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Länger leben, länger arbeiten? Bundesarbeitsminister Heil lehnt höheres Rentenalter ab

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Von: Natalie Hull-Deichsel

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Rente mit 70 fordern Ökonomen. Bundesarbeitsminister Hubertus Heil lehnt dies ab: „mit der Lebensrealität nicht zu vereinbaren“.

Berlin – Das Renteneintrittsalter in Deutschland ist nicht erst seit gestern ein hitziges Thema. Aktuell wird es erneut durch die Einschätzung von Wirtschaftsökonomen, allen voran dem Wirtschaftsforscher Dr. Gunther Schnabl des Instituts für Wirtschaftspolitik an der Universität Leipzig heiß diskutiert. Er spricht sich öffentlich dafür aus, das Renteneintrittsalter für Deutsche nach oben zu setzen: auf 70 Jahre. Und das, wo die Rente mit 67 noch gar nicht umgesetzt und auch das Rentenalter mit 68 umstritten ist.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (49, SPD) lehnt die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre ganz klar ab, wie er im Gespräch mit der Funke-Mediengruppe äußerte. „Die Vorstellung, dass man im Stahlwerk oder an der Supermarktkasse, als Polizistin oder als Krankenschwester bis 70 arbeiten soll – die können nur Leute haben, die in einer ganz anderen Welt leben.“

Länger leben, länger arbeiten? Bundesarbeitsminister Heil lehnt höheres Rentenalter ab

Heils Aussage ging die für Aufsehen erregende Einschätzung und Forderung des Wirtschaftswissenschaftlers Dr. Schnabl voraus. „Das Renteneintrittsalter muss steigen. Deutschland hat schon heute ein riesiges Fachkräfteproblem, Hunderttausende Stellen sind unbesetzt“. Auch die Inflation würde diesen Schritt unbedingt erforderlich machen, so der Ökonom.

Bundesarbeitsminister Heil befürwortet den flexiblen Übergang in den Ruhestand, spricht sich jedoch entschieden gegen ein Renteneintrittsalter mit 70 Jahren aus. Und das in einer Zeit, wo sich viele Menschen wünschen, mehr „Work-Life-Balance“ zu erleben und früher in Rente gehen zu dürfen. „Wir haben in der Koalition vereinbart, dass wir das gesetzliche Renteneintrittsalter nicht erhöhen. Und daran wird sich nichts ändern.“ Nach aktueller Rechtslage wird die Altersgrenze für die Rente ohne Abschläge bis 2029 schrittweise bereits von 65 auf 67 Jahre angehoben. Heil ergänzte im Gespräch außerdem, dass er es für „eine Phantom-Debatte“ halte, bis 70 zu arbeiten. „Das ist eine Diskussion, die mit der Lebensrealität vieler Menschen in Deutschland nicht zu vereinbaren ist“, so Heil.

Im Sinne der Deutschen spricht sich Bundesarbeitsminister Hubertus Heil gegen eine Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 70 Jahre aus.
Erst mit 70 Jahren in Rente gehen zu dürfen, ist für viele Deutsche unvorstellbar. (Symbolbild) © yacobchu/Imago

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Rente mit 70 realistisch? Ein längeres Leben bedeutet nicht ein gesundes, arbeitsfähiges Leben

Eine längere Lebenszeit sollte laut dem deutschen Wirtschaftswissenschaftler Axel Börsch-Supan gemäß dem aktuellen Verhältnis zwischen Arbeit und Rente aufgeteilt werden. Zwar steigt das Durchschnittsalter der Deutschen, das heißt, die Bevölkerung wird durchschnittlich immer älter. Doch steigen mit dem höheren Alter auch die Risiken für chronische oder altersbedingte Erkrankungen wie Demenz, Parkinson und Arthritis. Laut der neuen Bevölkerungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) wird das Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung bis 2030 von derzeit 43 Jahre auf über 47 Jahre ansteigen. Das wird auch Auswirkungen auf die körperliche und geistige Gesundheit der Menschen haben und möglicherweise die Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen. In Anbetracht dieses Umstands scheint es nicht nur Arbeitnehmern abwegig, auch Medizinern und Gesundheitsökonomen, ein Renteneintrittsalter von 70 Jahren in Erwägung zu ziehen.

Dieser Beitrag beinhaltet lediglich allgemeine Informationen zum jeweiligen Gesundheitsthema und dient damit nicht der Selbstdiagnose, -behandlung oder -medikation. Er ersetzt keinesfalls den Arztbesuch. Individuelle Fragen zu Krankheitsbildern dürfen von unseren Redakteurinnen und Redakteuren leider nicht beantwortet werden.

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