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Vorstellungsgespräch: Darf ich lügen, wenn ich nach meinem aktuellen Gehalt gefragt werde?

Die Frage nach dem aktuellen oder letzten Gehalt verunsichert viele Bewerber. Darf man in diesem Fall lügen?
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Die Frage nach dem aktuellen oder letzten Gehalt verunsichert viele Bewerber. Darf man in diesem Fall lügen?

Die Frage nach dem aktuellen Gehalt ist im Vorstellungsgespräch meist verboten – bis auf eine Ausnahme. Darf ich dann trotzdem lügen? Ein Experte weiß die Antwort.

Unangenehme Fragen im Vorstellungsgespräch sorgen bei Bewerbern schnell für Bluthochdruck. Viele dieser Bewerbungsfragen sind sogar explizit verboten, wie die Frage nach dem Kinderwunsch oder nach chronischen Krankheiten*. Doch wie sieht es aus, wenn der Interviewpartner nach dem aktuellen Gehalt fragt? Ist diese Frage überhaupt erlaubt – und darf ich dabei lügen?

Frage nach dem letzten Gehalt in bestimmten Fällen zulässig

Tatsächlich darf der Arbeitgeber den Bewerber im Vorstellungsgespräch nur in einem Fall nach dem aktuellen oder letzten Gehalt fragen – wenn er ein besonderes Interesse an der Beantwortung hat, etwa weil das Gehalt Rückschlüsse auf die Arbeit zulässt. “Dies ist zum Beispiel bei einer erhaltenen Provision oder bei einer variablen Vergütung bei einem Sales-Mitarbeiter der Fall”, erklärt Florian Kessenich, Anwalt für Arbeitsrecht, im Interview mit dem GQ-Magazin. In diesem Fall müssen Sie die Frage im Vorstellungsgespräch ehrlich beantworten.

Dasselbe gilt übrigens auch, wenn Sie von sich aus Ihre aktuelle Vergütung ansprechen, um etwa auf Grundlage dessen Ihr neues Gehalt zu verhandeln. Wer hier lügt, der schadet sich selbst und muss auch Monate später noch mit ernsten Konsequenzen rechnen.

Auch interessant: Bewerbungsgespräch: Mit dieser klugen Frage entlarven Sie schlechte Chefs.

Das passiert, wenn die Lüge auffliegt

Wenn Sie den Job bekommen und Ihre kleine Lüge fliegt auf, sitzen Sie mächtig in der Klemme: “Der Arbeitgeber kann dann den zustande gekommenen Arbeitsvertrag anfechten oder das Arbeitsverhältnis kündigen”, warnt der Rechtsanwalt. Denn wer auf eine berechtigte Bewerbungsfrage lügt, der begeht nach § 123 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) möglicherweise eine arglistige Täuschung.

Doch selbst wenn die Frage nach dem aktuellen Gehalt unberechtigt war, hinterlassen Lügen im Vorstellungsgespräch einen schlechten Eindruck beim Chef. Bewerber sollten dabei nicht vergessen, dass sie in der Probezeit jederzeit – ohne Angabe von Gründen – gekündigt werden können.

So reagieren Sie auf die Frage nach dem aktuellen Gehalt

Egal, ob die Frage nach dem letzten Gehalt berechtigt oder unberechtigt war – lügen sollten Sie jedenfalls nicht. Wenn Ihnen die Frage unangenehm aufstößt, weil die Entlohnung Ihrem Empfinden nach zu gering ausgefallen ist, dann sollten Sie die Bewerbungsfrage lieber umschiffen. Das raten auch die Experten des Personaldienstleisters Robert Half. Legen Sie sich dafür am besten schon vor dem Bewerbungsgespräch eine passende Antwort zurecht. Zum Beispiel diese:

„Ich habe mit meinem Arbeitgeber Verschwiegenheit über mein Gehalt vereinbart.“

Das versteht jeder Personaler und Sie beweisen dadurch auch noch Ihre Loyalität.

Ebenfalls eine gute Antwort: „Mein Gehalt liegt im üblichen Rahmen.“

Lässt Ihr Gesprächspartner im Jobinterview nicht locker und will eine konkrete Zahl hören, dann empfehlen Experten beim Jahresgehalt die Benefits wie Bonuszahlungen, Diensthandy oder ähnlichem einzuberechnen. So lügen Sie nicht, aber das wahre Gehalt auf Ihrer Lohnabrechnung bleibt trotzdem geheim. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Zentral-Redaktionsnetzwerks.

Video: In diesen Berufen verdient man am meisten

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Mit dieser Körpersprache geht das Bewerbungsgespräch schief

Im Vorstellungsgespräch die Arme verschränken wirkt auf den Gesprächspartner abweisend. Diese Körperhaltung sollten Sie unbedingt vermeiden.
Halten Sie Blickkontakt mit Ihrem Gegenüber: Kein Blickkontakt wirkt unsicher oder noch schlimmer desinteressiert. Auch verschämt wegschauen macht keinen guten Eindruck.
Die Denkerpose: Wahrscheinlich wollen Bewerber mit dieser Körperhaltung zeigen, dass sie sich Gedanken über den Job oder die Fragen des Personalers machen. Oftmals nimmt man so eine Haltung auch automatisch ein. Doch meist wirkt diese Pose gestellt - lassen Sie es also lieber bleiben.
Sie kennen das selber: Wenn Sie jemand höflich anlächelt, vermittelt Ihnen das eine positive Stimmung. Vermeiden Sie es also, das ganze Gespräch über ernst zu schauen. Doch übertreiben Sie es auch nicht mit dem Lächeln, das könnte künstlich oder unpassend wirken.
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