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Corona-Impfung für Kinder: Experten sagen, was dafür spricht – und was dagegen

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Von: Jennifer Köllen

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Was nützt es, einem gesunden Kind den jetzigen Impfstoff zu verabreichen? Sollten Eltern auf den Omikron-Impfstoff warten? Das sagen Experten.

Berlin - Die Corona-Impfungen für Fünf- bis Elfjährige sind in Deutschland angelaufen. Doch manche Eltern sind nach wie vor verunsichert, fragen sich: Warum soll ich mein Kind impfen lassen, wenn es sowieso keinen schweren Verlauf haben wird? Wie gut sind die Impfstoffe wirklich getestet? Und wie lange wird der Impfstoff überhaupt schützen?

Außerdem ein Argument für das Warten: Impfstoffhersteller arbeiten derzeit an einem angepassten Vakzin gegen die Omikron-Variante. Wäre es da nicht besser, zu warten, bis dieser Impfstoff zur Verfügung steht?

Corona-Impfung für Kinder: Experten sagen, was dafür spricht – und was dagegen

Wie sinnvoll ist also die Impfung mit dem bisherigen Impfstoff bei einem gesunden Kind? Es gibt tatsächlich viele Argumente, die dafür sprechen:

Erstens: Dass Kinder niemals schwer an Corona erkranken können, stimmt nicht. Die Wahrscheinlichkeit, einen schweren Verlauf zu haben, ist zwar bei Kindern viel geringer als bei Erwachsenen – dennoch gibt es auch unter Kindern schwere Verläufe. Zwar sehr selten, aber auch bei gesunden. In den USA sind mehr als 700 Kinder an Covid-19 gestorben, berichtet das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. Damit gehöre die Infektion dort zu den zehn häufigsten Todesursachen. Wobei man sagen muss, dass Kinder dort auch eine schlechtere Gesundheitsversorgung haben und deswegen auch erst später behandelt werden. Außerdem sind in den USA mehr Kinder übergewichtig, als hierzulande. Auch deshalb ist die Situation in Deutschland weit weniger dramatisch: Das RKI berichtet in seinem Wochenbericht vom 2. Dezember 2021 von insgesamt 35 Todesfällen bei unter 20-jährigen. Diese hatten zum Teil erhebliche Vorerkrankungen. Und das bedeutet: Eltern sollten Kinder mit Vorerkrankungen wie etwa Herzfehlern in jedem Fall gegen Corona impfen lassen!

Zweitens: Angst vor Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung? Diese sind praktisch unbegründet. In den USA wurden mittlerweile schon fast fünf Millionen Fünf- bis Elfjährige geimpft – und dabei keine einzige Herzmuskelentzündung beobachtet. Experten vermuten, dass die gefürchtete Nebenwirkung Herzmuskelentzündung, die bei jungen Männern nach der mRNA-Impfung beobachtet wurde, nur bei einem von 16.000 auftritt.

Ein Pflaster klebt auf den Arm eines 7-jähriges Mädchens, nachdem es gegen das Covid19-Virus geimpft wurde.
Ab Mitte Dezember könnten Kinder ab fünf Jahren gegen Corona geimpft werden (Symbolbild) © Jan Woitas/dpa

Drittens: Es ist noch unklar, welche mittelfristigen und späteren Folgen eine Corona-Infektion für Kinder haben kann, wie der „WDR“ berichtet. Der Virologe Christian Drosten sagte dem Schweizer Online-Magazin „Republik“, dass etwa 4,5 Prozent der mit Corona infizierten Kinder selbst bei einem milden Verlauf nach einem Monat noch Symptome wie Geschmacksverlust, Geruchsverlust oder dauerhafte Müdigkeit hätten. Als weitere Gefahr nannte Drosten das Multisystemische Entzündungssyndrom (PIMS), das allerdings äußerst selten auftrete. Das sei eine schwere Erkrankung, die bis zu sechs Monate dauern könne – mit meist hohem Fieber und Entzündungsreaktionen in vielen Organen, die Wochen nach der akuten Corona-Infektion auftreten. „Aus Elternperspektive wäre mein Kind geimpft. Klarer Fall. Dieses Risiko möchte ich nicht“, so der Virologe Drosten.

Andere Fachleute sind geteilter Meinung. Ein Überblick:

Corona-Impfung für Kinder: Das sagt eine Infektiologin

- Infektiologin: Die Fachärztin für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie Jana Schroeder (Stiftung Mathias-Spital, Rheine) rät davon ab, auf die potenzielle Verfügbarkeit eines angepassten Impfstoffs in einigen Monaten zu spekulieren. Noch habe Deutschland ein Problem mit der Delta-Variante. „Die Impfung wirkt gegen sie deutlich besser als gegen Omikron. Es ist momentan auch noch unklar, ob Omikron Delta völlig verdrängen wird.“

Bisher gebe es zwar noch keinerlei Daten, wie gut die Impfung bei einer Omikron-Infektion noch vor schweren Verläufen schütze: „Von den dafür wichtigen T-Zellen ist aber bekannt, dass sie im Vergleich zu Antikörpern stabiler auch auf Varianten reagieren.“ Das heißt: Auch gegen Omikron wird ein Schutz vor schweren Verläufen angenommen.

