Herrenlose Koffer

Ist es strafbar, sein Gepäck an Bahnhof & Co. unbeaufsichtigt zu lassen?

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Verlassenes Gepäck, wie hier an einem Bahnhof, ruft nicht selten die Polizei auf den Plan.

Es passiert immer wieder: Verlassene Gepäckstücke an Bahnhöfen oder Flughäfen sorgen für Unruhe, oft kommt die Polizei zum Einsatz. Ist das "Vergessen" von Koffern strafbar?

Nicht zuletzt die steigende Angst vor Terroranschlägen in den vergangenen Jahre führte dazu, dass Gepäckstücke, die an Flughäfen oder Bahnhöfen als herrenlos eingeschätzt wurden, genau unter die Lupe genommen wurden. Nicht selten kam auch die Polizei zum Einsatz. Doch wer zahlt diesen eigentlich?

An Flughäfen und Bahnhöfen: Erhöhte Alarmbereitschaft durch verlassene Gepäckstücke

Obwohl sich meist herausstellt, dass das Gepäck von einem überforderten oder schusseligen Reisenden stehen gelassen wurde, löst verlassenes Gepäck oft erhöhte Alarmbereitschaft aus. Nicht zuletzt auch deswegen, weil an Flughäfen und Bahnhöfen entsprechende Durchsagen dazu auffordern, in derartigen Situationen besonders wachsam zu sein. "Sicherheitshinweis: Bitte lassen Sie Ihr Gepäck nicht unbeaufsichtigt", heißt es dann in der Ansage. Und das nicht zu Unrecht.

Die erhöhten Sicherheitsmaßnahmen im Hinblick auf herrenlose Koffer sind auf die Angst vor Terror zurückzuführen und in diesem Zusammenhang auch eine sinnvolle Reaktion darauf. Doch oftmals führen Situationen zu Großeinsätzen, bei denen sich im Nachhinein zeigt, dass nicht im Mindesten Gefahr in Verzug war. Oft wurden Koffer unabsichtlich vergessen - oder jemand wollte sich sogar einen schlechten Scherz erlauben.

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Großeinsätze aufgrund von verdächtigem Gepäck können teuer werden

Situationen, bei denen ganze Bereiche eines Flughafen oder Bahnhofs abgeriegelt werden, weil ein allein herumstehende Gepäckstück gesichtet und als verdächtig eingestuft wurde, sind sehr kostspielig. Denn nicht selten kommen dabei mehrere Polizeikräfte, Einsatzfahrzeuge und sogar Sprengstoffhunde zum Einsatz. Nicht ohne Grund findet sich auf der Seite der Bundespolizei der Sicherheitshinweis, Gepäck an Flughäfen niemals ohne Aufsicht herumstehen zu lassen und stets darauf zu achten.

Wie teuer wird es, wenn Reisende einen Koffer alleine lassen und dies zu einem Polizeieinsatz führt?

Nehmen wir folgendes Beispiel: Ein Mann kauft sich am Bahnhof ein Ticket und stellt derweil seinen Koffer neben sich ab. Er bemerkt plötzlich, dass er sich beeilen muss, sonst würde er den Zug verpassen – und rennt los. Dabei vergisst er in der Eile seinen Koffer, doch da sitzt er schon im fahrenden Zug. Die nächste Haltestelle ist noch recht weit weg und bis er ein Telefon auftreibt, das Empfang hat, dauert es eine ganze Weile. Mittlerweile hat ein anderer Passagier den Koffer als Gefahr eingestuft und die Polizei alarmiert. Der Kofferbesitzer kann erst, nachdem ein Polizeieinsatz ausgelöst wurde, Bescheid geben, dass er seinen Koffer am Bahnhof vergessen hat.

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In diesem Fall wäre das Zurücklassen des Koffers keine Absicht. Daher muss der Gepäckbesitzer auch keine Konsequenzen fürchten, wie Nils Matthiesen, Sprecher der Bremer Polizei, weiß. Auch derjenige, der den Notruf ausgelöst hat, bleibt ungestraft. Gegenüber dem Weser Kurier erklärte Matthiesen: Es sei denn, ein Missbrauch von Notrufen liege nachweislich vor.

Das bedeutet konkret: Wer einen Notfall, eine Straftat oder eine Gefahr wissentlich vortäuscht, der muss mit einer Strafe rechnen. Das könne dann schnell mal teuer werden und je nach Dauer und Zahl der eingesetzten Polizeikräfte mehrere tausend Euro kosten. Wurde die Polizei in die Irre geführt, muss also derjenige, der dafür verantwortlich ist, die Kosten für den Einsatz tragen.

Zurück zum Besitzer des Koffers aus unserem Beispiel: Bevor er reagiert, wird sein Koffer am Bahnhof, nach sicherer Abriegelung der Umgebung, notgesprengt. Dabei wird ein nahestehender Zug beschädigt. Diese Kosten können dann wiederum auf den Besitzer des Koffers zurückfallen, wie eine Sprecherin der Bundespolizei gegenüber dem Weser Kurier berichtete.

Wer also auf seinen Koffer achtet und ihn nicht aus den Augen lässt, ist in jedem Fall auf der sicheren Seite. So vermeiden Sie es, hohe Geldbeträge zahlen zu müssen. Zudem wird auch Ihren Mitmenschen das Leben erleichtert, da es nicht zu erheblichen Verspätungen und Absperrungen kommt. Zumindest nicht wegen Ihnen.

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sca

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