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Neue Booster-Studie aus Israel zur vierten Impfung sehen Experten skeptisch

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Von: Julia Cuprakowa

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Die Omikron-Variante dominiert nicht nur in Deutschland. Impfungen sollen Schutz bieten. Aus Israel kommen erste Studien zur Wirksamkeit der vierten Impfung.

Zwei Jahre schon bestimmt Corona unseren Alltag – derzeit dominiert die Omikron-Variante das Infektionsgeschehen*, wie echo24.de* im aktuellen Corona-Ticker berichtet. Die Impfungen beziehungsweise die Booster-Impfungen gelten weiterhin als der einzige Ausweg aus der Pandemie. Bald sollen sogar angepasste Impfstoffe gegen die Omikron-Mutante verfügbar sein. So erweitert zum Beispiel Valneva die Booster-Studie und testet die Wirksamkeit des Totimpfstoffs* erneut gegen Omikron.

Aber auch mit den vorhandenen Impfstoffen wird bereits in Ländern wie Israel zum vierten Mal geimpft. Doch wie wirksam ist die vierte Impfung und für wen wäre sie sinnvoll? Laut einer neuen Studie aus Israel empfiehlt der israelische Expertenrat eine vierte Impfung gegen das Coronavirus für alle Landesbewohner ab 18 Jahren. Wird sich Deutschland dieser Empfehlung anschließen?

Vierte Impfung? Booster-Studie aus Israel empfiehlt vierte Corona-Impfung für Erwachsene

Laut israelischem Gesundheitsamt gelte die Empfehlung für Erwachsene, die vor mehr als fünf Monaten die Booster-Impfung erhalten haben oder vor diesem Zeitraum genesen seien, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Der Expertenrat, das sogenannte Team zur Epidemiebekämpfung, besteht unter anderem aus Mitarbeitern des Gesundheitsministeriums, Vertretern der Krankenkassen sowie Wissenschaftlern.

„Die Entscheidung wurde angesichts positiver Ergebnisse getroffen, die einen drei- bis fünfmal höheren Schutz gegen schwere Erkrankungen nach der vierten Impfdosis zeigten“, hieß es in der Mitteilung. Der Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus sei bei vierfach Geimpften doppelt so hoch wie bei dreifach Geimpften. Die Empfehlung muss allerdings noch vom Generaldirektor des Gesundheitsministeriums gebilligt werden.

In Israel haben bereits mehr als 600.000 Menschen eine vierte Impfdosis erhalten. Bisher galt die Empfehlung nur für über 60-Jährige, Immungeschwächte und medizinisches Personal.

Vierte Corona-Impfung in Israel: Leiterin der Studie skeptisch – wenig Schutz gegen Omikron

Eher skeptisch hatte sich dagegen die Leiterin einer Studie zur Wirksamkeit der vierten Dosis geäußert. Sie führe zwar zu einem „schönen Anstieg“ der Antikörper, schütze aber nicht ausreichend gegen die inzwischen auch in Israel dominierende Omikron-Variante*, sagte die Professorin Gili Regev vom Schiba-Krankenhaus bei Tel Aviv.

Israel befindet sich nach Einschätzung von Experten auf dem Höhepunkt der Omikron-Welle. Mehr als 580.000 der gut neun Millionen Bürger sind gegenwärtig mit dem Coronavirus infiziert (Stand: 25. Januar). Doch nicht nur die Leiterin der Studie äußert sich skeptisch, was die vierte Corona-Impfung betrifft. Auch deutsche Experten empfehlen bei der vierten Impfung differenzierter vorzugehen als bei den bisherigen.

Vierte Impfung bald auch in Deutschland? Experten mit klarer Meinung

Für Ulrike Potzer, Direktorin des Instituts für Virologie an der Technischen Universität München, ist eine vierte Impfung mit den vorhandenen Impfstoffen nur für bestimmte Gruppen sinnvoll, etwa für immungeschwächte Menschen. „Bei vielen anderen macht es vielleicht mehr Sinn, jetzt erst mal abzuwarten“, erklärte sie auf Anfrage von tagesschau.de dazu.

Diese Meinung teilt auch Leif Eric Sander, Impfstoffforscher an der Berliner Charité. Er empfiehlt bei der vierten Impfung ebenfalls ein differenziertes Vorgehen – auch mit den an Omikron angepassten Impfstoffen*. Von einem angepassten Impfstoff als vierte Impfung würden etwa ältere Menschen profitieren, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben und zudem schwächer auf Impfungen ansprechen. Von einer vierten Impfung für die gesamte Bevölkerung halte er momentan wenig.

Ich glaube, mit drei Impfungen ist man super geschützt.

Leif Eric Sander, Impfstoffforscher an der Berliner Charité

Außerdem kämen wahrscheinlich große Teile der Bevölkerung mit den Viren in Kontakt und würden so automatisch ihre Immunantwort auffrischen. Wenn nicht noch zukünftige Virusvarianten das Pandemiegeschehen verändern, müsse man daher vielleicht nur ältere Menschen regelmäßig nachimpfen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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