Risiken steigen besonders in Nähe von Gewässern

Aufgekratzter Mückenstich: Blutvergiftung kann Folge sein

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Lästiger Blutsauger mit winzigem Stechapparat: Die Stiche sind meist harmlos, können aber auch zu einer echten gesundheitlichen Gefahr werden. Wer einen Stich aufkratzt, riskiert sogar eine Blutvergiftung (Sepsis).

Eigentlich sind Mückenstiche relativ harmlos. Doch wenn man sie aufkratzt, kann das fatale Folgen haben. Wie man sich schützt, erklärt unser Experte im Interview.

Sie können einem den schönsten Sommerabend im Urlaub vermiesen: Mücken. Wer in den Sommerferien wegfährt, muss sich in feuchteren Gebieten vor Mückenstichen schützen. Im Urlaub kann das vor allem auch für Menschen mit allergischen Überreaktionen bedrohlich werden.

Wie man den Stichen der lästigen Plagegeister aus dem Weg geht und was nach einem Stich beachtet werden sollte, erklärt Dr. Markus Schimmelpfennig vom Gesundheitsamt der Region Kassel.

Was passiert eigentlich, wenn man von einer Mücke gestochen wird?

Dr. Markus Schimmelpfennig: Zunächst einmal sind Mücken höchstspannende Lebewesen. Sie gehören zu den blutsaugenden Insekten und es nötigt uns Respekt vor der Natur ab, wie viele Eigenschaften sich in diesen kleinen Tieren sammeln. Ein Stechapparat mit Mehrwegnutzung, ein Blutgerinnungshemmer, örtliche Betäubung sowie Wärme- und Geruchssensoren sind auf Miniformat vereinigt. Die Blutmenge, die eine Mücke dem Menschen „abzapft“, ist unproblematisch. Das Problem ist der Mehrwegstechapparat, der allergische Reaktionen wie Juckreiz, Schwellungen und auch Infektionen hervorrufen kann.

Wie kann man sich denn gegen Stiche schützen?

Schimmelpfennig: Für den Wohnraum gelten die mechanischen Methoden. Man kann Gitter und Netze anbringen. Ich habe außerdem von hochfrequenten Tonträgern gehört, die Abhilfe leisten sollen. Hält man sich draußen auf, sollte man bedeckende Kleidung tragen, durch die der Stechapparat der Mücke nicht gelangt. Alternativ kann man die Haut mit Mückenabwehrmitteln einreiben. Hier gilt es jedoch, die Einwirkzeit zu beachten. Viele Mückenarten sind zudem dämmerungsaktiv, also vor allem abends unterwegs.

Wenn man doch gestochen wurde, können viele Menschen nicht widerstehen. Kratzen ist aber vermutlich nicht besonders hilfreich oder?

Schimmelpfennig: Der alte Spruch „Juckt’s dich, dann kratz dich“ ist hier tatsächlich nicht zu empfehlen. Bei einem Mückenstich kommt es meistens zu einer allergischen Reaktion vom verzögerten Typ, die nicht zu vergleichen ist mit einem Bienen- oder Wespenstich, bei denen Allergien vom Soforttyp häufiger sind. Diese können auch lebensbedrohlich sein. 

Dieses Video gehört zur Videoplattform Glomex. Es ist nicht Bestandteil der HNA-Berichterstattung.

Durch das Aufkratzen des Stichs können zusätzliche Keime in die Wunde geraten. Dann spricht man von einem bakteriell superinfiziertem Ekzem. Hierdurch kann man sich auch eine Blutvergiftung einfangen. Wenn möglich, sollte man der Verlockung also widerstehen.

Was können Sie dann gegen Mückenstiche empfehlen? Hilft Großmutters Tipp, Spucke auf die Einstichstelle aufzutragen?

Schimmelpfennig: Speichel führt zwar zu einer leichten Linderung, kann selbst aber auch Keime enthalten. Ich empfehle, schnell eine kühlende, anti-allergische Creme oder ein Gel aufzutragen. Weiß man, dass man heftige Reaktionen auf Mückenstiche zeigt, sollte man zu einem niedrig dosierten Kortisonmittel in Form einer Creme oder zu anti-allergischen Tabletten greifen.

Stimmt die Erzählung, dass es hilft, Knoblauch zu essen und die Tiere dadurch abzuschrecken?

Schimmelpfennig: Ich kenne das als volksmedizinischen Glauben. Es liegen aber keine Erkenntnisse vor und ich kann daher keine Erfolgsgarantie aussprechen. Ich kenne aber Leute, die darauf schwören. Fakt ist, dass wir Menschen über individuelle Duftnoten unterschiedlich interessant für Insekten sind.

 Ab wann muss man mit Insektenstichen zum Arzt?

Schimmelpfennig: Wenn die Reaktionen ungewöhnlich heftig ausfallen. Dazu gehören Nesselsucht oder auch Luftnot. Auch bei einer gefährlichen Einstichstelle wie der Augenpartie oder im Bereich des Mundes und der Atemwege sollte man den Arzt aufsuchen, bevor es zuschwillt.

 Sind Kinder besonders gefährdet?

Schimmelpfennig: Kinder sind besonders gefährdet und schutzbedürftig. Mit ihnen sollte man bei heftigeren Reaktionen lieber einmal mehr, als einmal zu wenig zum Arzt gehen.

Immer wieder hört man, dass Mücken auch Borreliose übertragen können. Stimmt das?

Schimmelpfennig: Prinzipiell kann ein blutübertragener Erreger durch blutsaugende Insekten transportiert werden. Mücken sind hier zwar im Verdacht, bleiben aber die Ausnahme. Der Hauptüberträger bleiben die Zecken. Mücken gelten vor allem in tropischen Ländern als gefährliche Krankheitsüberträger, wie zum Beispiel für Malaria.

Die Urlaubszeit beginnt: Welche Empfehlungen können Sie für den Urlaub aussprechen? Wo sollte man sich besonders schützen?

Schimmelpfennig: Mücken sind immer dort, wo es Wasser gibt. Sie legen hier ihre Eier ab und auch die Larven wachsen dort auf. Beim Urlaub an einem See, aber auch am heimischen Teich oder der Regentonne bieten sich den Mücken traumhafte Reservoire. Dann sollte man sich schützen. Man sollte wissen: Bei einem Schweden-Urlaub an einem einsamen See hat man zwar seine Ruhe, aber auch Mücken bis zum Abwinken. Generell halten sie sich an stehenden Süßgewässern auf.

Wo kann man sich vorm Urlaub über Mücken informieren?

Das Gesundheitsamt der Region Kassel ist telefonisch unter der Nummer 0561/7871960 oder -61 zu erreichen. Auch per E-Mail an tanja.aue@kassel.de oder ina.ruebin@kassel.de geben wir gerne Auskunft. Alternativ findet man auch beim „Centrum für Reisemedizin“ (www.crm.de) Informationen.

Eine Übersicht mit Hausmitteln, die gegen Mückenstiche helfen, haben wir in einem separaten Artikel für Sie vorbereitet.

Quelle: HNA

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