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Patientenschützer warnen: Ende der Corona-Isolationspflicht „brandgefährlich“

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Corona: Münchner beim Shopping in der Fußgängerzone, Adventszeit, München
Wer in Bayern Corona positiv ist, darf mit FFP-Maske raus und wie die Münchner in Fußgängerzone shoppen (Symbolbild). © Wolfgang Maria Weber/imago

Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein haben die Corona-Isolationspflicht aufgehoben. Andere Länder wollen nachziehen. Patientenschützer kritisieren das Vorgehen scharf.

Berlin – Wer sich mit dem Coronavirus infiziert hat, muss sich beispielsweise in Bayern nicht mehr in Quarantäne begeben (seit dem 16. November). Statt der Pflicht zur Isolation gilt nun die Pflicht, eine Maske zu tragen. Das Ende der Corona-Isolationspflicht in einigen Bundesländern sorgt für Diskussionen.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnt vor tödlichen Risiken für ältere und erkrankte Menschen. „Die Abschaffung dieser klaren Regel von einer Minderheit der Länder ist brandgefährlich für Leib und Leben der verletzlichen Menschen“, sagte Vorstand Eugen Brysch am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

„Ein infizierter Mensch kann sich selbst nicht gefährden. Deshalb ist es paradox, bei der Isolation auf die Eigenverantwortung zu setzen.“ Der Infizierte gefährde andere. Weiter sagte der Stiftungsvorstand: „Monat für Monat sterben 4000 Menschen an dem Virus. Genau das will die vorgeschriebene Isolation verhindern.“

Ende der Corona-Isolationspflicht in fünf Bundesländern

Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein hatten die Isolationspflicht kürzlich aufgehoben, Hessen folgt voraussichtlich am Mittwoch. Andere werden folgen. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hielt schon die Pläne aus Bayern für einen Fehler. Die FDP hat sich für ein bundesweites Ende der Isolationspflicht für Corona-Infizierte ausgesprochen. Nach dem FDP-Gesundheitspolitiker Andrew Ullmann solle eine Diskussion darüber angestoßen werden. Das sagte der gesundheitspolitische Sprecher der FDP-Bundesfraktion am Samstag im Deutschlandfunk.

Ullmann verwies auf die Fortschritte bei den Impfstoffen und den Medikamenten gegen Covid-19; auch seien die Zahlen der schweren Krankheitsverläufe in den Kliniken sehr niedrig. Deshalb hätten es Bayern, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein mit dem Ende der Isolationspflicht richtig gemacht. Die Überprüfung durch die Behörden habe ohnehin nicht mehr funktioniert, sagte der FDP-Politiker, der auch Infektiologe ist.

Bereits im Sommer hatte Ullmann dafür plädiert, dass „die Isolierungsdauer von Patienten mit Covid-19 [...] nicht mehr von staatlicher Seite fixiert“ wird. Justizminister Marco Buschmann (FDP) hatte mehrfach darauf verwiesen, dass die Länder im eigenen Ermessen die Isolationspflicht aufheben könnten.

Corona-Isolationspflicht in Deutschland: RKI hält noch an fünf Tage Isolationspflicht fest

Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt den Ländern, für Infizierte fünf Tage Isolation anzuordnen. Angeraten wird eine dringende Empfehlung, die Selbstisolation danach erst dann zu beenden, wenn ein (Selbst-)Test negativ ausfällt. Beschäftigte des Gesundheits- und Pflegewesens sollen zudem 48 Stunden vor der Testabnahme symptomfrei gewesen sein.

Nach der Aufhebung der Isolationspflicht warnte der Deutsche Städte- und Gemeindebund vor einem Flickenteppich der Corona-Maßnahmen und forderte bundeseinheitliche Corona-Regeln. Hier finden Sie einen Überblick zur Corona-Isolationspflicht: Welche Regeln gelten in den Bundesländern? (dpa/ml)

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