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Toyota GR Supra 2.0 im Test: Eignet sich das Sportcoupé auch im Alltag?

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Von: Rudolf Bögel

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Toyota GR Supra gelb
Lightning Yellow - also gelb wie ein Blitz - nennt Toyota diese Farbe, die den GR Supra noch giftiger aussehen lassen soll. © Toyota

Kleiner Hubraum, weniger PS. Für knapp 50.000 Euro bekommt man den GR Supra von Toyota auch eine Nummer kleiner. Mehr über Ausstattung und Fahreigenschaften des Sportcoupés.

Bayerische Japaner treten normalerweise vermehrt im Herbst vermehrt auf. Dann, wenn in München die sechste Jahreszeit beginnt. Das Oktoberfest. Die Macht der Tracht spürt man auch in Asien und so findet sich so mancher Sohn und manche Tochter Nippons unversehens in Lederhosen und Dirndl auf dem Tisch tanzend auf der Wiesn. Oans, zwoa, gsuffa. Dass es bayerische Japaner gibt, das hätten wir hiermit geklärt. Aber gibt es auch japanische Bayern? Darauf ein klares „Ja!“ Sogar bei Autos. Der schnittige Sportwagen GR Supra zum Beispiel ist ein echter Bayer. Gemeinsam entwickelt mit Toyota. Der Flitzer trägt zwar vom Fahrzeug-Design her echt japanische Tracht. Aber Motor, Antriebsstrang und Interieur stammen vom BMW Z4. Halb und Halb? Kann so eine Mischung - außer bei Knödeln - tatsächlich funktionieren? Wir haben es bei einer Testfahrt herausgefunden.

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Toyota GR Supra Detail Felge roter Bremssattel
Bremssattel ganz in Rot, dazu schwarze filigrane Felgen: Ein Design-Klassiker, der bei Sportwagen immer gut aussieht. © Toyota

1,4 Millionen Dollar kostet das Urmodell

17 Jahre liegen zwischen dem letzten Toyota Supra und dem neuen GR Supra. So lange hat es gedauert, bis der größte Autohersteller der Welt sich wieder einem Sportcoupé gewidmet hat. Weil die Entwicklung eines solchen Wagens jedoch teuer ist, teilten sich BMW und die Japaner die Arbeit. Für Toyota war der Wagen dennoch eine echte Herzensangelegenheit. Schließlich wollte man die neue Performance-Marke Gazoo Razing (GR) auch mit Leben erfüllen. Und so war der Supra dann auch eine würdige Nummer 1. Der längst ausverkaufte GR Yaris folgte ihm auf die Felge. Und der für das Frühjahr 2022 angekündigte GR 86 muss als dritter GR erst noch die Käufer begeistern. Der Supra setzt eine große und stolze Tradition fort. Anno 1965 wurde das Ur-Modell, der 2000 GT, auf der Tokio Motor Show vorgestellt. Ein exklusives Auto, das nur 351-mal verkauft wurde, weil es damals in etwa so viel kostete wie ein Porsche. Schätzungsweise 200 Exemplare soll es heute davon noch geben. Auf dem freien Markt sind so gut wie keine mehr zu finden. Vor ein paar Jahren wurde in den USA einer versteigert. Für stattliche 1,4 Millionen Dollar.

Toyota GR Supra Innenraum rotes Leder Alcantara schwarz
Das Layout des Supra-Cockpits erinnert nicht nur an BMW, es ist von BMW. Nur das Lenkrad und die Tachografik sind anders. © Toyota

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BMW Z4 und Supra: Gemeinsam entwickelt, unterschiedlich bepreist

Nicht so viel Geld muss man für den Nachfolger investieren. So kostet der „kleinere“ Supra mit seinem Vierzylinder-Biturbo-Motor und 258 PS ab 48.900 Euro und ist damit um rund 2000 Euro billiger als der vergleichbare Z4. Allerdings bekommt man bei BMW dafür ein Cabriolet, den Supra gibt es nur als Coupé. Erst bei der Ausstattung klafft die Lücke dann etwas weiter auseinander. Der Japaner kommt mit vollem Programm auf rund 56.000 Euro, bei den Bayern muss man mit knapp 62.000 Euro für einen Z4 sDrive 30i deutlich mehr hinlegen. Dafür ist dann bei Toyota aber schon wieder der Dreiliter-Sechszylinder drin mit seinen 340 PS. Er kostet knapp 63.000 Euro.

