Clip geht viral

Studentin für knappes Outfit kritisiert - also zieht sie es bei Präsentation einfach aus und streamt das ins Netz

Ein Screenshot aus dem Clip.

Die Aktion einer Studentin geht viral: Weil sie von ihrer Dozentin kritisiert wurde, zieht sie ihr Outfit einfach aus und streamt die Aktion ins Internet.

Ithaca - Letitia Chai hatte genug! Die 18-Jährige studiert an der Cornell University in Ithaca (USA). Und weil sie von ihrer Dozentin für ihr Outfit kritisiert wurde, startete sie eine ungewöhnliche Aktion: Sie selbst zog sich bei einer Präsentation aus und streamte das ins Netz. Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer machten mit.

Vorangegangen war laut ihrer Schilderung bei Facebook und laut Cornell Daily Sun ein Konflikt mit einer Professorin. „Ich erlebte meine tiefste Enttäuschung in Cornell“, schildert sie. Denn sie habe sich sehr mühevoll auf ein Referat vorbereitet. Als am Mittwoch, dem 2. Mai, der Tag für die erste Präsentation gekommen war und sie dafür von ihrem Platz aufstand, habe ihre Professorin gesagt: „Ist das das, was du anhaben wirst?“ Sie habe eine Bluse getragen und kurze Jeans. „Sie, eine weiße Frau, meinte: ‚Deine Shorts sind zu kurz‘.“ Die Professorin erzählte mir vor der ganzen Klasse, dass ich die Männer dazu einladen würde, von meinem Outfit wegzublicken und stattdessen auf meinen Körper. Sie sagte, mein Outfit sei ein Statement. Ich sagte ihr, dass ich verdammt sicher mein Statement nicht ändern würde, damit sie oder irgendjemand anders sich besser fühlt.“ Es folgte ein Wortgefecht - und auch ein dummer Kommentar eines Studenten. Letitia verließ daraufhin den Raum.

Die 18-Jährige schrieb das in einem Facebook-Post, der - wie andere Quellen - in einem Google-Ordner gesammelt ist.

Sie forderte darin Menschen auf, sich ihr anzuschließen mit einer Strip-Aktion bei ihrer eigentlichen Präsentation am Samstag, 5. Mai. 

„Ich bin mehr als Letitia Chai. Ich bin ein Mensch“

Das Resultat hatte es dann in sich. Was es in einem Facebook-Live-Stream zu sehen gab, war auf den ersten Blick ihre Präsentation, entwickelte sich aber schnell zur Demonstration. „Mama und Papa, hallo, ich weiß, es ist spät in Korea, also danke fürs Aufbleiben“, sagt sie in dem Live-Stream, der als Video erhalten ist. „Ich bin mehr als eine Asiatin. Ich bin mehr als eine Frau. Ich bin mehr als Letitia Chai. Ich bin ein Mensch.“ Währenddessen lässt sie ihre Klamotten fallen und spricht in Unterwäsche weiter. Ihrem Statement für Selbstbestimmung und Frauenrechte folgt der geflüsterte Aufruf: „Zieht euch alle aus!“ Dem viele folgen.

Die Geschichte und der knapp 37-minütige Clip gehen bei verschiedenen Medien und auch bei Facebook viral. Hier eine Kopie, die (anfangs mit Untertiteln) bei YouTube hochgeladen wurde.

Der Fall ist allerdings deutlich komplexer

Ganz so einfach, wie der Fall im ersten Moment scheint - Dozentin böse, Studentin cool - ist er aber doch nicht. Denn einige der beim ursprünglichen Vorfall anwesenden Studentinnen und Studenten haben einen Brief auf Anfrage der örtlichen Zeitung Cornell Daily Sun verfasst. Der komplett veröffentlicht wurde.

In diesem stärken sie einerseits Letitias klares Statement. „Wir unterstützen Letitias Engagement für die Frauenrechte, daran besteht kein Zweifel.“ Allerdings haben sie den vorangegangenen Vorfall am Mittwoch zuvor etwas anders wahrgenommen. „Wir alle fühlen, dass die Worte und Handlungen unserer Professorin in dem Facebook-Post unfair dargestellt werden, mit Zitaten, die aus dem Kontext gerissen sind, und wir möchten die Missverständnisse aufklären.“

Demnach stelle die Dozentin immer allen solche Fragen - sowohl Studentinnen als auch Studenten - damit die sich ihres Auftretens bewusst sind. Letitia sei aufgebracht gewesen auf die Frage der Dozentin hin, nach einem blöden Kommentar eines Kommilitonen habe sie dann den Raum verlassen. 

Als Letitia weg war, habe sich, so heißt es in dem Brief der Studenten, die Dozentin mit den Argumenten auseinandergesetzt und für ihre Wortwahl entschuldigt.

„Ich schreibe meinen Studenten nicht vor, was sie zu tragen haben“

In einer E-Mail an besagte Zeitung schreibt die Dozentin: „Ich schreibe meinen Studenten nicht vor, was sie zu tragen haben, noch definiere ich, was ein angemessenes Outfit ist. Ich rufe sie dazu auf, für sich selbst zu reflektieren und ihre eigenen Entscheidungen zu fällen.“

Die Sache, die nun als „Studentin zieht sich aus Protest aus“ so oder so ähnlich viral geht, gestaltet sich also weit komplexer als sie auf den ersten Blick scheint. Zahlreiche weitere Hintergründe finden Sie (auf Englisch) im oben verlinkten Google-Ordner.

Weit einfacher zu durchschauen ist der Vorfall, von dem tz.de* berichtet: Ein Dozent wurde fast von einer Tafel erschlagen. Seine Reaktion verblüffte die Studenten.

tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

lsl.

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