Pandemie

Covid-19 trotz Impfung: Wie aussagekräftig sind Corona-Schnelltests bei Geimpften?

Sind Schnelltests bei Geimpften genauso aussagekräftig wie bei nicht geimpften Personen? Das sagen Experten.
+
Sind Schnelltests bei Geimpften genauso aussagekräftig wie bei nicht geimpften Personen? Das sagen Experten.

Angesichts der angespannten Corona-Lage in Deutschland greifen immer mehr Menschen wieder zu Schnelltests. Doch wie aussagekräftige sind die Antigentests bei Geimpften?

Kassel - Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen rasant, das Robert-Koch-Institut (RKI) meldet fast täglich neue Höchststände bei der Sieben-Tage-Inzidenz und den Neuinfektionen. Gleichzeitig werden auch immer mehr Impfdurchbrüche gemeldet – also Infektionen trotz vollständigem Impfschutz.

Insgesamt 214.815 Impfdurchbrüche wurden dem RKI seit dem 1. Februar 2021 gemeldet (Stand: 18.11.2021), einen Monat zuvor waren es noch 95.487 Fälle (Stand: 20.10.2021). Das liegt zum einen daran, dass es keinen hundertprozentigen Impfschutz gibt. Andererseits steigt mit einer höheren Impfquote und einer steigenden Anzahl der aktiven Fälle auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Geimpfte infizieren, so das RKI.

Corona-Schnelltests: Wie aussagekräftig sind sie bei Geimpften?

Grund für die steigenden Infektionszahlen ist laut der Ständigen Impfkommission (STIKO) auch der mit der Zeit nachlassenden Impfschutz – vor allem bei älteren Menschen. Angesichts dieser Entwicklung wächst die Unsicherheit in der geimpften Bevölkerung. Viele greifen vermehrt zu Corona-Schnelltests, um eine mögliche Infektion zu entdecken. Denn die Corona-Symptome fallen bei Geimpften oft anders aus als bei Ungeimpften.

Einige Bundesländer setzen mit der 3G oder 2G-Plus-Regelung ebenfalls auf die stärkere Nutzung von Corona-Schnelltests bei Geimpften und Genesenen. Doch wie aussagekräftig sind die Tests überhaupt? Virologe Christian Drosten warnt auf Twitter davor, sich zu sehr auf die Corona-Schnelltests zu verlassen: „Vor Symptombeginn sind Schnelltests einfach nicht empfindlich genug. Daher meine Zweifel an 3G“, schreibt Drosten. Einen Unterschied der Zuverlässigkeit von Schnelltests bei Geimpften und Ungeimpften gebe es nicht, sagte Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs gegenüber Ntv. „Sie sind natürlich nur bedingt zuverlässig“, so der Epidemiologe. „Grundsätzlich gilt bei Geimpften und Nicht-Geimpften würde ein solcher Antigen-Schnelltest ähnlich ablaufen und auch ähnliche Ergebnisse zeigen, ähnlich zuverlässig sein“.

Corona-Schnelltest: Ist der Antigentest bei Geimpften weniger aussagekräftig?

Die Empfindlichkeit der Schnelltests sei bei Geimpften laut vorläufigen Daten schlechter, schreibt hingegen Christian Drosten auf Twitter. Drosten reagierte mit seinem Statement auf einen Twitter-Post, der vor Infektionen trotz 2G Plus warnt. „Wie ansteckend das Corona-Virus selbst mit besten Vorkehrungen ist, konnte ich beim Realexperiment auf einer Geburtstagsfeier miterleben. Etwa 20 Leute, alle geimpft, außer einer genesen. Vorher haben wir uns mit Schnelltests getestet, alle negativ. Das Szenario mit #2G+“, schreibt der Nutzer.

„Es sieht nach meiner vorläufigen Einschätzung so aus, als ob Infektionen bei Geimpften gerade in den ersten Tagen der Infektion nicht so gut durch den Antigen-Schnelltest nachzuweisen sind. Leider ist die Studienlage dazu aber noch nicht ausreichend“, sagte Drosten gegenüber der Bild. „Bei Geimpften ist der Einsatz von Antigen-Schnelltests ratsam, wenn Symptome bestehen“, so Drosten weiter. Eine blinde Testung bei gesunden Geimpften sei nicht nur logistisch schwierig, sondern möglicherweise auch in der Aussagekraft eingeschränkt.

Corona-Schnelltests: Warum ein Antigentest auch für Geimpfte und Genesene sinnvoll ist

Warum das so ist, erklärte die Infektiologin Dr. Claudia Denkinger, die an der Uniklinik Heidelberg die Zuverlässigkeit der Antigenschnelltests im Vergleich zu PCR-Tests untersucht, gegenüber dem SWR. „Bei Geimpften und Genesenen ist die Viruslast bei der Infektion insgesamt geringer. Sie braucht länger, bis sie ansteigt, sie fällt auch schneller wieder ab. Und insofern sprechen die Tests nicht so gut an“, so die Denkinger. „Das heißt sie detektieren weniger der insgesamten Infektionen bei Geimpften und Genesenen“.

Sind Schnelltests also für Geimpfte überflüssig? Das ist offenbar nicht der Fall, denn laut Denkinger entdeckten die Schnelltests vor allem die Infizierten, die eine hohe Viruslast haben und von denen somit eine hohe Ansteckungsgefahr ausgeht. „Die Infektionen, die eine hohe Viruslast haben, die vor allem zu der Weitertragung der Infektionen beitragen, die werden detektiert und die werden nach wie vor so gut detektiert wie zuvor“, erklärt Denkinger.

Corona-Infektion erkennen: Regelmäßiges testen und Tests mit hoher Sensitivität nutzen

Eine regelmäßige Testung könne zudem zur Sicherheit beitragen – auch bei genesenen und geimpften Personen. „Es gibt letztlich ein Intervall ganz zu Beginn der Infektion, wo die Viruslast im Ansteigen begriffen ist, wo die Antigentests auch noch nicht anschlagen. Aber wenn wir uns regelmäßig testen, dann ist dieses Intervall für die Infektionskontrolle sehr wenig relevant, weil dann erkennen wir es beim nächsten Mal testen“, so Denkinger. Wichtig sei zudem auch einen Test mit einer hohen Sensitivität zu nutzen. Das Paul-Ehrlich-Institut hat verschiedene Corona-Schnelltests untersucht – jeder fünfte Test ist durchgefallen.

Der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit mahnte, dass man sich den Einschränkungen der Schnelltests generell bewusst sein sollte. „In kritischen Bereichen wie Altenheimen oder Kliniken sollte man daher auf zuverlässigere PCR-Pooltests setzen“, sagte er gegenüber Bild. „Wenn viele Menschen auf engem Raum wie in Clubs zusammenkommen, sollten gute Antigen-Schnelltests mit hoher Sensitivität eingesetzt werden, die außerdem richtig durchgeführt werden müssen“, so Schmidt-Chanasit. „Dann hat man zumindest für einige Stunden auch mit 2G plus eine zusätzliche Sicherheit.“ (Sarah Neumeyer)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare