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Corona-Inzidenz macht Sprung auf fast 150: Ärzte verärgert wegen Spahns „Booster“-Aufruf

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Jens Spahn in der konstituierenden Sitzung des 20. Deutschen Bundestages im Reichstagsgebäude.
Gesundheitsminister Jens Spahn will eine Booster-Impfung für alle, erhält aber Gegenwind aus der Ärzteschaft. © Frederic Kern/Imago

Die Inzidenz in Deutschland liegt längst wieder im dreistelligen Bereich, die Auffrischimpfung wird aber schlecht angenommen. Es zeichnet sich Streit zwischen Politik und Ärzten ab.

Berlin - Die Corona-Zahlen in Deutschland sind schlecht und der geschäftsführende Bundesgesundheitsminister alarmiert. Das Robert-Koch-Institut* (RKI) gab die bundesweite Inzidenz am Sonntagmorgen (31. Oktober) mit 149,4 an. „Aktuell reicht das Booster-Tempo in Deutschlands Praxen nicht“, sagte Jens Spahn (CDU) der Bild am Sonntag (BamS). „Wir brauchen einen Booster-Gipfel von Bund und Ländern*.“

Am Samstag hatte die Inzidenz bei 145,1 gelegen, vor einer Woche bei 106,3. Binnen 24 Stunden wurden 16.887 Coronavirus*-Neuansteckungen sowie 33 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet.

Corona in Deutschland: Gesundheitsminister tagen am 4. November

„Aktuelle Daten aus Israel zeigen, dass das Boostern einen ganz entscheidenden Unterschied macht, um die vierte Welle zu brechen“, bekräftige Spahn im Gespräch mit der BamS. SPD*-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach ist in der Debatte jetzt für eine Wiedereröffnung der Impfzentren.

Die Zahl der Geimpften steigt nur noch langsam. Eine Auffrischungsimpfung - die „Booster“-Impfung - gegen die mit der Zeit nachlassende Wirkung des Impfstoffes* nehmen viel weniger Menschen wahr, als es könnten, meldet die dpa. Vor allem Risikogruppen wird die Auffrischung des Impfschutzes empfohlen. Die Politik sucht händeringend Konzepte, mehr Menschen dazu zu bewegen. Die Gesundheitsministerkonferenz tagt ab kommenden Donnerstag in Lindau.

Spahns Ansicht nach sollten die Bundesländer Über-60-Jährige, für die das „Boostern“ empfohlen wird, schriftlich einladen. Das Gesundheitsministerium* betonte aber auch, dass grundsätzlich alle Bürger Anspruch auf die „Booster“-Impfung haben. Er bezog sich dabei auf die Impfverordnung. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder* (CSU*) sagte der BamS: „Eine Drittimpfung nach sechs Monaten ist für jeden sinnvoll.“

Booster-Impfung für alle? Ärzte über Spahn-Ankündigung verärgert

Hochrangige Ärztevertreter stellten sich aber gegen Auffrischungsimpfungen für alle. „Für die Notwendigkeit von Auffrischimpfungen für Menschen jeglichen Alters gibt es bisher keine ausreichende wissenschaftliche Evidenz“, sagte etwa Ärztepräsident Klaus Reinhardt den RND-Zeitungen vom Samstag. Kassenärzte-Chef Andreas Gassen warnte vor „blindem Aktionismus“.

Die Hausärzte äußerten sich ebenfalls kritisch zu Spahns Aufruf. „Wir sind verärgert, dass Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Erwartungen schürt, Booster-Impfungen seien für alle möglich“, sagte Bundesvorstandsmitglied Armin Beck dem RND. „Die Hausärzte folgen der Empfehlung der Ständigen Impfkommission und diese empfiehlt aktuell Drittimpfungen nur für über 70-Jährige und wenige andere Gruppen.“

Auch die scheidende Kanzlerin Angela Merkel* zeigt sich beunruhigt wegen der steigenden Corona-Zahlen. Derzeit mache sich „schon wieder eine gewisse Leichtfertigkeit breit“ sagte sie der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. (AFP/dpa/frs) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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