Jedes noch so kleine Zittern abklären lassen

Parkinson erkennen: Schwingt ein Arm beim Gehen weniger mit?

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Auffällig: Zittern ist ein typisches Symptom der Parkinson-Erkrankung - es ist aber natürlich nicht das einzige.

Es ist eine der häufigstem Erkrankungen unseres Nervensystems: Parkinson. Doch woran merkt man, dass man betroffen ist?

Wer unter 40 Jahre alt ist, hat gute Chancen, nicht erkrankt zu sein. Denn bei den meisten Betroffenen bricht Parkinson zwischen dem 50. und 80. Lebensjahr aus.

Was ist die Ursache für Parkinson? 

Rund 250.000 Menschen sind allein in Deutschland von Parkinson betroffen. Bei der Schüttellähmung kommt es zu einem vorzeitigen, vermehrten Verlust von Nervenzellen im Gehirn. Besonders betroffen sind jene, die den lebenswichtigen Botenstoff Dopamin nicht in ausreichender Menge produzieren. Der Mangel hat Folgen: Alltägliche Fähigkeiten wie das Gehen, die Feinmotorik und Sprechen werden am Ende oftmals stark beeinträchtigt. Wer an Parkinson leidet, der hat das Problem, dass die Nervenzellen absterben, die das Dopamin herstellen. Warum es zu diesem Absterben kommt, ist bis heute nicht eindeutig geklärt.

Wie sind die ersten Anzeichen von Parkinson?

Zu den Betroffenen zählt Vera Borchers von der Parkinson Selbsthilfegruppe Kassel. Erste Anzeichen tauchten 1995 auf. Es handelt sich um Symptome, die oft für Ärzte zu Beginn schwer zuzuordnen sind, weil sie auch im Zusammenhang mit anderen Krankheiten auftreten: 

  • Depressionen 
  • Rückenschmerzen
  • Magenbeschwerden
  • Schlafstörungen
  • Parkinson: Typische Symptome neben dem Zittern
  • verlangsamte Bewegung
  • Gang- und Gleichgewichtsstörungen 
  • Muskelversteifung
  • Beeinträchtigt sind auch das Gedächtnis, Sprechen und Schlucken, Mimik und Gestik

Das Zittern - als typisches Parkinson-Symptom - begann bei Vera Borchers erst 2011. „Heute denke ich, dass dies die Vorboten waren“, erzählt sie im Hermann-Schafft-Saal in Kassel. Die Bewegungsstörung Morbus Parkinson war dort Thema bei „Gesundheit im Gespräch“.

Zu Gast war auch Prof. Dr. Claudia Trenkwalder, Chefärztin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel. Sie sagt: „Parkinson ist eine häufige Erkrankung des Alters und zählt zu den häufigsten Erkrankungen des Nervensystems weltweit.“

Prof. Dr. Claudia Trenkwalder

  

Erstes Anzeichen für Parkinson kann laut Trenkwalder sein, dassein Arm beim Gehen weniger mitschwingt als normal. „Die Früherkennung von Parkinson ist wichtig für die Behandlung“, sagt die Neurologin. Sie rät: „Auch jedes noch so kleine Zittern sollte an Parkinson denken lassen und abgeklärt werden.“

Parkinson und der Geruchssinn

Zu den Frühsymptomen zählen Riech- und Schlafstörungen. Bei sehr vielen Patienten verschlechtere sich der Geruchssinn lange vor Einsetzen der Bewegungsstörungen. Laut eines Berichtes der August-Bier-Klinik südöstlich von Kiel (Schleswig-Holstein) tritt ein verschlechterter Geruchssinn bei vielen Patienten schon Jahre vorm Ausbruch der Krankheit auf. In der Patienten-Aufklärung der Klinik für Neurologie und Rehabilitation heißt es : "Insbesondere die Geruchswahrnehmung für das Pizza-Gewürzes Oregano ist eingeschränkt, so dass bei Verdacht auf Vorliegen einer Parkinson-Erkrankung ein Geruchstest mit Oregano einen wichtigen diagnostischen Hinweis liefern kann."