„Erste Beobachtungen über schwere Verläufe bei Kindern aus Südafrika sollten wir ernst nehmen, auch wenn sich solche Befürchtungen bei früheren Varianten nicht bewahrheitet haben“, sagte Schroeder. „Eine Häufung schwerer Fälle könnte Zufall sein - oder auch nicht. Bis es dazu klare Erkenntnisse aus Studien gibt, wird es Monate dauern. So rasant wie sich das Virus ausbreitet, haben wir nicht die Zeit darauf zu warten, sondern sollten unsere Entscheidungen auch anhand von Daten aus dem laufenden Infektionsgeschehen treffen.“

Schroeder verweist auch auf Daten aus den USA, wo nach fünf Millionen verwendeten Dosen des abgeschwächten Impfstoffs für Fünf- bis Elfjährige laut Gesundheitsbehörde CDC noch keine Fälle von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen gemeldet worden seien.

Corona-Impfung für Kinder: Was eine Kinder-Lungenfachärztin empfiehlt

- Kinder-Lungenfachärztin: Auch wenn viele Eltern fürchteten, dass der Schutz der Impfstoffe nicht mehr so gut sei: „Die Impfstoffe schützen sehr gut gegen die noch dominante Delta-Variante und bieten auch einen gewissen Schutz vor Omikron. Das ist in jedem Fall besser, als keinen Schutz zu haben“, sagt Oberärztin Folke Brinkmann von der Universitätskinderklinik Bochum. Sie rate eher zur Impfung als zur Infektion – und führt auch einen Nutzen für das Alltagsleben der Kinder an: Geimpfte müssten zum Beispiel nicht in Quarantäne.

„Wie infektiös die neue Omikron-Variante im Endeffekt ist und wie schwer sie Kinder betrifft, ist momentan allerdings noch unklar.“ Der Nutzen der Corona-Impfung für das einzelne Kind sei zwar nicht so groß wie bei alten Menschen, beispielsweise bei über 80-Jährigen, sagt Brinkmann. Auf der Station würden aber trotz der insgesamt geringeren Krankheitslast auch nicht vorerkrankte Kinder wegen Covid-19 oder dem Entzündungssyndrom PIMS behandelt. „Einzelne erwischt es schwer.“ Auch mit Spätfolgen wie geringer Belastbarkeit und Herzrasen hätten in der Altersgruppe einige Kinder zu kämpfen. Solche Erkrankungen infolge der Infektion seien auch von anderen Viren bekannt und sollten aus Sicht Brinkmanns ernstgenommen werden, auch wenn sich die Häufigkeit bei Kindern bisher nicht sicher beziffern lasse.

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Brinkmann geht davon aus, dass Forschungsergebnisse aus den USA und Israel in Bezug auf die Impfung nicht vorerkrankter Kinder bereits in Kürze vorliegen werden. Dies werde dann auch Einfluss auf eine eventuell aktualisierte Stiko-Empfehlung haben.

Corona-Impfung für Kinder: Das empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko)

Impfkommission: „Letztendlich sollte Omikron für Eltern kein Kriterium in der Impfentscheidung sein, da noch zu viele Ungewissheiten damit verbunden sind“, sagte Stiko-Chef Thomas Mertens vorige Woche der dpa. Auch erste Meldungen aus Südafrika über schwere Verläufe bei Kindern seien noch nicht so belastbar. Es brauche mehr Zeit und gut angelegte Studien für die Bewertung.

Stiko-Mitglied und Kinderarzt Martin Terhardt sagte hingegen am Montag im „ARD-Mittagsmagazin“: „Wenn Eltern den Wunsch haben, ihr Kind zu schützen, dann ist es sicherlich sinnvoll, die Impfung jetzt durchzuführen und nicht auf eine neue Variante des Impfstoffes zu warten. Denn der ist ja erst für März angekündigt und ob der dann sofort für Kinder zugelassen wird, wissen wir auch nicht. Insofern glaube ich, dass das Abwarten aus diesem Grund keine Idee ist.“

In dieser Woche sollte der Einsatz des schwächer dosierten Impfstoffs für Fünf- bis Elfjährige in Deutschland beginnen. Wegen der stark mutierten Omikron-Variante, die in mehreren Ländern zunehmend Infektionen hervorruft, haben Impfstoffhersteller angekündigt, an angepassten Vakzinen zu arbeiten. Bisher ist aber noch nicht sicher, ob diese tatsächlich nötig werden. Biontech hatte auch angekündigt, dass ein neuer Impfstoff bei einem etwaigen Anlaufen der Produktion im März auch nicht gleich massenhaft zur Verfügung stehen würde.

Erwachsene sollten Experten zufolge wegen ihres höheren Corona-Risikos die Möglichkeit zur Booster-Impfung wahrnehmen. Damit würden Antikörper-Spiegel im Blut wieder angehoben. Dies gilt als wichtig auch für den Schutz vor Omikron. (Mit Material der dpa) *kreisbote.de, 24rhein.de und 24hamburg.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren RedakteurInnen leider nicht beantwortet werden.

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