Toyota GR Supra Motor Vierzylinder
Da fehlt doch was? Der Supra 2.0 hat genau einen Liter Hubraum, zwei Zylinder, 82 PS und 100 Nm Drehmoment weniger © Toyota

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Achtung Mecker-Ecke: Eng wie in einer Dose, klägliche Hupe

Aber kann man mit dem kleineren Supra ähnlich viel Spaß haben und eignet sich der Sportwagen auch als Alltagsauto? Letzteres kann man guten Gewissens behaupten. Der GR Supra hat echte Langstreckenqualitäten. Auf der normalen Fahrstufe gleitet er ruhig über die Autobahn, das aktive Dämpfungssystem bügelt Straßenfalten einfach weg und auch der Auspuff brummt gemütlich vor sich hin. Fast vergisst man, dass der Platz in dem reinen Zweisitzer begrenzt ist und dass man sich nach dem Schließen der Tür ein wenig wie in einer Dose fühlt. Wie eng es ist, merkt man spätestens, wenn man den Fahrstufen-Schalter auf Sport stellen möchte. Er befindet sich relativ weit zurückversetzt auf der Mittelkonsole und kann nur mit einer weit nach hinten ausholender Armbewegung gedrückt werden. Das ist unpraktisch und nervt immer wieder. Vor allem, wenn man die Systeme schnell scharf stellen will für einen Überholvorgang. Das lässt sich irgendwann verschmerzen, was man vom erbärmlich-kläglichen Ton der Hupe nicht behaupten kann. Klingt eher nach Dreirad als nach Sportwagen. Aber vielleicht ist es ja die Absicht, damit man nicht allzu oft die Umgebung belästigt.

Toyota GR Supra Seite
Der GR Supra ist ein klassisches Sportcoupé: Lange Motorhaube, Fahrerkabine relativ weit hinten und kurzes, knackiges Heck. © Toyota

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Zwei Zylinder weniger, minus 82 PS – kann das Spaß machen?

Ist weniger beim Supra tatsächlich mehr? Dem Zweiliter-Turbo-Benziner fehlen im Vergleich zum Dreiliter-Triebwerk nicht nur Hubraum, sondern auch noch zwei Zylinder, 82 PS und 100 Nm Drehmoment. Dafür ist das Auto um 100 Kilogramm leichter und auch die Gewichtsverteilung soll laut Toyota noch näher an dem als ideal geltenden Verhältnis von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse liegen. Beim Beschleunigen merkt man zunächst kaum einen Unterschied, auch wenn die Werte auf dem Papier eine klare Sprache sprechen. Hier 5,2 Sekunden von 0 auf 100, dort 4,3 Sekunden. Trotzdem fährt sich der Vierzylinder von unten heraus recht ordentlich. Schließlich baut sich das Drehmoment von 400 Newtonmetern schon bei 1.550 Umdrehungen auf und bringt den Supra sauber in Schwung. Oben geht ihm dann natürlich der Dampf aus, was aber ganz normal ist. Wer also jederzeit ordentlich durchbeschleunigen will, der wird mit dem Vierzylinder keinen Spaß haben. Wem aber für den Alltagsgebrauch ein schneller Antritt genügt, dem sei das kleinere Aggregat ans Herz gelegt.

Toyota GR Supra silber hinten
Erstaunlich viel Kofferraum verbirgt sich unter der markanten Heckscheibe. Knapp 300 Liter, dafür gibt es keine Rücksitzbank. © Toyota

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Toyota GR Supra: Hier liegt der Unterschied zum BMW

Beim Fahrverhalten jedenfalls nehmen sich die beiden Supras kaum was weg. Da mag beim Sechszylinder das Heck etwas agiler um die Kurven zirkeln – aber mit Geschick und Talent kriegt den ein oder anderen dynamischen Hüftschwung in der Kurve auch so hin. Antrieb am Heck, ist immer keck. Vor allem, wenn er von BMW kommt, die haben genug Erfahrung damit. Dass sich der Supra trotz des gleichen Motors und des gleichen Antriebsstrangs doch völlig anders anfühlt als der Bayer, liegt an der Auslegung der Systeme. Also Ansprechverhalten vom Gas, Lenkung und Dämpferregelung. Hier hat es Toyota tatsächlich geschafft, dem Supra einen eigenen Charakter zu verpassen. Ob mit 340 oder nur mit 258 PS – der GR Supra mag im Herzen bayerisch sein, die Seele bleibt fernöstlich. Und so ist das mit auch mit den bayerischen Japanern auf dem Oktoberfest. Trotz Lederhose und Gamsbart – so ein bayerischer Japaner kann ebenso wenig jodeln wie ein japanischer Bayer.

Technische Daten Toyota GR Supra 2.0 Dynamic

Rudolf Bögel *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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