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Corona-Inzidenz sinkt leicht: Ist ein neues Test-Verhalten in Deutschland die Ursache?

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Von: Christina Denk, Martina Lippl

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Eine dreimonatige Corona-Auffrischungsimpfung sieht Curevac-Chef Haas nicht als Lösung. Die Corona-Zahlen in Deutschland sind aktuell rückläufig. Der News-Ticker.

Update vom 13. Februar, 8.06 Uhr: Im Vergleich zum Vortag ist die bundesweite 7-Tage-Inzidenz leicht gesunken. Laut RKI vom Sonntagmorgen liegt sie aktuell bei 1465,5 (Samstag: 1474,3). Im Vormonat lag der Wert bei 427,7. Im Zusammenhang mit Corona kamen binnen 24. Stunden 58 weitere Todesfälle hinzu.

Es ist schwer zu beurteilen, ob sich damit ein Plateau der Omikronwelle andeutet und der rasante Anstieg bei den Ansteckungen in Deutschland gebremst ist. Es könnte auch sein, dass der Inzidenzrückgang nicht das tatsächliche Infektionsgeschehen widerspiegelt, sondern Folge eines überlasteten Melde- und Testsystems ist.

Eine Rolle könnte unter anderem auch spielen, dass einige Menschen ihren positiven Selbst- oder Schnelltest nicht mit einem PCR-Test abklären lassen. Sie tauchen dann nicht in der Statistik auf, so die Nachrichtenagentur dpa.

Am Wochenende werden keine Daten zu den Klinikaufnahmen veröffentlicht. Am Freitag hatte die Hospitalisierungsinzidenz bei 6,46 gelegen. Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben.

Plakate mit der Aufschrift „Wir impfen“ oder „Coronatest Kostenlos“ stehen im Februar 2022 vor einer Apotheke in München.s
Die Corona-Inzidenz in Deutschland ist leicht rückläufig. © Sven Hoppe/dpa

Omikron in Deutschland: Prognose von Lauterbach und Brockmann

Update vom 12. Februar, 22.50 Uhr: Wann bricht die Omikronwelle? Karl Lauterbach und auch Corona-Modellierer Dirk Brockmann rechnen mit dem Höhepunkt Mitte oder Ende Februar. Corona-Expertenratsmitglied Christian Karagiannidis kann dagegen noch keine Entwarnung geben. Es gebe drei Unsicherheitsfaktoren. Sollten sich noch viele Ungeimpfte und Ältere infizieren, könnte das die Belastung in den Krankenhäusern noch einmal erhöhen.

Auch die Subtypen von Omikron* bilden eine Unsicherheit. „Möglicherweise sorgt BA.2 noch einmal für eine Verlängerung der Welle“, so das Corona-Expertenratsmitglied. Auch der Personalmangel verschärfe die Situation. „Einige Kliniken haben schon jetzt mit sehr viel Personalausfällen zu kämpfen, weil das Personal als Kontaktperson in Quarantäne oder selbst erkrankt ist“, sagte er gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Generell sei Karagiannidis aber optimistisch, dass Deutschland „gut durch die Omikron-Welle kommt“.

Corona in Deutschland: Kritik an Karl Lauterbach - „Wir sollten den Menschen nicht mehr Angst einjagen“

Update vom 12. Februar, 20.08 Uhr: Karl Lauterbach hatte vor Kurzem mit einem 500-Tote-Vergleich* für Aufmerksamkeit gesorgt. Er hatte vor Öffnungen wie in Israel gewarnt. Dann könne man in Deutschland auf 400 bis 500 Tote am Tag kommen. Grundlage dafür sei ein RKI-Modell, mit dem man Inzidenzen unterstellen kann. Schon Virologe Kekulé hatte Bedenken geäußert.

Auch Bundesjustizminister Marco Buschmann sieht die Warnung skeptisch. Man muss vorsichtig sein mit solchen Modellrechnungen“, sagte Buschmann dem Tagesspiegel am Sonntag. Die Krankenhausbelastung etwa habe sich ja auch weit weniger dramatisch entwickelt, als es Modellrechnungen befürchten ließen. „Wir sollten den Menschen nicht mehr Angst einjagen, als es angezeigt ist. Viele befinden sich seit zwei Jahren in einer sehr belastenden Situation. Da muss man den Stress nicht noch vergrößern“, erklärte Buschmann.

Curevac-Chef sieht zugelassene Corona-Impfstoffe „am Ende ihrer Möglichkeiten“ – Kombi-Vakzin als Lösung?

