Nach Strahlen- oder Chemotherapie dürfen betroffene Männer für zwei Jahre keine Kinder zeugen

Hodenkrebs ist sehr gut heilbar

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Spricht über die wichtigsten Fragen zum Thema Hodenkrebs: Chefarzt der Urologie am Klinikum Kassel Björn Volkmer

Bei mir wurde Hodenkrebs festgestellt. Ich bin jetzt 25 Jahre alt. Wie sind meine Heilungschancen? Kann ich durch Operation und Chemotherapie zeugungsunfähig werden? Ist mein Sexualleben danach eingeschränkt?“, fragt ein Leser aus Kassel.

Antworten hat Professor Björn Volkmer, Chefarzt der Urologie am Klinikum Kassel: „Hodenkrebs ist eine Krebsart mit exzellenten Heilungschancen“, sagt Volkmer. Ist der Tumor nur auf den Hoden beschränkt, liegt die Heilungschance bei 100, bei Absiedlungen in Lymphknoten im Bauchraum bei über 95 Prozent und selbst bei Fernmetastasen in anderen Organen immer noch bei 80 Prozent

An Hodenkrebs erkranken in Deutschland jedes Jahr sieben von 100 000 Männern. Es ist somit eine eher seltene Krankheit. Da die Erkrankung von den samenbildenden Zellen ausgeht, sind Männer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, für die die Fortpflanzung am wichtigsten ist, am häufigsten betroffen. Der wichtigste Risikofaktor für die Entstehung von Hodenkrebs ist dabei der Hodenhochstand bei Geburt - wobei das Risiko steigt, je länger der Hoden sich außerhalb des Hodensacks befindet, sagt Volkmer. Erhöht ist das Risiko aber nicht nur für den betroffenen, sondern auch für den anderen Hoden. Ein Zusammenhang zu Umweltgiften, Alkohol, Rauchen oder Strahlung konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Das typische erste Symptom eines Hodentumors ist ein tastbarer Knoten, der meist schmerzlos ist.

In diesem Fall empfiehlt Volkmer, einen Urologen aufzusuchen

Mittels Ultraschall und der Überprüfung der sogenannten Tumormarker im Blut kann hier in vielen Fällen schnell eine Entwarnung gegeben werden. In einigen Fällen wird ein Hodentumor auch bei der Abklärung einer Unfruchtbarkeit des Mannes festgestellt.

Sollte ein Tumorverdacht bestehen, muss dann in Narkose der Hoden über einen Leistenschnitt freigelegt werden. In diesem Fall wird eine Gewebsprobe aus dem Hoden genommen, an der intraoperativ überprüft wird, ob ein bösartiger Tumor vorliegt oder nicht. Hodentumoren streuen bevorzugt in Lymphknoten im hinteren Bauchraum, aber auch in andere Organe, vor allem in die Lunge. Die weitere Diagnostik beinhaltet daher immer auch die Computer- oder Kernspintomografie, um nach solchen Absiedlungen zu suchen.

Mediziner unterscheiden zwei Gruppen von bösartigen Hodentumoren (siehe Hintergrund); die weitere Therapie muss individuell festgelegt werden Nach Strahlen- oder Chemotherapie dürfen die Patienten für zwei Jahre keine Kinder zeugen, bis das Risiko von Schäden des Erbguts wieder auf die Rate bei der Normalbevölkerung abgefallen ist. Am Sexualleben ändert sich laut Volkmer bei der Entfernung eines Hodens nichts.

Die wichtigste Methode zur Früherkennung besteht bei allen Männern ab der Pubertät in der regelmäßigen Selbstuntersuchung.                     

Quelle: HNA

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