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Ist die Pandemie im Sommer vorbei? Epidemiologe Kekulé spricht von Zeitpunkt der Entscheidung

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Von: Christina Denk

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Ab Ende März sollen fast alle Corona-Regeln fallen. Doch wie wird der Sommer? Während Drosten vor Infektionen warnt, will Kekulé die Pandemie für beendet erklären.

Berlin - Wie sieht der Sommer mit dem Coronavirus* in diesem Jahr aus? Eine Frage, die sich wohl bei vielen angesichts des frühlingshaften Wetters bereits stellt. Sorgenloses Feiern ohne Maske und Abstand oder doch Quarantäne und weitere Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie? Was kommt auf Deutschland zu? Laut Virologe Streeck könnte es Sommer- und Winterphasen geben. Epidemiologe Kekulé sieht gar die Zeit für ein Umdenken gekommen.

Corona im Sommer: Lockerungen stehen an - Laut Virologe Streeck könnten auch die Masken fallen

Die Zeichen in der Coronavirus-Pandemie stehen in Deutschland auf Entspannung. Der Höhepunkt der fünften Omikron-Welle scheint in der Mehrheit der Bundesländer überschritten, schreibt das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Covid-Wochenbericht vom Donnerstagabend (3. März). Ebenfalls zum 3. März hat das RKI daher alle verbliebenen Länder von der Hochrisiko-Liste gestrichen, Clubs und Restaurants dürfen wieder unter weniger strengen Auflagen öffnen. Zum 20. März sollen schließlich fast alle restlichen Corona-Regelungen fallen. Sogar Christian Drosten hat seinen Corona-Podcast beendet. Die Orientierung in der Corona-Pandemie sei wieder da. Geht damit auch die Pandemie in die Sommer-Pause?

Wenn es nach Virologe Hendrick Streeck geht, sieht es fast so aus. Er glaubt, dass man in einen „Sommerreifen-Winterreifen-Modus“ übergehen müsse, so der Virologe im Podcast „Die Wochentester“ des Redaktionsnetzwerks Deutschland und des Kölner Stadt-Anzeigers. Auch die Maskenpflicht, die nach dem 20. März weiter gelten soll, könne aus Sicht des Virologen beispielsweise im Sommer fallen. Im Winter könne aber wieder anderes gelten, denn „in Innenräumen, wo es höhere Übertragungen gibt, sind Masken sinnvoll“, so Streeck.

Corona im Sommer: Drosten warnt vor Omikron im Sommer - Masken sollten bleiben

Ein Sommer ohne Masken? Der Virologe der Charité Christian Drosten schätzt die Lage anders ein. Im NDR-Podcast „Coronavirus-Update“ sagte Drosten, dass er nicht von einer „ungebändigten“ Corona-Welle im Sommer in Deutschland ausgehe, aber „man wird sich auch im Sommer mit diesem Omikron-Virus anstecken können“. Der Impffortschritt sei noch nicht ausreichend und die Ansteckungsrate durch Omikron weiter hoch.

Entsprechend halte er es auch im Sommer für ratsam, weiter in Innenräumen Masken zu tragen. Besonders das Tragen von FFP2-Masken in Innenräumen sei auf lange Sicht „die effizienteste Maßnahme überhaupt“.

Übersicht über Impffortschritt und Ansteckungen am 4. März 2022 in Deutschland:
AnzahlVergleich Vorwoche (25.2)
Neuinfektionen+217.593+210.743
7-Tage-Inzidenz1.196,41.259,5
Menschen mit Grundimmunisierung62.806.490 (75,5 Prozent)75,3 Prozent
Booster-Impfungen47.627.669 (57,3 Prozent)56,7 Prozent

Corona im Sommer: Politisch ist die Pandemie bereits vorbei - Kekulé spricht von Zeit der Entscheidung

„Im virologischen Sinne wird die Pandemie noch viele Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte andauern“, ein Satz des Epidemiologen Alexander Kekulé, der erst einmal schockieren mag. Bei Focus.de schreibt der Mediziner, dass die Theorie der Herdenimmunität widerlegt sei, da eine vollständige Immunität nach einer Ansteckung oder Impfung nicht eintrete. Gleichzeitig habe das Virus aktuell aber auch keinen Selektionsdruck zu gefährlicheren Mutanten, „weil auch an Schnupfen oder leichtem Husten Erkrankte und sogar asymptomatisch Infizierte das Virus sehr effektiv verbreiten.“ Das beste Beispiel dafür ist die aktuell kursierende Omikron-Variante*.

Es kommt darauf an, wann die Gesellschaft beschließt, zum Schutz vor der Krankheit genug getan zu haben

Alexander Kekulé (Epidemiologe)

Die Frage, wann die Pandemie zu Ende ist, hängt daher nicht vom Coronavirus, sondern von der Bevölkerung ab. „Es kommt darauf an, wann die Gesellschaft beschließt, zum Schutz vor der Krankheit genug getan zu haben“, schlussfolgert Kekulé. „Für die Eindämmung des Virus haben wir zwei Jahre lang massive wirtschaftliche, soziale und psychische Opfer gebracht. Mit den Impfstoffen, FFP2-Masken und Schnelltests hat mittlerweile jeder die Möglichkeit, sich einigermaßen vor Covid zu schützen und das Risiko schwerer Verläufe auf ein zumutbares Maß zu reduzieren.“ Neben den mRNA- und Vektor-Impfstoffen gibt es mit Novavax* mittlerweile auch eine dritte Alternative.

Epidemiologe Alexander Kekulé 2020 bei „hart aber fair“. Er sieht die Zeit einer politischen Entscheidung gekommen (Archivbild).
Alexander Kekulé spricht seit Beginn der Pandemie über die Entwicklungen des Coronavirus. Er sieht die Zeit einer politischen Entscheidung gekommen (Archivbild). © Müller-Stauffenberg/Imago

Angesichts Russlands Angriff auf die Ukraine und dem darauf folgenden Ukraine-Krieg folgert Kekulé daher: „Nach zwei Jahren Pandemie ist es höchste Zeit, uns wieder mit anderen Problemen zu befassen.“ Ähnlich passierte es bei der spanischen Grippe im Sommer 1919, als die abklingende Pandemie trotz Ausbrüchen im Winter für beendet erklärt wurde, um sich unter anderem dem Wiederaufbau nach dem 1. Weltkrieg zu widmen, fasst es Kekulé zusammen.

Also Sommer- und Winterphasen oder die politische Entscheidung für das Ende der Pandemie? Es bleibt abzuwarten. Für den Sommer erwarten uns nun erst einmal die Lockerungen. Wie sich das Pandemiegeschehen anschließend entwickeln werde, dafür stellten Experten aus Großbritannien vier verschiedene Corona-Szenarien auf*. (chd/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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