Update vom 12. Februar, 17.53 Uhr: Ein zweiter Impfstoff von Curevac*? Das Vakzin der ersten Generation der Tübinger Firma war wegen vergleichsweise geringer Wirksamkeit aus dem Zulassungsverfahren zurückgezogen worden. Nun wird an der zweiten Generation geforscht. Erste präklinische Studien, Tierversuche, zeigen bereits ein „höheres Antikörper-Level“ als im ersten Versuch. Aktuell beginnt die Testphase am Menschen.

Das Unternehmen hat großes vor mit dem Impfstoff, der gemeinsam mit dem britischen Pharmakonzern GSK entwickelt wird. „Unser Ziel ist es, sehr schnell Varianten wie Omikron integrieren zu können“, so Franz-Werner Haas, der Chef der Biotechfirma Curevac, in einem Interview mit der FAZ am Sonntag. „Der nächste Schritt wäre dann, den Corona-Impfstoff mit einem Grippe-Impfstoff zu kombinieren. Da kommt es darauf an, dass der Immunschutz gegen eine Covid-Erkrankung länger hält, damit eine Impfung im Jahr genügt, möglichst kurz vor der Grippesaison.“

Curevac entwickelt derzeit einen neuen Covid-Impfstoff - die zweite Generation. Die zugelassenen Impfstoffe sieht der Chef am Ende ihrer Möglichkeiten. (Archivbild)
Curevac entwickelt derzeit einen neuen Covid-Impfstoff - die zweite Generation. Die zugelassenen Impfstoffe sieht der Chef am Ende ihrer Möglichkeiten. (Archivbild) © Martin Storz/Imago

„Wir sehen, dass die zugelassenen Impfstoffe ans Ende ihrer Möglichkeiten gelangen“, sagte Haas über die bereits zugelassenen Vakzine. „Es kann ja nicht sein, dass dauerhaft alle drei Monate eine Auffrischungsimpfung nötig sein soll. Wir brauchen also einen länger anhaltenden Schutz“, machte er deutlich. Um die vulnerablen Gruppen zu schützen, wäre dies auch nötig, wenn sich die Pandemie zur Endemie entwickle.

Ein Stufenplan für Lockerungen der Corona-Maßnahmen soll kommen

Update vom 12. Februar, 16.48 Uhr: Immer mehr Länder lockern die Maßnahmen in der Pandemie oder setzen die Corona-Regeln ganz aus. Wie sieht es in Deutschland diesbezüglich aus? Wird es einen sogenannten „Freedom Day“ geben? Wie mehrere Regierungsmitglieder dem Business Insider bestätigten, arbeitet das Kanzleramt an einem Stufenplan zur Aufhebung weitgehend aller Corona-Regeln ab 19. März. Zu diesem Zeitpunkt würden die aktuellen Regeln laut Infektionsschutzgesetz ohnehin auslaufen.

Die Lockerungen sollen sich den Berichten zufolge an der Hospitalisierungsrate und der Belegung der Intensivstationen orientieren. Lediglich Abstandsregeln und die Maskenpflicht sollen noch länger gelten. Zur Abschaffung des Großteils der Corona-Maßnahmen sollen sich auch die SPD-Ministerpräsidenten in einer vertraulichen Schalte am Donnerstagabend geeinigt haben. Die CDU-Ministerpräsidenten sollen dagegen eher für ein Ende der 2G-Regel im Einzelhandel sein, heißt es weiter.

Update vom 12. Februar, 15.53 Uhr: Die Zahl der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen steigt leicht. Wer landet tatsächlich wegen einer symptomatischen Corona-Infektion im Krankenhaus? Das RKI hat Daten von Covid-Patienten zu Alter, Impfstatus und Krankheitsschwere veröffentlicht.

Roter Alarm auf der Corona-Warn-App reicht für PCR-Test nicht mehr

Update vom 12. Februar, 15.07 Uhr: Ab diesem Samstag gelten neuen Regeln für Corona-Test. Kostenfreie PCR-Tests gibt es nur noch nach einem positiven Antigen-Schnelltest. Eine rote Warnmeldung auf der Corona-Warn-App reicht nicht mehr für einen PCR-Test aus. Bei Diagnose und Auswertung der PCR-Tests werden künftig Risikopatienten, Personen in vulnerablen Bereichen (Pflege, Eingliederungshilfe, häusliche Pflege) und in medizinischen Bereichen (Praxen, Krankenhaus, Pflege, Rettungsdienste) bevorzugt. Für das Freitesten, also das vorzeitige Beenden einer Isolierung beziehungsweise Quarantäne, reicht der Antigen-Schnelltest. Hintergrund der Neuregelung ist, eine Überlastung der Labore zu vermeiden.

Im Norden sinken die Corona-Fallzahlen

Update vom 12. Februar, 14.57 Uhr: In Berlin, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein sinken die Fallzahlen. In Thüringen und Sachsen sind laut dem Robert-Koch-Institut (RKI), wieder steigende Fallzahlen zu verzeichnen. Omikron habe sich laut dem Berliner Institut mittlerweile in allen Bundesländern - auch in Mecklenburg-Vorpommern - durchgesetzt.

RKI meldet 198 Tote - Modellierer nennt ziemlich genauen Zeitpunkt, wann Omikron-Welle bricht

Erstmeldung vom 12. Februar 2022

Berlin - Was sagen die Zahlen noch über das Infektionsgeschehen in Deutschland aus? Erreicht die Omikron-Welle ihren Höhepunkt? Die offiziellen Corona-Fallzahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben offenbar ein Plateau erreicht. Es ist schwer zu beurteilen, ob diese offiziellen Zahlen das reale Infektionsgeschehen widerspiegeln. Die Gesundheitsämter kommen mit dem Melden der Corona-Fälle nicht mehr hinterher. Die PCR-Testkapazitäten sind knapp. Allerdings fließen nur die über PCR-getesteten Fälle in die Statistik ein. Das könnte ein Grund sein. Oder stecken sich tatsächlich weniger Menschen an.

In den vergangenen 24 Stunden sind 209.789 positive Corona-Tests an das RKI gemeldet worden (Vortag: 240.172). Weiter starben 198 Menschen in Deutschland mit oder an Corona. Das geht aus den Daten des Covid-19-Dashboards des RKI am Samstag hervor. Die Inzidenz liegt laut RKI bei 1474,3 und damit so hoch wie nie.

Corona-Inzidenz in Deutschland steigt auf neuen Höchstwert

Inzidenz am 12. Februar 2022VorwocheVormonat
1474,31388,0407,5

Corona-Fallzahlen in Deutschland: RKI meldet 209.789 am Samstag (Stand: 12. Februar 2022)

Seit Beginn der Pandemie haben sich in Deutschland nachweislich 12.219.501 Menschen mit Sars-CoV-2 infiziert.
Bisher starben 119.877 Menschen mit oder an Corona.
Die Zahl der Genesenen schätzt das RKI auf etwa 8.679.400.
Derzeit gibt es in Deutschland 3.420.200 aktive Corona-Fälle.
209.789 Corona-Fälle und 198 Todesfälle sind in den vergangenen 24 Stunden laut RKI verzeichnet worden.

Corona-Experte Brockmann: Omikron-Welle erreicht Höhepunkt demnächst

Der Corona-Modellierer Dirk Brockmann rechnet dennoch damit, dass der Höhepunkt der Omikron-Welle demnächst erreicht wird. „Der Verlauf dieser Omikron-Welle scheitelt jetzt und wir rechnen damit, dass dann die nächsten Tage das Maximum erreicht ist“, sagte der Physiker der Berliner Humboldt-Universität am Freitag im Deutschlandfunk (Dlf). Nach seinen Prognosen sei Mitte Februar das Maximum erreicht.

Die Zahl der Corona-Patienten auf Intensivstation ging bis Anfang Februar stark zurück. Seitdem steigt die Zahl an - wenn auch auf niedrigem Niveau. Auf den Intensivstationen in Deutschland liegen derzeit 2.375 Covid-Patienten. 1.163 davon müssen künstlich beatmet werden. Das geht aus den Daten des DIVI-Intensivregisters am Samstag (12. Februar) hervor. Am Vortag waren es demnach noch 2.360 schwer kranke Corona-Patienten, die auf einer Intensivstation behandelt werden mussten.

Die Zahl der in Kliniken gekommenen Corona-infizierten Patienten je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen gab das RKI am Freitag mit 6,46 an (Donnerstag: 6,23). Darunter können auch Menschen mit positivem Corona-Test sein, die eine andere Haupterkrankung haben.

Unsicherheitsfaktor Omikron-Subvariante BA.2

Die Omikron-Subvariante BA.2. ist ein Unsicherheitsfaktor. Diese Variante des Coronavirus ist noch ansteckender als die derzeit dominante Omikron-Variante BA.1. Der Anteil der Omikron-Subvariante BA.2 ist hierzulande noch gering. Sie liegt bei 8,1 Prozent Ende Januar, wie im aktuellen RKI-Wochenbericht (10. Februar) zu lesen ist. „Hinsichtlich der klinischen Charakteristik gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass sich Infektionen mit BA.2 von Infektionen mit BA.1 unterscheiden“, heißt es in dem Bericht.

Mitten in der Debatte um mögliche Corona-Lockerungen wiesen Experten zuletzt immer wieder auf den neuen Subtyp BA.2 hin, der sich unter anderem in Ländern wie Dänemark bereits stark ausgebreitet hat. Dies ist demnach auch in Deutschland möglich und könnte nach Einschätzung vieler dafür sorgen, dass die Omikron-Welle länger dauert. (ml/dpa) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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