Blau auf vier Pfoten

Russlands blaue Straßenhunde: Ihre Fellfarbe stammt von einer furchtbaren Praxis

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Russlands blaue Straßenhunde werden in der Tierklinik von Novgorod auf Krankheiten untersucht.

Bilder von Straßenhunden mit leuchtend blauem Fell geistern durch die sozialen Netzwerke und geben den faszinierten Usern ein Rätsel auf. Handelt es sich bei den in Russland entdeckten Streunern um eine Laune der Natur oder einen Streich durch Menschenhand?

Dserschinsk – Dass Menschen blaue Lippen bekommen können, wenn sie zu lange in kalten Gewässern schwimmen, sich bestimmte Drogen einschmeißen oder unter Durchblutungsstörung leiden, ist bekannt. Von blauen Hunden hat man jedoch bislang kaum etwas gehört. Umso mysteriöser muss der Anblick eines streunenden Hunderudels auf Autofahrer im russischen Dserschinsk (ca. 400 Kilometer von Moskau) gewirkt haben, das ihnen auf einer verschneiten Straße über den Weg lief. Alle sieben von ihnen hatten bunt gefärbtes Fell.

Doch während sich die User im Social-Media-Kosmos mehrheitlich begeistert über das blaue Haarkleid der Hunde äußerten, schrillten bei Tierschützern die Alarmglocken. Sie fingen die Hunde ein, um sie einer gründlichen Untersuchung in der Tierklinik von Nowgorod zu unterziehen.

Dabei stellte sich heraus, dass weder eine Genmutation noch Außerirdische für die blaue Fellfärbung verantwortlich sind, sondern industrieller Umweltfrevel durch eine stillgelegte Plexiglasfabrik im Territorium der Streuner. Es wird vermutet, dass die Hunde auf dem leerstehenden Gelände mit Chemikalien in Kontakt gekommen sind, die ihr Fell blau gefärbt haben. Möglicherweise sind sie dort in Kupfersulfat gefallen, wie die Nachrichtenagentur Ria Nowosti berichtet.

Blaue Straßenhunde in Russland: Sind Umweltprobleme für die Fellfarbe verantwortlich?

Somit könnten die faszinierenden, blauen Hunde ein Hinweis auf ein ernstes Umweltproblem sein, gab der Vorsitzende des russischen Umweltausschusses, Vladimir Burmatow, zu bedenken und ordnete eine Untersuchung des Fabrikgeländes an. Wenige Tage später berichtete ein russisches, lokales Online-Portal von der Sichtung rosafarbener Hunde und veröffentlichte Fotos von Augenzeugen.

Völlig neu ist das Phänomen der bunten Hunde nicht. So sorgten blaue Straßenhunde im indischen Mumbai bereits im Jahr 2017 für Aufsehen - auch sie wurden in einem Industrieviertel entdeckt. Die Hindustians Times, Indiens große englischsprachige Tageszeitung, vermutete als Ursache Industrieabwässer, die in den Fluss Kasadi geleitet wurden.

Bekannt wie ein bunter Hund: Straßenhunde in Dserschinsk sorgen mit ihrem Gletscher-blauen Fell für Aufsehen. 

Inzwischen gab die Nachrichtenagentur Ria Nowosti via Twitter Entwarnung. Die blauen Streuner von Dserschinsk seien völlig gesund, man habe bei ihnen keinerlei auffällige Werte im Blut oder Giftstoffe im blauen Fell feststellen können. Ob man dieser Aussage glauben kann, bleibt fraglich. Das gilt auch für die Behauptung, dass zwei von ihnen schon ein liebevolles, neues Zuhause gefunden haben sollen. Auf Twitter und Instagram erklärten zahlreiche Nutzer, unbedingt einen der blauen Hunde haben zu wollen. Solange die Industrieunternehmen weiterhin ungestraft umweltschädigend agieren können, stehen ihren Chancen auf einen bunten Wuffi tatsächlich gut.

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