Gesundheit

Kurkuma – Was ist dran am angeblichen „Wundermittel“?

Die „goldene Milch“ mit Kurkuma liegt im Trend, doch wie gesund ist die Wurzel wirklich?
+
Die „goldene Milch“ mit Kurkuma liegt im Trend, doch wie gesund ist die Wurzel wirklich?

Ist Kurkuma tatsächlich ein Wundermittel? Bei dieser Bezeichnung schlägt bei der „Mai-Lab“-Youtuberin Mai Thi Nguyen-Kim das „Bullshit-O-Meter“ aus.

Frankfurt - Immer mehr Menschen schwören auf Kurkuma. Gerade in Kombination mit der „goldenen Milch“ die in vielen Städten zum Trend geworden ist, steigt auch die Lust auf die gelbe Wurzel. Ihr werden einige gesundheitsfördernde Wirkungen zugesprochen. So soll Kurkuma verdauungsfördernd und entzündungshemmend sein. Einige gehen noch weiter und sagen dem Extrakt aus der Pflanze, dem Curcumin, sogar einen positiven Einfluss auf Haarausfall oder Erkrankungen wie Diabetes, Depression, Alzheimer und sogar Krebs nach. Doch diese Studien sind mit Vorsicht zu betrachten.

Bekannt ist Kurkuma eigentlich als Gewürz. Im Curry sorgt es geschmacklich für den letzten Schliff und verleiht dem Gericht auch eine schöne goldgelbe Farbe. Die Pflanze gehört zu den Ingwergewächsen und wird wegen der gelben Farbe ihrer Wurzeln auch als Gelbwurzel bezeichnet. Kurkumapulver enthält nach Angaben der „Verbraucherzentrale“ ätherische Öle, Eiweiße, Harze, Zuckerverbindungen und bis zu fünf Prozent Curcumin sowie andere Curcuminoide. Doch wie gesund ist Kurkuma wirklich?

Kurkuma: „Mai-Lab“ spricht über Wundermittel und „Bullshit-O-Meter“

„Wann immer ein ‚Wundermittel‘ gegen eine ganze Liste verschiedenster Krankheiten wirken soll, sollte eigentlich direkt das Bullshit-O-Meter ausschlagen“, betonte bereits Mai Thi Nguyen-Kim auf ihrem Youtube-Kanal maiLab. Das Interessante an Curcumin sei aber, dass es viele wissenschaftliche Studien rund um den Wirkstoff gebe, erklärt sie. Doch wie aussagekräftig sind die Forschungsergebnisse? Dafür muss man die Art der Forschung näher betrachten.

Kurkuma ist mittlerweile ebenso beliebt wie umstritten. Wie gesund ist die gelbe Wurzel wirklich? (Archivbild)

Um neue Wirkstoffe gegen Krankheiten zu ermitteln, wird erst einmal ein Protein festgelegt, das ausgeschaltet werden soll, weil es in Zusammenhang mit ebendieser Krankheit steht. Nun wird getestet, ob ein Stoff sich gezielt auf dieses Protein auswirkt, erklärt die maiLab-Youtuberin. Bei einem Screening werden eine ganze Reihe von Molekülen auf ihre Wirkung auf das Protein hin getestet. Für verschiedene Proteine habe sich Curcumin als „positiver Hit“ erwiesen. Beispielsweise in Zusammenhang mit Erkrankungen wie Alzheimer, Depression und Krebs. Doch dahinter steht ein großes „Aber“.

Studien mit Curcumin: Positive Ergebnisse kritisch betrachten

Denn diese Ergebnisse stammen meist aus Screenings. Oder aus Zell- und Tierversuchen, aber nicht aus klinischen Studien mit menschlichen Versuchspersonen. Dahinter könnte stecken, erklärt Mai Thi Nguyen-Kim, dass das Curcumin auf chemischer Sicht sehr reaktiv ist. Sie spricht sogar von „Hochstapler-Molekülen“. Dadurch können positive Ergebnisse in Zusammenhang mit dem Stoff hergestellt werden, obwohl sie gar nicht bestehen. In ihrem maiLab-Video verweist Nguyen-Kim, auf einen Kommentar in der Fachzeitschrift „Nature“. Bereits 2014 war klar, Curcumin kann zu falsch positiven Ergebnissen führen. Die Autor:innen des Kommentars raten eindringlich dazu, die Wirkungsweise von Curcumin und anderer, ähnlich reaktiver Moleküle, zu vernachlässigen.

Der Meinung ist auch Peter Schnabel, ein Allergologe der TU München, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Er untersuchte 2017 eine Vielzahl medizinischer Studien und kam zu dem Schluss: „Nicht eine einzige Arbeit bringt den Nachweis, dass es irgendwelche Wirkungen bei den vielen, vielen Erkrankungen gibt. Curcumin wird praktisch als Allheilmittel angepriesen, nicht nur gegen Krebs. Das stimmt schlicht und ergreifend nicht.“

Auch die Verbraucherzentrale kommt bei Kurkuma zu dem Schluss, dass eindeutige wissenschaftliche Belege darüber fehlen: „ob Kurkumaextrakte gesundheitliche Wirkungen beim Menschen, beispielsweise gegen Krebs, Gelenkbeschwerden, Demenz oder Depressionen, haben.“ Denn obwohl die Wirkung bei Zellkulturstudien und in Tierversuchen teilweise erfolgversprechend getestet wurde, sind die Ergebnisse kaum auf den Menschen übertragbar. Das hat auch den Grund, dass die in den Studien verwendete Dosierung an Curcumin enorm hoch war. Diese seien beim Menschen weder über Nahrungsergänzungsmittel noch über die Nahrung selbst erreichbar.

Kurkuma liegt im Trend. Doch wie gesund ist die Wurzel?

Gesundheit: Kurkuma könnte schädlich sein

Während die positive Wirkungsweise von Kurkuma noch umstritten ist, ist aber auch die Kehrseite der Medaille wichtig. Kann Curcumin schädlich für die Gesundheit sein? Laut „Verbraucherzentrale“ sei Kurkuma in „üblichen (Gewürz-)Mengen gegessen“ ein sicheres Lebensmittel. Aber: Allergische Reaktionen und unerwünschte Nebenwirkungen sind möglich.

  • Blähungen
  • Sodbrennen
  • Durchfall / erhöhte Stuhlfrequenz
  • Übelkeit oder Schmerzen im Verdauungstrakt
  • Quelle: Verbraucherzentrale

Bestimmte Personengruppen sollten auf Kurkuma-Extrakte besser verzichten

Bei zwei Personengruppen warnt die Verbraucherzentrale sogar vor der Einnahme. Allerdings nur bei Kurkuma-Extrakten. So sollen Schwangere und Stillende auf Nahrungsergänzungsmittel mit Kurkuma verzichten, denn eine negative Wirkung kann nicht ausgeschlossen werden. Gegen das Gewürz sei jedoch beim Kochen nichts einzuwenden. Auch Personen mit Gallensteinen sollten keine Kurkuma-Extrakte zu sich nehmen, denn dadurch könnte die Gallensaftproduktion gefördert werden. Dadurch könne im schlimmsten Fall eine Gallenkolik ausgelöst werden. (Sophia Lother)

Beim Thema Milch scheiden sich die Geister, gehört sie zu einer gesunden Ernährung dazu oder macht sie sogar krank? Fakten und Vorurteile rund um das zunehmend umstrittene Nahrungsmittel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare