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Netzagentur-Präsident fordert: Bürger sollten weniger warm duschen

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Von: Ines Alberti

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Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur
Klaus Müller, der Präsident der Bundesnetzagentur, fordert die Bürger dazu auf, weniger zu heizen. © Christophe Gateau/dpa

Weniger heizen, Gas sparen: Um unabhängiger von russischem Gas zu werden, sollten auch Verbraucher ihren Teil beitragen, findet der Chef der Bundesnetzagentur.

Köln – Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, fordert die Deutschen dazu auf, weniger zu heizen. Hintergrund ist die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas im Ukraine-Konflikt. Dass Deutschland wegmuss von russischem Gas, darüber ist sich die Politik hierzulande einig. Nicht jedoch darüber, wie schnell das passieren soll und kann. Ein sofortiges Embargo, wie es etwa der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert, lehnt die Bundesregierung ab.

Derzeit gibt es laut Müller keine Anzeichen dafür, dass Russland das Gasvolumen drosselt. Dennoch ist das Risiko, dass Präsident Wladimir Putin den Gashahn selbst zudreht, vor dem Hintergrund seines wenig berechenbaren Verhaltens nicht auszuschließen.

Ukraine-Krieg: Experte rät zum Sparen, um von Gas aus Russland loszukommen

Egal wie: Die Deutschen täten gut daran, Gas einzusparen, raten Experten. Bundesnetzagentur-Chef Klaus Müller machten die aktuellen Gasspeicherstände Sorgen, wie er am Mittwoch (13.04.2022) in der RTL-Sendung „Frühstart“ kundtat. Die Füllmenge deutscher Gasspeicher liege derzeit bei 30 Prozent, doch: „Einzelne Speicher sind richtig, richtig leer“, sagte Müller.

Würde es – rein hypothetisch – ab morgen ein Gasembargo geben, käme Deutschland noch bis Ende Sommer, Anfang Herbst mit eigenem Gas hin, schätzte Müller bei RTL. „Aber dann wären die Speicher richtig leer und das würden wir vor dem Winter nicht haben wollen“, sagt das Mitglied des Krisenstabs des Wirtschaftsministeriums. Man müsse also schon jetzt deutlich einsparen.

Bundesnetzagentur-Chef: „Alles, was heute einen Kubikmeter Gas spart, ist gut“

Sparen ist das große Stichwort. Es kann einen merklichen Effekt auf den Gasverbrauch haben, ist jedoch auch mit Unannehmlichkeiten für Verbraucher verbunden. „Die Frage, ob man tatsächlich noch siebenmal die Woche warm duschen müsste, mit einer Gasheizung, die müsste man sich dann noch einmal neu stellen“, sagte der Netzagentur-Chef. „Alles, was heute einen Kubikmeter Gas spart, ist gut – das gilt sowohl für private Haushalte als auch für die Industrie“, appellierte Müller an das RTL-Publikum.

Hohe Strompreise

Auch Strom ist in den vergangenen Monaten teurer geworden. Im Haushalt gibt es einige Stromfresser. Einmal identifiziert, bieten sie Eindämmungspotenzial.

„Aus Sicht der Speicherstände muss ich deutlich sagen, jede und jeder ist aufgerufen, auch schon heute dazu beizutragen, Gas zu sparen“, mahnte Müller. Alle Verbraucher sollten beispielsweise prüfen, ob sie für ihre räumlichen Gegebenheiten optimal heizen. Der Diplom-Volkswirt rät dazu, darüber nachzudenken, ob 17, 18 oder 19 Grad Celsius in der Wohnung nicht ausreichten. Kinderzimmer und Räume, in denen pflegebedürftige Menschen leben, ausgenommen.

Gas sparen: Es schont auch den Geldbeutel

Dass diese Forderung viele Menschen erzürnt, ist unter dem Facebook-Post des Videos von RTL abzulesen. Dort sammeln sich Kommentare wie „Der hat sie nicht mehr alle“, „Der hat wohl ein Clown gefrühstückt“ oder „Gut, dass er dies nicht zu entscheiden hat“. Mehrere Nutzerinnen und Nutzer fordern, Politiker sollten mit gutem Beispiel vorangehen. Kommentare, die Müller beipflichten, bleiben keine Seltenheit: „Wir haben schon ’ne Weile die Heizung aus, nur wenn es sehr kalt ist und zum Duschen an. Und über 20 Grad muss eh nicht sein“, schreibt etwa ein User.

Doch wer nicht bereit ist, wegen des Kriegs oder auch aus Klimaschutzgründen zu sparen, dem versucht Müller, es mit einem weiteren Vorteil schmackhaft zu machen: Auch dem eigenen Geldbeutel tut Energiesparen gut. (Ines Alberti)

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