„Gedächtnis unserer Zivilisation“ errichtet

300 Meter unter der Erde: In dieser Mine lagern alle Errungenschaften der Menschheit

In einer von Eis überzogenen Landschaft ist eine hoher silberner Eingang. Vor der Tür ist eine kleine Metallbrücke.
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300 Meter unter der Erde: Bei minus 200 Grad lagern hier die wichtigsten Errungenschaften der Menschheit

Bei minus 200 Grad und 300 Meter unter der Erde lagern die wichtigsten Werke der Menschheit. Alle gesammelt an einem Ort. Was hat es mit dem „Gedächtnis der Menschheit" auf sich?

  • Eine ehemalige Mine versteckt die wichtigste Errungenschaften unserer Welt.
  • Die Daten müssen minus 200 Grad standhalten.
  • Die wichtigsten Institutionen verstecken dort ihre Schätze.

Longyearbyen - Was haben Siemens, der Vatikan und die Band „The Prodigy“ gemeinsam? Alle drei haben Dokumente in einer Mine 300 Meter unter der Erde. Dort sollen die Texte, Fotografien und digitalen Daten bis zu 1000 Jahre lagern und alle Katastrophen überstehen. Das Arctic World Archive soll eine Art Gedächtnis unserer modernen Zivilisation darstellen und die nächsten Jahrhunderte überleben. Katrine Loen, die das Archiv mitbetreut, betont: „Das Arctic World Archive akzeptiert nur Depositen, die einen Nutzen für die künftigen Generationen darstellen - oder, die für eine Organisation von besonderer Bedeutung sind.“

Das Gedächtnis der Menschheit: In dieser Mine lagern die wichtigsten Schätze

Longyearbyen liegt im hohen Norden auf der norwegischen Insel Spitzbergen. Knapp 2100 Menschen wohnen und arbeiten in der kleinen Küstenstadt. Früher war der kleine Ort bekannt für den Kohleabbau, heute sitzen hier das norwegische Polarinstitut, eine Satelliten-Station und verschiedene Forschungsinitiativen. Berühmtheit erlangte Spitzbergen und insbesondere Longyearbyen 2007 durch die Einrichtung „Svalbard Global Seed Vault“. Im Falle einer Katastrophe lagern in einem Bunkerbau die wichtigsten Nutzpflanzen der Menschheit: Neben Reis, Weizen und Kartoffeln findet sich in der Einrichtung das wichtigste Saatgut aus aller Welt.

Spitzbergen: Das Archiv der Menschheit - Das hinterlassen wir für die Nachwelt

2017 hat sich das Arctic World Archive ebenfalls in Spitzbergen niedergelassen, nur eineinhalb Kilometer von dem Bunker entfernt. Katrine Loen erzählt: „In der Vergangenheit wurde auf Spitzbergen in großem Maßstab Kohle abgebaut. Es gibt daher mehrere Bergwerke, die heute stillgelegt und nicht mehr in Betrieb sind.“ Eines davon beheimatet jetzt die wichtigsten kulturellen Schätze der Menschheit. Hier finden sich Aufnahmen von Kunstwerken wie „Der Schrei“, die 500 wichtigsten Manuskripte des Vatikans, oder die Kopie einer Gutenberg-Bibel. Auch Filmklassiker wie „Fahrraddiebe“ oder „Das Wunder von Mailand“ sind dort hinterlegt. Die Band „The Prodigy" hat ebenfalls die Ehre, dort eines ihrer Alben für die Nachwelt aufbewahrt zu haben.

In der Mine finden sich aber nicht nur kulturelle Schätze - das Archiv lagert außerdem die Quelltexte der 6000 wichtigsten Software-Programme, darunter Linux, MS-DOS, Programmiersprachen und KI-Frameworks. Insgesamt kommen die Daten auf rund 21 Terabyte Speicherplatz.

Alle Errungenschaften der Menschheit in einer Mine: So sollen sie 1000 Jahre überstehen

Die Mine liegt 300 Meter unter der Erde und es herrschen Temperaturen von minus 200 Grad. „Viele Speichermedien, die auf Langzeitspeicherung ausgelegt sind, zum Beispiel optische Platten oder Bänder, können nur wenige Jahre, bestenfalls ein oder zwei Jahrzehnte überstehen“, sagt Katrine Loen. Daher speichert das Archiv alles auf speziell entwickelten analogen 35mm-Fotofilmen. Die Filmstreifen der Firma Piql halten mindestens 500 Jahre, selbst unter Extrembedingungen. Unter Idealbedingungen sogar 1000 Jahre oder mehr. Bleibt zu hoffen, dass der Inhalt der Mine nicht allzu bald benötigt wird.

Sorgen bereiten könnte dem Archiv das aktuelle Klima in der Arktis, die nicht weit von Spitzbergen entfernt ist. Auch das Nachbarland Grönland hat aktuellen mit den steigenden Temperaturen zu kämpfen: Das ewige Eis ist akut in Gefahr.

tko

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