Vor- und Nachteile im Überblick

Corona-Maskenpflicht polarisiert: Wie sinnvoll ist sie? Abwägung liefert klares Ergebnis

Wie sinnvoll ist die Maskenpflicht? Ein Überblick über die Vor- und Nachteile - mit einem klaren Fazit.

München - Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hat eine Debatte über ein baldiges Ende der coronabedingten Maskenpflichtim Einzelhandel losgetreten, doch die Regel bleibt bestehen. Darauf einigten sich am Montag die 16 Gesundheitsminister der Länder. 

Zuvor hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu Wort gemeldet. Es dürfe nicht der falsche Eindruck entstehen, die Pandemie wäre vorbei. Somit bleibt also vorerst alles beim Alten. Und das ist nach jetzigem Forschungsstand auch gut so. Allerdings gibt es auch Argumente gegen die Maskenpflicht - wenngleich sie einer Vielzahl von Pro-Argumenten gegenüberstehen. Ein Überblick über (vermeintliche) Nachteile der Maskenpflicht und deren Vorzüge.

Contra Maskenpflicht: Entspannte Corona-Lage und Probleme im Handel

  • Stabile Infektionszahlen: Das Infektionsgeschehen in Deutschland ist weitestgehend stabil. Mittlerweile entwickeln sich vielmehr lokale Ausbrüche zu Corona-Hotspots, sodass es auch Orte gibt, an denen sehr wenige Neuinfektionen auftreten. Mecklenburg-Vorpommern etwa hat die niedrigsten Infektionszahlen bundesweit. Daher wundert es wenig, dass die Debatte von dort aus Fahrt aufgenommen hat: „Wenn das Infektionsgeschehen so gering bleibt, sehe ich keinen Grund, länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten“, hatte Wirtschaftsminister Glawe gesagt. Vom Robert-Koch-Institut heißt es dahingehend aber stets, dass man sich von der derzeitigen Situation nicht täuschen lassen solle. Die Lage bleibt ernst, eine zweite Welle nicht ausgeschlossen
  • Masken schaden Einzelhandel: Ein kontroverses Thema. Der Einzelhandel klagt darüber, dass weniger Menschen in die Geschäfte strömen. Die Maskenpflicht belaste zudem die Mitarbeiter in den Geschäften, argumentiert etwa der Handelsverband Baden-Württemberg. Das Tragen von Mund- und Nasenschutz wird von einigen als Grund genannt, zu Hause zu bleiben. Ähnliche Berichte gibt es in der Gastronomie. Vermutlich spielen hier aber wohl auch andere Faktoren eine Rolle. So darf etwa nicht vergessen werden, dass weite Teile der Bevölkerung momentan weniger Geld haben als in der Prä-Corona-Zeit. Andere fürchten Ansteckungsgefahren - Maske hin oder her.
  • Gefühlte Sicherheit als Risiko: Durch die Masken kann bei einigen Menschen ein trügerisches Sicherheitsgefühl entstehen. Dass Mund- und Nasenschutz alleine aber nicht vor einer Corona-Infektion schützt, haben die Experten wie jene des Robert-Koch-Instituts stets betont. Auch der Mindestabstand müsse weiter gewahrt werden. 

Die genannten Argumente von Masken-Gegnern wirken auf den ersten Blick plausibel, lassen sich dann aber doch relativ schnell entkräften.

Pro Maskenpflicht: Nachweislich weniger Fälle und ein flaues Gefühl in puncto Freiwilligkeit

  • Bewiesener Infektionsrückgang: Das Material vor Mund und Nase garantiert keinen allumfänglichen Schutz, fängt aber in gewissem Umfang Tröpfchen beim Sprechen, Niesen oder Husten auf. Somit wird die Ausbreitung des Virus zwangsläufig eingedämmt, was durch diverse Studien belegen. Der SPD-Politiker und Gesundheitsexperte Karl Lauterbach teilte am Montag auf Twitter eine Arbeit von deutschen und dänischen Wissenschaftlern, laut der durch die Maskenpflicht 40 Prozent weniger Fälle registriert wurden. Damit kommt der SPD-Politiker zum klaren Fazit: „Die Maskenpflicht aufzugeben wäre jetzt ein großer Fehler.“
  • Auch Aerosole werden eingebremst: Kurz nach den Lockerungen geriet ein Restaurant in Leer in die Schlagzeilen, weil es dort zu einem Corona-Ausbruch gekommen war. Vermutlich wurden die Erreger durch sogenannte Aerosole übertragen, also über die Luft. Diesen Infektionsweg einzudämmen, ist weitaus schwieriger als etwa bei infektiösen Tröpfchen der Fall ist. Laut Virologe Christian Drosten* helfen zwei Maßnahmen: regelmäßiges Lüften – und das Tragen einer Maske.
  • Signalwirkung: Das Tragen von Masken könnte nach Ansicht von Infektiologen eine Signalwirkung haben und dafür sorgen, dass Menschen mehr Distanz zueinander halten. Weil solche Masken in unserer westlichen Gesellschaft weitaus unüblicher sind als etwa im asiatischen Raum, werde dadurch das Bewusstsein der Bevölkerung geschärft.
  • Schutz anderer: Es gibt in der Bevölkerung Personen, die weitaus anfälliger für eine Covid-19-Infektion sind als andere. Im Sinne einer solidarischen Gesellschaft sollte die sogenannte Risikogruppe* besonders geschützt werden. Das Tragen einer Maske kann dazu beitragen. Lauterbach drehte in einem weiteren Tweet auch das Argument der Einzelhändler um: „Viele Bürger melden sich gerade zu Wort mit dem Hinweis, dass sie ohne Maskenpflicht die Geschäfte eher meiden würden. Die wenigsten wollen zB mit Viren-Droplets kontaminierte Ware im Aerosolnebel von Infizierten anprobieren“, argumentierte er.
  • Freiwilligkeit funktioniert wohl nicht: Zuletzt gab es lauter werdende Forderungen nach mehr Freiwilligkeit. Man solle zum Tragen einer Maske angehalten, aber nicht verpflichtet werden. Der FDP-Fraktionschef im Stuttgarter Landtag, Hans-Ulrich Rülke, meinte, die Menschen hätten sich in der Corona-Krise klug und besonnen verhalten. „Da kann und sollte man ihnen auch etwas zutrauen.“ Wie viel Substanz dieser Vorschlag letztlich hat, bleibt fraglich. Das zeigen die Entwicklungen in anderen Ländern. In Bulgarien etwa wurde die Maskenpflicht vor kurzem wieder eingeführt, nachdem sie am 15. Juni abgeschafft worden war. Das Modell der Freiwilligkeit hatte offenbar nicht funktioniert, die Neuinfektionen schnellten in die Höhe.

Maskenpflicht: Polarisierendes Thema mit vielen Argumenten - die Vorteile überwiegen

Die Maskenpflicht bleibt wohl vorerst ein viel diskutiertes Thema. Eine Garantie zum Schutz vor einer Corona-Infektion gibt der Mund- und Nasenschutz nicht. Die Argumente sprechen aber dennoch stark für das Tragen von Masken. Insofern scheint es die richtige Entscheidung zu sein, die Pflicht weiter aufrechtzuerhalten. Was denken Sie? Stimmen Sie ab. 

(as) *merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktion.

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