelladen in der Nähe von Paris geworfen worden war. Der antisemitische Anschlag auf den Laden für koschere Waren im Pariser Vorort Sarcelles, bei dem ein Kunde leicht verletzt wurde, war Auslöser für den landesweiten Einsatz.

Landesweit zehn Festnahmen

Als Sidney am Samstag in seiner Straßburger Wohnung festgenommen werden sollte, habe er auf die Polizisten geschossen und „sehr entschlossen gehandelt, möglicherweise in der Absicht, als Märtyrer zu sterben“, sagte der Straßburger Staatsanwalt Patrick Poirret. Außerdem habe er sich kürzlich, offenbar in Vorbereitung auf seinen Tod, den Bart abrasiert. Seine Partnerin sei festgenommen worden.

Ein Polizist wurde bei dem Schusswechsel leicht verletzt. Sein Helm und die kugelsichere Weste hätten ihn vor Schlimmerem bewahrt, sagte Poirret und korrigierte damit Meldungen französischer Medien, die zunächst von drei Verletzten berichtet hatten.

Nach Angaben Molins gab es landesweit zehn Festnahmen, darunter eine in Paris sowie weitere in und um Cannes an der Côte d'Azur. Alle Verdächtigen seien gebürtige Franzosen, zumeist mit kriminellem Hintergrund, die sich dem radikalen Islam zugewandt hätten. Bei Durchsuchungen in Straßburg, Paris und im Südosten Frankreichs sei auch eine Liste mit jüdischen Organisationen, Bargeld sowie Munition sichergestellt worden. Den Festgenommenen werden unter anderem Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Verstöße gegen die Waffengesetze vorgeworfen.

Bei dem Anschlag hatten Unbekannte eine Granate mit geringer Sprengkraft in den Laden geworfen. Interessenverbände der französischen Juden hatten damals die Überzeugung geäußert, dass der Angriff mit der Empörung in der islamischen Welt über die Veröffentlichung des Mohammed-Schmähvideos in Zusammenhang stehe.

dpa

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