Sogenannte REM-Schlafstörungen träten bis zu 15 Jahre vor dem ersten Zittern auf. Typisch seien lautes Reden, Schreien, Treten und Schlagen in der Traumschlafphase.

Parkinson ist behandelbar, jedoch nicht heilbar. „Die Diagnostik ist wichtig. Sie setzt sich wie ein Mosaik aus verschiedenen Bausteinen zusammen.“, sagt Michael Fischer, Facharzt für Neurologie in Kassel. Ein Test, der sogenannte L-Dopa-Test, gibt Aufschluss über den Dopamingehalt. Weitere diagnostische Verfahren sind Kernspintomografie, Computertomografie und Ultraschall, um Veränderungen im Gehirn aufzuspüren, sowie ein Riechtest.

Wie kann man Parkinson behandeln?

Ein wichtiger Therapiebaustein ist der Einsatz von dopaminhaltigen Medikamenten. Nicht zu viel, nicht zu wenig lautet die Prämisse. Deshalb ist die korrekte Einnahme wichtig. Hauptwechselwirkungen gibt es laut Michael Höckel, Leiter der Zentralapotheke am Klinikum Kassel, mit Nahrungsmitteln - vor allem eiweißhaltigen. Auch Antibiotika, Johanniskraut oder Medikamente gegen grippale Infekte könnten die Wirkung maßgeblich beeinträchtigen.

„Man muss das Medikament mit ausreichend Abstand zu den Mahlzeiten einnehmen und trotzdem die Einnahmeintervalle einhalten. Das kann sehr komplex werden“, sagt Höckel. 

Parkinson vor 200 Jahren entdeckt

Vor 200 Jahren wurde Morbus Parkinson erstmals von dem britischen Mediziner namens James Parkinson beschrieben. Eine eindeutige Ursache für die Schüttelkrankheit ist bis heute nicht gefunden. Man geht davon aus, dass mehrere Ursachen zusammen der Krankheitsauslöser sein können - etwa erbliche Faktoren, eine verstärkte Belastung mit Umweltgiften, Diabetes, Herzkreislauf-Erkrankungen oder chronische Entzündungen. Parkinson ist jedoch nicht ausschließlich eine Erkrankung des Alters. „Auch jüngere Menschen um das 50. Lebensjahr können betroffen sein“, sagt Prof. Dr. Claudia Trenkwalder, Chefärztin der Paracelsus-Elena-Klinik. 

Markus Maria Profitlich hat Parkinson

Der Star aus Sendungen wie „Mensch Markus“ gab im Frühling 2018 bekannt, dass er an Parkinson erkrankt ist. Damals verkündete er auch, sein neues Soloprogramm vorzubereiten. Der Komiker entschied sich nach eigenen Angaben, von Beginn an "offen damit umzugehen". Hier gibt es mehr Infos: Schlimme Diagnose für Markus Maria Profitlich: „Will Erkrankung nicht verbergen“

Markus Maria Profitlich hat Parkinson: Im November 2018 war der Comedian zu Gast im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Das Bild entstand in Ellis Saal.

Ein international bekanntes Opfer der Erkrankung ist Michale J. Fox. Der Schauspieler, der aus Kanada stammt, lebt schon seit vielen Jahrzehnten mit der Diagnose. Im Jahr 1991 bekam er die Diagnose. Fox war zu diesem Zeitpunkt gerade 30 Jahre alt - also ein ungewöhnlicher Parkinson-Fall. Etwa sieben Jahre lang verheimlichte Fox die Krankheit, dann ging er an die Öffentlichkeit. Mehr zu diesem Fall erfahren Sie in folgendem Artikel: Michael J. Fox: Mein Leben ist nicht von Parkinson bestimmt

Quelle: HNA

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