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Studie: Schon ein Glas Alkohol am Tag kann gravierende Folgen haben

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Von: Sandra Kathe

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Forschende aus den USA und Europa haben untersucht, was mit dem Gehirn eines Menschen passiert, der über einen festen Zeitraum täglich Alkohol konsumiert.

Madison – Schon der tägliche Konsum von einem Glas Alkohol täglich kann sich negativ auf Leistung und Entwicklung des menschlichen Gehirns auswirken. Das hat eine Studie ergeben, bei der Forschende aus den USA* und Europa gemeinsam Daten der UK Biobank – einer riesigen Langzeitstudie aus Großbritannien* – ausgewertet haben. Das Forschungsergebnis wurde Anfang März in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift Nature veröffentlicht.

Den Studienergebnissen zufolge altert das Gehirn von Menschen, die täglich ein Glas Bier oder Wein trinken, schneller als das jener Studienteilnehmer, die weniger oder gar nicht trinken. So entspräche ein Pint-Glas (circa ein halber Liter) Bier oder 175 Milliliter Wein je zwei Alkoholeinheiten. Unter einer Alkoholeinheit verstehen die Forschenden ein Getränk, das 8 Gramm reinen Alkohol enthält.

Studie: Regelmäßiger Konsum kleiner Mengen Alkohol lässt womöglich Gehirn schneller altern

Vergleicht man die Durchschnittsergebnisse von Probandinnen und Probanden, die täglich zwei Alkoholeinheiten trinken, mit jenen, die etwa die Hälfte konsumieren, ließe sich feststellen, dass das Gehirn im Schnitt um etwa zwei Jahre schneller altert. Bei Menschen, die drei Alkoholeinheiten täglich konsumierten seien es dreieinhalb Jahre. Diese Entwicklung gehe darauf zurück, dass beim täglichen Alkoholkonsum sowohl Graue als auch Weiße Substanz im menschlichen Zentralnervensystem verloren ginge.

Bereits ein Glas Alkohol täglich über einen längeren Zeitraum, kann dafür sorgen, dass das Gehirn schneller altert.
Bereits ein Glas Alkohol täglich über einen längeren Zeitraum, kann dafür sorgen, dass das Gehirn schneller altert. (Symbolfoto) © Robert Michael/dpa

Laut den Autorinnen und Autoren der Studie sei die schädliche Wirkung von Alkohol* im Falle von stärkerem Alkoholkonsum bereits intensiv erforscht, etwa im Hinblick auf medizinische Phänomene wie Hirnschwund (Hirnatrophie), das Absterben von Nervenzellen oder der Schwächung der so genannten Weißen Substanz. Weitaus weniger erforscht sei, was bei regelmäßigem Konsum kleiner Mengen Alkohol geschehe.

Folgen von Alkohol: Forschung beruht auf Gehirnscans aus britischer Datenbank

Für ihre Untersuchung haben die Forschenden unter der Leitung von Marketing-Professor Remi Daviet von der University of Madison-Wisconsin Bilddaten von 36.678 größtenteils gesunden Menschen mittleren und höheren Alters aus der umfangreichen UK Biobank ausgewertet und festgestellt, dass die Schäden mit zunehmender Menge Alkohol stärker würden.

Diese entwickelten sich jedoch nicht linear, sondern abhängig von der getrunkenen Menge Alkohol. So stellten die Forschenden im Schnitt bei jenen Patientinnen und Patienten, die vier Einheiten am Tag konsumierten, eine Alterung des Gehirns von zehn Jahren fest.

Gehirnschäden durch regelmäßigen Alkohol-Konsum: Keine Voreiligen Schlüsse ziehen

Finale Klarheit über die Schäden durch regelmäßigen Alkoholkonsum biete die Studie dennoch nicht, sagte die Alkoholforscherin Emmanuela Gakidou von der University of Washington gegenüber dem Fernsehsender CNN. Das begründet sie unter anderem mit der Tatsache, dass diese „nur auf Informationen zu den Trinkgewohnheiten im Jahr vor Anfertigung des verwendeten Gehirnscans“ beruhe.

Deshalb seien die Studienergebnisse mit Vorsicht zu interpretieren: „Der Zusammenhang zwischen Alkohol und Gesundheit ist komplex und unser Verständnis des Zusammenspiels der beiden entwickelt sich mit der Zeit. Deshalb würde ich aus der Studie noch keine definitiven Schlüsse ziehen. Fest steht jedoch, dass die Autorinnen und Autoren Bereiche identifiziert haben, in denen es spannend ist, detaillierter weiterzuforschen.“ (ska) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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