Frustrierte Zusteller

Darum klingeln Paketboten von DHL, Hermes & Co. immer seltener

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Paketboten von DHL, Hermes, UPS und Co. haben einen stressigen Job. 

Die Deutschen kaufen immer häufiger im Internet ein. Doch die Leidtragenden sind die Paketboten - ihr Job wird immer härter und der Druck immer größer.

Internetforen und soziale Medien sind voll mit Beschwerden unzufriedener Paketkunden: "Der Paketbote hat nicht geklingelt" oder "Das Paket wurde gleich in die nächste Filiale gebracht, obwohl wir zuhause waren", heißt es da etwa. Oft fehlt sogar die Benachrichtigungskarte dafür - und die Kunden wundern sich, wo wohl ihr Paket abgeblieben ist. 

Sendungsvolumen von Paketen steigt immer rasanter

Dass Paketboten immer seltener klingeln, hat einen traurigen Grund: Allein in den letzten fünf Jahren ist das Sendungsvolumen für Pakete und Co. um etwa ein Drittel gestiegen - von 2,66 Milliarden im Jahr 2013 auf 3,53 Milliarden, die für 2018 erwartet werden. Das ergab die aktuelle KEP-Studie des Bundesverband Paket und Expresslogistik. Bis 2022 erwartet der Verband sogar 4,3 Milliarden Sendungen im Jahr. Doch die Infrastruktur hinkt offensichtlich hinterher. 

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Paketboten von DHL, Hermes & Co. müssen 20 Pakete pro Stunde ausliefern

So kommt es, das Paketboten während ihrer Arbeitszeit immer mehr Sendungen ausliefern - und das nach strengen Vorgaben. Laut bild.de (kostenpflichtiger Inhalt) müssen Paketboten 20 Pakete pro Stunde zustellen. Da bleiben lediglich drei Minuten Zeit, um zum Haus zu fahren, auszusteigen, das Paket im Zustellfahrzeug zu suchen, zu klingeln und das Paket womöglich noch in den 5. Stock ohne Aufzug zu bringen. Viele schaffen die Vorgaben scheinbar nur, wenn sie die Pakete gar nicht erst zum Kunden liefern, sondern gesammelt in die nächste Filiale bringen. (Manchmal liegt es aber auch am Kunden, wie dieser Fahrer erzählt.)

Besonders schlimm wird der Stress es zur Weihnachtszeit, wenn viele die Geschenke für ihre Lieben nach Hause liefern lassen. Dann können es statt 100 bis 130 Päckchen am Tag schon einmal 220 bis 250 Pakete werden, wie ein Paketbote berichtete.

Krankheitstage von Paketboten überdurschnittlich hoch

Hinzu kommt die körperliche Belastung durch schwere Pakete und - gerade im Winter - der ständige Wechsel zwischen warm und kalt. Die harten Arbeitsbedingungen wirken sich über kurz oder lang auch auf die Gesundheit der Mitarbeiter von DHL, Hermes, DPD und Co. aus. So soll jeder Paketboten im Jahr durchschnittlich auf 26,5 Krankheitstage kommen - rund neun Krankheitstage mehr als der Durchschnitt aller Berufstätigen (17,4). 

Gehalt: So viel verdienen Paketboten von DHL, Hermes & Co.

Für ihren stressigen Job werden die Paket-Fahrer oft nicht einmal anständig entlohnt: Laut bild.de verdienen die Boten bei DPD, GLS und Hermes lediglich etwas mehr als der Mindestlohn, der sich aktuell auf 8,84 beläuft. Das liege daran, dass die Fahrer hier für Subunternehmer arbeiten, welche die Auslieferung übernehmen - und das wiederum selbstständig, als "Sub-Subunternehmer". 

Tarifverträge gelten für diese Fahrer nicht, auch keine gesetzlichen Arbeitszeiten. "Über Personalvermittlungsfirmen wird inzwischen verstärkt mit Beschäftigten aus Osteuropa gearbeitet. Sie kennen ihre Rechte nicht oder fordern diese aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes nicht ein", meint Sigrun Rauch von der Gewerkschaft Verdi gegenüber bild.de. 

Besser sieht es bei DHL und UPS aus: Hier sollen Fahrer nach Tarif entlohnt werden -  zwischen 12 und 14 Euro die Stunde. 

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Von Andrea Stettner

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