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So klappt es, im neuen Jahr netter zu sein

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Netter sein ist ein sehr guter Vorsatz
Wer anderen gegenüber freundlicher ist, tut auch etwas fürs eigene Wohlbefinden. © Christin Klose/dpa-tmn

Das Jahr ist ein paar Tage alt und die ersten Vorsätze sind vermutlich schon gebrochen. Zeit also für eine Alternative: Wie wäre es damit, netter zu sein? Das tut auch der eigenen Seele gut.

Herford - Es klingt einfacher, als es ist. Denn um dauerhaft netter gegenüber seinen Mitmenschen zu sein, muss man sich selbst gut kennen. Nur dann gelingt es, sich rechtzeitig zu zügeln - und sich davor zu bewahren, barsch und ungerecht zu sein.

Die Psychologin Kamila Skolik hat ganz konkrete Tipps, wie das gelingt. Und sie rät auch, weniger streng mit sich selbst zu sein.

Frau Skolik, halten Sie es für einen guten Neujahrsvorsatz, netter zu seinen Mitmenschen sein zu wollen?

Ja, ich finde das ist ein sehr guter Vorsatz. Man sollte nicht nur netter zu seinen Mitmenschen sein, sondern auch ein Stück weit zu sich selbst. In dem Sinne, dass man weniger streng zu sich ist.

Eine gute Übung dafür ist, sich vor dem Zubettgehen am Abend nochmal vor Augen zu führen, wie man durch den Tag gekommen ist und was man alles geschafft hat. Das darf man ruhig mal laut aussprechen und sich dabei auch vor den Spiegel stellen. So kann man sich dabei zuschauen, wie man sagt: „Ich bin gut, wie ich bin. Und was ich heute geschafft habe, war voll in Ordnung.“

Kamila Skolik ist Psychologin und Psychoonkologin und Mitglied im Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen.

Kamila Skolik

Noch einmal zu den anderen Menschen. Wenn man merkt, dass man wohl gleich aufbrausend und ungerecht wird - gibt es eine Strategie, wie man sich noch zügeln kann?

Das ist eine gute Frage. Dahinter können ja Wut, Frust, Trauer und andere Gefühle stecken. Wer einmal in so einem Gefühl drin ist, findet schwer heraus. Deshalb ist es wichtig, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Sind es bestimmte Menschen oder Situationen - wann gerate ich in Anspannung? Je besser ich mich kenne, desto besser kann ich gegensteuern, damit es gar nicht erst zur Explosion kommt.

Womöglich hilft es, die belastende Situation zu verlassen und zum Beispiel kurz in einen anderen Raum zu gehen. Atemübungen sind ein weiterer Ansatz. Was ebenfalls gut sein kann: Schöne Bilder parat haben, die man mit etwas Angenehmen verbindet - etwa auf dem Smartphone. Gerade am Anfang macht es Sinn, dass man sie sieht. Ist man irgendwann besser geübt, kann man sich die Bilder auch im Kopf vorstellen.

Bringt es auch etwas für das eigene Wohlbefinden, wenn man anderen gegenüber freundlicher ist? Nach dem Motto: Geht es Dir besser, geht es auch mir besser.

Definitiv, denn man bekommt automatisch eine Reaktion. Das muss nicht mal unbedingt ein „Danke“ sein. Es kann auch nur ein Blick sein, der sich gut anfühlt oder ein Lächeln.

Am Ende des Tages, bei der Reflexion vor dem Zubettgehen, kommt das auch auf das Guthaben-Konto: „Ich habe heute ihm und ihr etwas Nettes gesagt oder hier und dort anderen mal die Tür aufgehalten.“ Nett zu sein, das macht etwas mit dem Selbstwertgefühl und ist auch insofern gut fürs eigene Wohlbefinden. dpa

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