"Ich bin ein Kunstzocker"

"Bares für Rares": Weil Verkäufer überfordert sind, werden sie von Händler geschröpft

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Diese Skizzen sagten den Händlern gar nichts - aber ist das Grund genug, die Verkäufer "abzuzocken"?

Es handelt sich um hochbrisante Karikaturen. Der Experte schätzt sie auf tausend Euro. Doch weil sich die Händler nicht auskennen, haben die Verkäufer das Nachsehen.

Kürzlich konnten Zuschauer wie Händler etwas ganz Besonderes in "Bares für Rares" bestaunen: Der Paar Susan und Eduard Baumer brachte eine Sammlung an politischen Karikaturen, die Anfang des 20. Jahrhunderts als hochbrisant galten, mit. Genauer gesagt, handelte es sich um drei Karikaturen aus dem Simplicissimus, die als sehr wertvoll gelten, erklärt Experte Colmar Schulte-Goltz.

"Bares für Rares": Experte schätzt hochbrisante Karikaturen auf bis zu 4.000 Euro

Diese seltenen Kunstwerke zeigen drei Lebenswelten aus der Zeit der Weimarer Republik, kurz vor dem Aufstieg der NSDAP. Die originalen Tuschzeichnungen stammten teilweise von berühmten Künstlern dieser Zeit wie dem Franzosen Henry Bing oder auch dem Simplicissimus-Herausgeber Erich Schilling. So zeigt eine mit dem Titel "Erziehung" eine Frau mit zwei Kindern, wohl aus ärmlichen Verhältnissen. Ein weiteres Blatt mit der Bezeichnung "Talent" ist nicht weniger trostlos - auch hier werden arme Menschen im tiefsten Schnee gezeigt, die offensichtlich für höhere Dinge berufen sind, denn der Sohn sagt: 'Vater, mir knurrt der Magen in 'S'-Dur'.

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Die dritte Arbeit ist wohl am interessantesten, denn sie stelle eine kleine Episode aus dem Arbeitsalltag des damaligen Reichskanzler Heinrich Brüning dar. "Man sieht den ehemaligen Reichskanzler Heinrich Brüning, wie er sich von seinem Nagelbrett erhebt. Er war damals Politiker der Zentrumspartei. Dann folgt sein Tagesablauf. Er macht sich fit für die anstehenden Reichstagsgespräche und muss sich genau entscheiden, wie er mit den neuen Machtverhältnissen im Reichstag umgeht. Er muss gegen die aufkommende NSDAP ankämpfen und entscheiden, wie er sich dazu positioniert", so Schulte-Goltz.

Die Schmerzgrenze der Baumers liegt bei 200 Euro pro Blatt. Doch der Experte sieht das anders - er schätzt die Kunstwerke zusammen auf bis zu 4.000 Euro! Die Verkäufer sind außer sich - als Moderator Lichter ihnen die Händlerkarte überreicht, gibt er ihnen noch den Tipp mit: "Ihr müsst natürlich schauen, dass das die Händler entsprechend erkennen."

"Kenne mich in dem Gebiet nicht aus": Verkäufer nehmen notgedrungen Händler-Angebot an 

In der Tat: Die Händler finden die Skizzen zwar "cool", wissen aber nicht viel damit anzufangen. "Ich weiß nur nicht, wie man so etwas bezahlt", fasst Fabian Kahl zusammen, was sich alle Händler im Raum denken. Kollege Julian Schmitz-Avila traut sich als Erstes, ein Gebot abzugeben - obwohl er zugibt, keine Ahnung davon zu haben, was die Skizzen wert sein könnten. "Das ist jetzt wieder ein neues Gebiet, das man sich hier aneignet. Grafik kommt jetzt neu dazu. Ich biete 1.500 Euro. Ich riskiere das", so der Händler. Die anderen sind bei diesem Preis raus.

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Die Baumers willigen ein - und bekommen am Ende doch satte 2.000 Euro weniger als die Expertise anfangs ergab. Schmitz-Avila freut sich hingegen: "Ich bin ein Kunstzocker." Die Baumers sehen am Ende den Deal eher nüchtern: "Wir haben verkauft, weil die Händler Beziehungen haben und die Bilder wahrscheinlich weiterverkaufen können und wenn wir versuchen zu verkaufen, da wären wir überfordert."

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jp

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