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„Sinnlos, Leute in Privatwohnungen zu verbannen“: FDP-Chef fordert baldige Abschaffung der Sperrstunde 

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Von: Katharina Haase, Franziska Konrad

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Martin Hagen
Geht es nach Bayerns FDP-Chef Martin Hagen, soll in der Gastronomie bald die Sperrstunde fallen. © Matthias Balk/dpa

Wegen der hohen Inzidenzen bleibt die Corona-Lage im Freistaat angespannt. FDP-Chef Martin Hagen fordert die Aufhebung der Sperrstunde. Ein Münchner Chefarzt warnt vor Lockerungen.

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Update vom 5. Februar, 12.57 Uhr: Wer am späten Abend durch Münchens Straße flaniert, dem sticht vor allem eines ins Auge: Aus allen Wirtshäusern dringt eine gähnende Leere. Es ist zappenduster. Wegen der Corona-Auflagen gilt in der Gastronomie im Freistaat derzeit ab 22 Uhr eine Sperrstunde. Doch geht es nach dem bayerischen FDP-Chef Martin Hagen, soll sich das schleunigst wieder ändern.

München: FDP-Chef fordert Aufhebung der Sperrstunde

„Es ist Zeit, dass wir insgesamt Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren“, betont Hagen gegenüber der Abendzeitung München. Der FPD-Politiker hofft auf eine baldige Aufhebung der Sperrstunde. „Da geht das Münchner Lebensgefühl verloren. Und man weiß ja auch: Wer noch länger feiern will, feiert eben zu Hause. Es ist sinnlos, die Leute aus der Öffentlichkeit in ihre Privatwohnungen zu verbannen.“

Fällt in Bayern bald die Sperrstunde? „Schritt für Schritt zur Normalität zurückkehren“

Ein weiterer wichtiger Punkt für seine Forderung, ist für den FDP-Chef die brisante Lage der Gastronomen. „Solange Gäste gleich nach dem Abendessen heimgeschickt werden, lässt sich ein Wirtshaus kaum profitabel betreiben. Der Getränkeumsatz ist wichtig für die Wirte. Und in München sind auch viele Touristen, die es von zu Hause gewohnt sind, später zu Abend zu essen.“

Gleichzeitig müsse der Staat die Gastronomie weiter mit Geld unterstützen, „wie er ihnen faktisch verbietet, ihren Job zu machen.“ Hagen weiter: „Die Wirte wollen doch keine Almosen, sie wollen die bayerische Gastfreundschaft pflegen. Und jetzt ist es höchste Zeit, sie das wieder tun zu lassen.“

Update vom 5. Februar, 12.02 Uhr: Omikron breitet sich in gesamten Freistaat rasant aus. Daher warnt ein Münchner Chefarzt eindringlich vor verfrühten Lockerungen (siehe Update vom 5. Februar, 8.17 Uhr). Mit seiner Vorsicht steht der Mediziner nicht alleine da. Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) dämpft nun ebenso die Erwartungen für geplante Öffnungsschritte.

Zwar unterstützt der Gesundheitsminister weiter einen Stufenplan für Öffnungsschritte in der Pandemie, gleichzeitig warnt er jedoch vor übertriebenen Erwartungen. Denn Corona habe gelehrt, „dass wir nicht zu voreilig sein dürfen und wir unsere Situation nicht immer mit anderen Ländern vergleichen können“, so der CSU-Politiker gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“.

Corona-Lockerungen in Bayern: Holetschek warnt vor zu großen Erwartungen

Er stellt klar: Die Situation in den Krankenhäusern müsse weiter ganz genau beobachtet werden: „Momentan blicken wir im Rahmen der stationären Belastungssituation auf ein stabiles Bild - und das trotz explodierender Infektionszahlen.“ Zur Zeit entkoppelten sich die Corona-Infektionszahlen und die Belastung des Gesundheitssystems.

Holetschek weiter: „Wenn wir die gegenwärtige Situation über das Maximum der Infektionszahlen hinweg halten können, ist uns der Weg für weitere Erleichterungen eröffnet.“ Aus diesem Grund unterstützt der Gesundheitsminister nach wie vor den von Ministerpräsident Söder (CSU) vorgeschlagenen Stufenplan für Lockerungen.

Update vom 5. Februar, 8.17 Uhr: Erneut hat die Corona-Inzidenz in München einen gewaltigen Sprung gemacht. Laut Angaben des RKIs liegt der Wert in der Landeshauptstadt am Samstagmorgen bei 2.277,8. Zum Vergleich: Am Vortag betrug er noch 2119,3. Im Freistaat ist die Inzidenz auf 1741,2 angestiegen (Vortag: 1695,6.). Trotz der hohen Corona-Zahlen, werden in Bayern die Rufe nach baldigen Lockerungen - auch von Ministerpräsident Söder - immer lauter. Doch der Münchner Infektiologe Clemens Wendtner warnt vor schnellen Lockerungsschritten.

