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Angst vor Corona-Lockdown in Peking wächst – Lage ist „akut und düster“ 

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Von: Isabel Wetzel

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Mitarbeitende des Gesundheitswesens in China führen Corona-Tests im Bezirk Zhongguancun in Peking durch.
Corona-Massentests in Peking schüren in der Bevölkerung die Angst vor einem harten Lockdown. © Jade Gao/AFP

Die Angst vor einem harten Corona-Lockdown in Peking wächst. Die Behörden ordneten Massentests für fast alle der knapp 22 Millionen Menschen in der Hauptstadt an.

Peking – Noch nie seit Beginn der Corona-Pandemie 2019 waren die Infektionszahlen in China so hoch wie aktuell – und die Zahlen steigen weiter. Derzeit meldet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast 30.000 Neuinfektionen täglich in der Volksrepublik. In Shanghai gilt bereits seit Anfang April wieder ein strikter Lockdown.

Die meisten der rund 26 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der Metropole dürfen ihre Wohnungen so gut wie gar nicht mehr verlassen und auch in der Hauptstadt Peking wächst nach mehreren bestätigten Corona-Infektionen die Sorge, vor erneuten Beschränkungen in der Pandemie. Die hochansteckende Omikron-Variante stellt China und die Behörden unter Staatschef Xi Jinping noch einmal auf eine neue Probe.

Corona-Massentests in Peking schüren Angst vor Lockdown wie in Shanghai

Nachdem die Behörden in der Hauptstadt am vergangenen Wochenende (23. und 24. April) bereits erste Corona-Massentests in den betroffenen Bezirken angeordnet hatten, sind die Testungen nun auf fast alle der knapp 22 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner der Stadt ausgeweitet worden. Elf weitere Bezirke begannen nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag (26. April) mit den Tests.

Damit gilt die Testanordnung jetzt für die zwölf Bezirke, in denen die meisten Menschen in Peking wohnen. Die chinesische Hauptstadt meldete am Dienstag zwar nur 33 neue Corona-Fälle – es geht allerdings die Angst vor einem wochenlangen Total-Lockdown wie in der Wirtschaftsmetropole Shanghai um. „Das Virus hat sich seit einer Woche unentdeckt in der Stadt verbreitet“, teilte die Stadtverwaltung mit. Die Lage sei „akut und düster“.

Corona-Massentests in Peking: Panikkäufe aus Angst vor „Total-Lockdown“

Die Anordnung der Tests im Innenstadtbezirk Chaoyang hatte bereits am Sonntag (24. April) Panikkäufe ausgelöst. Die chinesischen Staatsmedien bemühten sich daraufhin, mit Berichten über volle Lager und längere Öffnungszeiten in den Supermärkten die Situation zu beruhigen. Viele Einwohnerinnen und Einwohner sind jedoch weiterhin besorgt. Die weit verbreitete Lebensmittelknappheit, die durch die wochenlange Abriegelung Shanghais verursacht wurde, löste bereits einen Aufschrei im Internet aus. Die Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Chinesinnen und Chinesen derzeit immer mehr das Vertrauen in die Corona-Politik ihres Landes verlieren.

Der städtische Gesundheitsbeamte Xu Hejian hatte am Montag (25. April) gesagt, dass die Ausbreitung des Coronavirus in Peking immer noch „im Rahmen der Kontrolle“ sei. Wenn die Ergebnisse der Massentests aus Peking ausgewertet sind, werde man ein besseres Bild von der epidemischen Lage in der Hauptstadt bekommen und dementsprechend weitere Maßnahmen beschließen, sagte ein Experte des nationalen Gesundheitsamtes der Global Times.

Die Behörden in Peking seien bestrebt, eine explosionsartige Verbreitung wie in Shanghai zu vermeiden, wo immer noch 16.000 Neuinfektionen und zuletzt mehr als 50 Todesfälle in Zusammenhang mit Covid-19 innerhalb eines Tages gemeldet wurden. Vergleichbare Zahlen hatte es in China seit dem ersten Ausbruch des neuartigen Coronavirus in Wuhan von zweieinhalb Jahren nicht mehr gegeben. Am 19. März wurden demnach die ersten Corona-Todesfälle seit dem 25. Januar 2021 in China gemeldet.

Eine Frau verlässt einen Supermarkt in Peking, nachdem sie Lebensmittel und Haushaltswaren gekauft hat.
Die Angst vor einem harten Corona-Lockdown löste in Peking Panikkäufe aus, die für lange Schlangen und leere Regale in den Supermärkten sorgten. © Jade Gao/AFP

Lockdown in Peking: Erste Wohnblocks nach Corona-Infektionen abgeriegelt

Die Behörden ordneten daraufhin Homeoffice für die meisten Beschäftigten an und riefen die Menschen dazu auf, an den Feiertagen um den 1. Mai nicht zu verreisen. Die Feiertage zum Tag der Arbeit, die in China in diesem Jahr am Samstag (30. April) beginnen und bis zum Montag (2. Mai) gehen, sind in China traditionell eine Zeit für Massenreisen. Doch in diesem Jahr wird er wahrscheinlich viel ruhiger verlaufen.

Mehrere Wohnblocks in acht Bezirken, in denen Corona-Infektionen aufgetreten waren, wurden bereits abgeriegelt. Dort wurden unter anderem Restaurants, Sport- und Kulturstätten geschlossen und Bewohnerinnen und Bewohner durften ihre Wohnungen nicht mehr verlassen. Die Maßnahmen in Peking seien im Vergleich zu den Beschränkungen in anderen Städten und Regionen allerdings noch milde, erklärte der Chefökonom von Pinpoint Asset Management, Zhiwei Zhang.

Peking
StaatChina
RegionNordchina
Bevölkerungszahl21,9 Millionen
StatusHauptstadt Chinas

„Ich bin überrascht, dass die Regierung in Peking nicht so hart und schnell restriktive Maßnahmen ergriffen hat wie in anderen Städten, in denen es in den vergangenen Wochen zu ähnlichen Ausbrüchen kam“, schrieb er. Die chinesische Regierung spürt zunehmend die Auswirkungen ihrer „Zero-Covid-Strategie“ auf die Wirtschaft und auf die Moral in der Bevölkerung. Unterdessen wächst im Rest der Welt die Besorgnis darüber, wie sich die Corona-Lage in China auf die Lieferketten auswirken könnte. (iwe/afp)

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