Mobiles Analysegerät

Coronavirus/Covid19: Diagnose via Smartphone? Mini-Labor kann Infektionskrankheiten erkennen

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Wissenschaftler haben ein mobiles Testgerät für Infektionskrankheiten entwickelt, das sich an Smartphones andocken lässt. (Symbolbild)

Wissenschaftler haben ein mobiles Diagnosegerät für Infektionskrankheiten wie den Coronavirus entwickelt. Angedockt an ein Smartphone kann die Erfindung schnelle Ergebnisse liefern.

  • Amerikanische Forscher haben ein mobiles Diagnosegerät für Infektionskrankheiten entwickelt
  • Es lässt sich an Smartphones anschließen
  • Das System kann Blut und Speichel untersuchen

Cincinnati - Die einen scheuen den Gang zum Arzt, andere wiederum sitzen ständig in Wartezimmern von Medizinern oder in Notaufnahmen. Beide Szenarien sind nicht unbedingt die optimale Lösung. Doch in Zukunft könnte der Arztbesuch zumindest in bestimmten Fällen überflüssig werden: Forscher der Universität von Cincinnati haben eine Art Mini-Labor entwickelt, das - angeschlossen an ein Smartphone  - Infektionskrankheiten anhand von Blut- oder Speichelproben diagnostizieren kann, beispielsweise Malaria, HIV oder den Coronavirus. Vor allem in Entwicklungsländern könnte die Erfindung dazu beitragen, Krankheiten schneller zu erkennen und einzudämmen.

Coronavirus/Covid19: Wissenschaftler der Universität von Cincinnati entwickeln Smartphone-Labor

Das mobile Labor fürs Handy wurde von Wissenschaftlern um Chong Ahn von der Fakultät für Elektrotechnik und Informatik erdacht. Ahn ist an der Universität als Professor für Elektro- und Biomedizintechnik tätig. Angedockt wird das von ihm und seinen Kollegen entwickelte Gerät über den USB-Anschluss des Telefons - dieser dient nicht nur der Kommunikation, sondern versorgt die nötige Sensorik auch mit Strom. Das System „ist tragbar, benutzerfreundlich, kann schnelle und empfindliche Messungen durchführen und kann als ideales POCT-Analysegerät mit minimalem Eingriff des Endbenutzers betrachtet werden“, schreiben die Forscher. Das Smartphone verfüge über alle grundlegenden Eigenschaften, die für ein solches elektronisches System nötig seien - es sei besonders für Entwicklungsländer geeignet, die nicht über ausreichende Ressourcen und Laboreinrichtungen verfügen. Das Kürzel POCT steht für Point-of-Care-Testing - und bedeutet soviel wie Patienten-nahe Diagnostik. Im Klartext: Man muss keine Proben an ein Labor einschicken, sondern kann den Test gleich vor Ort durchführen. Eine Studie zu dem Gerät in Bezug auf die Erkennung von Malaria wurde in der Zeitschrift Nature Microsystems & Nanoengineering veröffentlicht.

Mobiles Testgerät: Speichel wird aus dem Mund mit einem Einweg-Plastikchip entnommen

Offenbar haben die amerikanischen Wissenschaftler auch darüber nachgedacht, die Smartphone-Kamera als optischen Sensor zur Erkennung einzusetzen. Allerdings sei aktuell die Smartphone-Kamera allein noch nicht effizient genug für eine ultra-hochempfindliche optische Erkennung, wie sie in der Immundiagnostik benötigt werde. „Daher ist es besser, einen externen hochempfindlichen optischen Detektor zu verwenden, der über die Kommunikationsanschlüsse an das Smartphone angeschlossen werden kann, als die eingebauten Sensoren des Telefons zu verwenden.“ Getestet wird von dem Gerät eine Blut- oder Speichelprobe. Aufgetragen wird der Speichel beziehungsweise das Blut auf ein Einweg-Plastik-Laborchip, der dann in das Testgerät gesteckt wird. Wie viel so ein Gerät genau kosten soll, verraten die Forscher nicht. Doch Wissenschaftler Ahn betont, dass seine Entwicklung „genau, einfach zu bedienen und preiswert“ sei. „Wir wollten es einfach machen, damit es jeder ohne Schulung oder Unterstützung benutzen kann.“

Test auf Infektionskrankheiten: Die Ergebnisse werden direkt an einen Arzt geschickt

Die Ergebnisse sind übrigens nicht direkt für den potenziellen Patienten gedacht - sie werden über die App an einen Arzt übertragen. „Dies ist die Zukunft der persönlichen Gesundheitspflege“, sagt Doktorand Sthitodhi Ghosh, der Hauptautor der Studie. Die Forscher glauben, die größte Hürde für ihre Entwicklung könne darin bestehen, den Menschen das Gefühl zu geben, dass sie sich sicher genug fühlen, um das ungewohnte Gerät zu Hause zu benutzen.

Smartphone-Labor der US-Forscher soll auch Depressionen erkennen können

Auf der Website der Universität von Cincinnati wird erklärt, dass sich die Studie zwar „nicht ausdrücklich mit dem Coronavirus befasste“, die entwickelte Technik aber grundsätzlich auch „zur Diagnose von Infektionskrankheiten oder der Verfolgung von Gesundheitszuständen wie Depressionen und Angstzuständen“ tauge. „Es handelt sich um ein schnelles Diagnosewerkzeug, das man zu Hause benutzen kann“, sagt Forscher Chong Ahn. „Im Moment dauert die Diagnose im Labor mehrere Stunden oder sogar Tage, selbst wenn die Menschen Symptome zeigen. Die Krankheit kann sich ausbreiten.“ Und genau das wollen die Forscher mit ihrer Erfindung in Zukunft verhindern.

sep

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