Corona-Zahlen in München steigen - Münchner Chefarzt warnt vor Lockerungen

Das Argument des Chefarztes der Infektiologie an der München Klinik Schwabing: Die Kliniken stünden immer noch vor großen Herausforderungen, äußert er sich gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“. „Und die Auslastung der Intensivbetten ist auch nicht die ganze Wahrheit. Denn bei Omikron sind stattdessen im hohen Maße eben die Normalstationen gefordert.“ Auch dort gebe es begrenzte Kapazitäten.

„Für mich als Kliniker ist es egal, ob jemand mit oder wegen Corona in einem Krankenhaus liegt“, betont Wendtner weiter. „Covid-19 ist ein erheblicher Risikofaktor für Menschen, die aus anderen Gründen stationär versorgt werden.“ Tag für Tag sehe er die Patienten in der Klinik. „Das ist Leid, die Leute haben Todesangst.“

Corona-Lockerungen in Bayern? Omikron fordert Normalstationen in Kliniken

Man könne jetzt zwar über Lockerungen nachdenken, „aber realisieren sollte man sie jetzt noch nicht“. Der Infektiologe warnt: Bis mindestens April „werden wir noch mit den hohen Inzidenzzahlen zu tun haben. Zwar gibt es bei Omikron nicht so schwere Verläufe, aber immerhin sind es trotzdem 0,5 Prozent der Neuinfizierten, die rein statistisch gesehen schwer erkranken.“ Angesichts der hohen Fallzahlen seien das jeden Tag mehr als 1000 Betroffene.

Ursprüngliche Meldung vom 4. Februar:

München - Die Corona-Lage in Bayern bleibt weiter angespannt. Die Sieben-Tage-Inzidenz im Freistaat liegt am Freitag laut Robert-Koch-Instituts (RKI)* bei 1695,6. Spitzenreiter sind die Landkreise Fürstenfeldbruck mit 3019,1 und Dachau mit mit 2741,8. Auf Platz Drei folgt das Stadtgebiet Würzburg mit 2515,1. Die Zahlen sind aufgrund der sich rasend schnell verbreitenden Omikron-Variante des Coronavirus noch immer extrem hoch, auch die Landeshauptstadt München* legt mit einer Inzidenz von 2119,3 einen enormen Sprung im Vergleich zum Vortag zu.

Corona-Lage in Bayern angespannt: In den Krankenhäusern neues Infektionsbild

In den Krankenhäusern wird eine Corona*-Infektion dabei immer mehr zur „Nebendiagnose“. So sind in der Omikronwelle in Bayerns Krankenhäusern ein hoher Anteil von Corona-Patienten nicht wegen Covid in Behandlung, sondern wegen anderer Krankheiten. Das gilt aber nur für die Patienten und Patientinnen auf den Normalstationen. Beim überwiegenden Teil der Corona-Intensivpatienten ist Covid auch die Hauptdiagnose, wie fünf Universitätskliniken und die RoMed-Kliniken Rosenheim auf Anfrage berichten. Die Zahlenverhältnisse sind allerdings regional sehr unterschiedlich. Während in manchen Krankenhäusern, wie beispielsweise am LMU-Klinikum in München noch über 65 Prozent der Infizierten auch wegen Covid behandelt würden, so sind es im Klinikum Rechts der Isar deutlich weniger.

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Corona nur noch als Nebendiagnose? Arzt am Uniklinikum Erlangen erklärt Sachlage

Eine scharfe Trennung von Diagnosen sei jedoch sowieso schwierig und oft nicht sinnvoll, so das Statement mehrerer Kliniken auf Anfrage. Vor allem bei Patienten, die ohnehin an mehreren Krankheiten leiden sei eine Trennung des Hospitalisierungsgrundes oft nicht mehr möglich. Anders verhält es sich bei den Intensivpatienten. Sind diese mit dem Coronavirus infiziert, ist dies auch in der Mehrzahl der Fälle der Grund für die Hospitalisierung.

Thomas Harrer, Schwerpunktleiter Infektiologie der Medizinischen Klinik 3 in Erlangen sagt, eine gleichzeitige virale Infektion erhöhe auch das Risiko für andere Infektionen. „So dass man annehmen muss, dass der Verlauf von anderen Erkrankungen durch eine Corona-Infektion schwerer verläuft.“ Die überwiegende Mehrzahl der Erwachsenen komme immer noch wegen Corona in die Klinik. „Dabei muss berücksichtigt werden, dass Sars-CoV-2 nicht nur eine Lungenentzündung auslöst, sondern auch gastrointestinale Beschwerden wie Durchfälle, Bauchschmerzen und Gefäßprobleme wie Thrombosen, Infarkte, Schlaganfälle bewirkt.“ kah *tz.de/muenchen ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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