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Schlechter Schlaf wegen Corona? Psychiater befürchten einen „heißen“ Herbst

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Von: Jan-Frederik Wendt

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Sechs Tipps gegen Langeweile Zuhause.
Symbolbild: Während der Corona-Krise leiden immer mehr Menschen an Alpträumen. © Christin Klose/dpa

Während der Corona-Pandemie leiden immer mehr Menschen an Alpträumen. Erhöhter Stress und Depressionen sind nur zwei von mehreren Ursachen.

Kassel - Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsprobleme: Wer in der Nacht schlecht schläft, leidet oft am Tag. Die Gründe für einen schlechten Schlaf sind vielfältig. Eine Ursache sind Albträume - und diese nehmen seit der Corona-Krise scheinbar zu. Das hat jetzt eine neue Studie aus Finnland gezeigt. Sie wurde in der Fachzeitschrift „Frontiers in Psychology“ veröffentlicht. Die Forscher hatten untersucht, inwiefern sich der Schlaf von Menschen seit der Corona-Pandemie verändert hat.

Wegen Corona: Mehr Menschen leiden an Alpträumen in der Nacht

Mehrere Hundert Freiwillige beschrieben den Wissenschaftlern ihre Träume. Die Probanden berichteten beispielsweise von Umarmungen, die sie wegen der Abstandsregeln als Fehlverhalten empfunden hätten. Auch von verlorenen Pässen sei die Rede gewesen.

Mehr als ein Viertel der Teilnehmer gab ab, häufiger Alpträume gehabt zu haben als vor der Corona-Pandemie. Über 4000 finnische Probanden beschrieben, wie sich die Corona-Regeln auf ihren Schlaf in der Nacht auswirkten. Rund ein Drittel wachte häufiger auf. Allerdings schlief laut der Studie mehr als die Hälfte insgesamt länger.

Die Ursachen von Alpträumen sind laut der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin sehr unterschiedlich. Oft spiele der Faktor Stress eine zentrale Rolle. So habe das aktuelle Stressniveau einen großen Einfluss auf die Häufigkeit von Alpträumen. Zudem habe eine große Zwillingsstudie gezeigt, dass bei dem Auftreten von Alpträumen auch ein genetischer Faktor entscheidend ist. Häufig seien kreative, empathische und sensible Menschen von Alpträumen geplagt.

Corona: Depressionen können ein Grund für Alpträume sein

Eine weitere Ursache von Alpträumen: Depressionen. Während der Corona-Pandemie leiden mehr Menschen an der psychischen Erkrankung, berichten Mediziner. Deswegen befürchten Psychiater einen „heißen“ Herbst. Der Grund: „Trotz Lockerungen der Maßnahmen und einer gewissen Gewöhnung an die AHA-Regel hat uns das Erleben der Pandemie verändert oder zumindest tiefe Eindrücke hinterlassen“, erklärt Dr. Martin von Hagen, ärztlicher Leiter des Zentrums für Psychiatrie und Psychotherapie (ZPP) am Klinikum Werra-Meißner.

Um Menschen mit Depressionen in der Corona-Krise zu helfen, hat die Stiftung Deutsche Depressionshilfe mehrere Hinweise veröffentlicht. Betroffene sollten aktiv bleiben. Eine Runde Joggen oder eine Fahrrad-Tour wirke Wunder. Zudem sollten Menschen mit Depressionen ihren Alltag im Vorfeld strukturieren und mit anderen über ihre Sorgen und Ängste sprechen. Patienten erhalten auch bei der Telefonseelsorge Hilfe unter der Telefonnummer: 08 00/111 01 11. (Jan Wendt)

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